Neulich war mal ein schönes Wetter, und weil das so
praktisch mit dem Muttertag zusammenfiel, sammelte sich die ganze Brut um das
Muttertier und besuchte gemeinsam einen feinen Biergarten. Man plauderte so vor
sich hin, bis der Zwerg, mittlerweile fünf Jahre alt und zu absoluter geistiger
Hochform aufgelaufen, eine unschuldige Frage stellte: „Was ist eigentlich
Kirchweih?“ Absolut berechtigte Frage, der sich alle gewachsen fühlten und
kurzerhand mit Bierzelt, Karussell und Maibaum antworteten. Doch ich ahnte ein
Ungemach, das auch sogleich folgte. Nämlich in dem Moment, in dem eins der
Anwesenden gscheidhaflerisch die Antwort um „Pfingsten“ ergänzte. In mir brach
ein innerlicher Jubel aus und ich blickte gespannt zum Kind, um zu sehen, wie
es fragte, wovon ich annahm, dass es gleich fragen würde. Und juhu: „Mhmm aber
was ist eigentlich Pfingsten?“ Ein großes Gelächter brach aus mir heraus. „Na,
jetzt zeigt mal, was ihr könnt!“ lästerte ich, und blickte in eine Ansammlung
leerer Gesichter. „Ähm also naja, da feiern wir …“ traute sich die Kindsmutter
an die Aufgabe, doch noch ehe sie zuende geraten haben konnte, frug der Zwerg
schlau: „Aber was feiern wir denn da?“, was von einem weiteren Familienmitglied
mit einem eilig dargereichten „Kärwa!“ beschieden und das Thema damit als
beendet erklärt wurde. Ich weiß nicht, ob es sich hierbei um einen sogenannten
„Ringschluss“ handelt, aber ich würde das als Erklärung akzeptieren. Und
amüsiere mich weiter, weil niemand, wirklich niemand sich merken kann, was
genau es eigentlich mit Pfingsten auf sich hat. Einschließlich mir. Blättern
wir also nochmal im Brockhaus. „Pfingsten ist ein christliches Fest. Der
Festinhalt ist die Sendung des Geistes Gottes zu den Jüngern Jesu“ oder „die
Aussendung des heiligen Geistes“. Der Pfingstsonntag ist der 50. Tag der
Osterzeit, also 49 Tage nach dem Ostersonntag, deswegen kann er im Kalender
variieren. Es ginge vielleicht leichter zu merken, wenn es nicht „Pfingsten“
hieße, sondern „Pfüngsten“ oder so, da lautet die 50 wenigstens mit an. Aber
vielleicht taugt es trotzdem als Eselsbrücke. Dennoch hat auch der Rest der
Familie absolut Recht behalten, zumindest, wenn man gelten lässt, dass seit
Menschengedenken in meinem Herkunftsstadtviertel die Pfingstkärwa gefeiert
wird. Was so viel bedeutet, dass Nestbeschmutzer wie ich, Ausgereiste also,
traditionell einmal jährlich zur alten Wirkungsstätte pilgern, um dem Verfall
all derjenigen, die nicht in die große weite Welt gezogen sind wie ich (vom
Speckgürtel ins Stadtzentrum), händeschüttelnd und freundlich lächelnd
beizuwohnen und sich diebisch darüber zu freuen, dass diejenigen, die heute am
ältesten und kaputtesten ausschauen, früher die lautesten und coolsten Mobber
waren und leider aus dem Vereinsheim nicht rausgefunden haben. Dann fährt man
wieder nach Hause und freut sich aufs nächste Jahr. Darauf eine Bumbermaß und
ein Prosit der Gemütlichkeit!