Schönen guten Morgen zusammen, zum Wochenende präsentieren
wir Ihnen freudig die drei wichtigsten Sätze für Gespräche mit Oma, beim Bäcker
oder einfach mal so zwischendurch im freundlichen Selbstgespräch: „Wahnsinn,
die Sonne! Man muss sich halt nur echt schon eincremen.“, „Aber sobald die
Sonne weg ist, ist es furchtbar kalt.“ und „Es könnte so schön sein, wenn nicht
dieser scheußliche kalte Wind wäre!“ Da hab ich mir gedacht „Woanders kannst du
auch frieren!“ und bin letzte Woche freudig in ein Angebot für einen
Wochenend-Trip eingetaucht, das allerlei versprach („Drei Tage Luxury Spa &
Wellness“, „Vollverpflegung“, „zahlreiche Anwendungen inklusive“), vor allem
aber andere Tapeten, die man zwischendurch mal angucken kann. Kein echter
Urlaub, aber eine kleine Flucht. Mini-Urli. Urlini, sozusagen. „Das wird
entweder super“, wusste ich zu prophezeien, „oder eine Katastrophe, aber dann
haben wir wenigstens was zu lachen.“ Karlsbad also. Einer der Sehnsuchtsorte
vergangener wie heutiger Tage, der Inbegriff von Entschleunigung, Achtsamkeit
und Wellness aus einer Zeit, als diese Begriffe noch nicht erfunden waren. Die
meisten kennen den Ort sicher als Ursprung einer Waffelspezialität
(Bröselzucker zwischen zwei klebrigen Oblaten), viele andere vielleicht von
Großeltern oder sonstigen Bekannten älteren Semesters, denn hier kontempliert
es sich aufs Äußerste durch eine pittoreske Umgebung habsburgischen Pomps, und
statt wie früher von Kneipe zu Kneipe zu ziehen und verschiedene Mischungen von
Spritz & Co. zu degustieren, latscht man (ich) hier mit einem kleinen
Schnabeltässchen einen Fluss entlang, an dem sich 15 Quellen feinsten
Heilwassers befinden, um abwechselnd heißes, sprudelndes oder stinkendes Nass
selbst abzuzapfen und sich daran zu laben und sofort zu gesunden. Soweit die
Theorie, die in der Praxis höchstens gestört wird von den zahlreichen
Becherovka-Ständen, um sich zwischendurch den Mund zu spülen. Links und rechts
ragen die prächtigsten Bauten auf, und der Höhepunkt ist ein 300 Jahre altes
Grandhotel, das an Prunk und Majestät seinesgleichen sucht. Und das ich
vorsichtshalber nur auf eine heiße Schokolade betreten habe, um anschließend
lieber mit einem müffelnden Bus ins Industriegebiet am Stadtrand zu schaukeln –
wo sich mein Hotel befand … Sagen wir mal so: zu lachen gab’s einiges, auch
wenn ich die Aktionsabende „Becherovka & Sie“ und „Caribbean Night“
zugunsten eines ausgezeichneten Nachtschlafs verpasst habe und das berühmte
Karlsbader „Bierbad“ sich als profanes Schaumbad herausstellte, zu dem ein
Krügerl Bier gereicht wurde. Der Erwerb einer überdimensionierten Gartenfigur
auf dem grenznahen Mode- und Designmarkt wurde mir allerdings verboten, ich
muss also unbedingt nochmal hin. Dann aber ins Grandhotel! Kommt jemand mit?