Bei Kindern im Grundschulalter sowie Jugendlichen gibt es
eklatante Kompetenzmängel, was das Lesen analoger Uhren angeht. Kann man
ständig überall nachlesen und leuchtet ja auch ein vor lauter Handy & Co.
Ich selbst werde das vermutlich auch demnächst verlernen, baut man mir doch
überall um mich herum meine lieben schönen analogen Uhren ab, weil erklärte mir
ein ehemaliger Bürgermeister mal, „ja eh alle immer ein Handy dabeihaben und da
die Zeit ablesen.“ Ok, kann man so sehen. Kann man aber auch sagen: Also wenn
ich grad mit dem Radl unterwegs bin und es wie immer eilig habe weil ich wie
immer vielleicht ein bisserl knapp kalkuliert habe, dann hat mir so eine Uhr am
Bahnhofsplatz z. B. schon oft gut geholfen im Sinne von „noch nen Zahn zulegen“
oder „easy, derrenn dich nicht“. Es ist aber nicht alles falsch am Leben ohne
analogen Uhren. Dass ich ein sehr arg komisches Zahlengedächtnis hab und zwar
dyskalkulatorische Symptomatiken zeige, dafür aber ausgezeichnet bin in
„gefühlter Mathematik“ (das Ergebnis stimmt, allein der Rechenweg ist mir
selber schleierhaft) sowie in beinahe zwanghafter Assoziation bestimmter
Zahlenkombinationen mit bestimmten Ereignissen – und hierfür ist die digitale
Uhr mit ihre plakativ laut herausgerotzten Ziffern äußerst willkommen. Zum
Beispiel der Klassiker: „333“ sieht man jetzt außerhalb des UK nicht superoft.
Wenn aber doch schreit’s in meinem Hirn freilich „BEI ISSOS KEILEREI!“ und
„753“ (Sichtung schon wesentlich wahrscheinlicher) muss ich natürlich „Rom
schlüpft aus dem Ei“ schlaumeiern. Das können vermutlich viele von euch, bei
mir geht’s aber noch ein bisserl weiter. Fällt mein Blick beispielsweise um 15
Uhr 05 auf eine digitale Anzeige, dann ist mein allererster Impuls: Schnell vor
die Glotze und auf Pro7 Andreas Türck anschauen!! Geht auch mit 14:05, bloß war
das glaub ich Arabella Kiesbauer und mit Schulschluss um 13 Uhr schwierig zu
realisieren. Das ist wie lange her? 30 Jahre? Irgendwie so, aber mein Hirn will
sich einfach nicht davon lösen. Seh ich sowas wie „79% Akkulaufzeit“, dann
reicht die „79“, um an eine Freundin zu denken, deren Geburtsjahr und deswegen
Nutzernamen auf u.a. Instagram diese Zahl beinhaltet. Besonders gut, soll
heißen: metertief hat sich das Konzept der „Gebuhrzeit“ in mir eingegraben. Die
„Gebuhrzeit“ ist, wenn die Uhrzeit dem eigenen Geburtsdatum entspricht. In
meinem Fall ist das 09:03 und ein sehr guter Anlass, von manchen Menschen
umgehend Gratulationen einzufordern. Das solltet ihr auch mal versuchen. Ok,
für am 31.12. Geborene wird’s natürlich schwierig, aber dann kann man immer
noch auf UK & Co. zurückgreifen und die Glückwünsche um 12:31 Uhr
einfordern. Ich kann das aus dem FF mit 16:09, 14:06, 15:11, 14:12 sowie 09:30
Uhr. Erschreckenderweise auch mit den Geburtstagen meiner Fußballidole von
annodazumal (16:10 – Mehmet Scholl; 01:02 – Christian Ziege), offenbar war
meine Pubertät eine zahlenprägende Zeit. Es ist also nicht alles schlecht an
digitaler Uhrzeit. Nur das mit den schönen weißen Bahnhofsuhren mit den
schwarzen Stricherln, das reut mich schon.