Hallo hallo Test … Eins zwo, eins zwo … HALLO? Könnt ihr
mich hören und verstehen? Ich bin mir nicht sicher, weil es ist so irrsinnig
LAUT um mich herum seit ein paar Tagen, dass ich sozusagen mein eigenes Wort
nicht verstehe. Dabei soll es doch jetzt eigentlich leise und ruhig zugehen
wegen der inneren Einkehr und der Fastenzeit, aber nein! Stattdessen scharren
alle derart mit den Hufen, dass es nicht mehr lange dauern kann, bis die Erde
bebt. Aber das wäre eigentlich ganz gut, wenn die Erde sich einmal so richtig
schütteln würde wie das Bäumchen vom Aschenputtel, nur dass dann kein Gold und
Silber über uns geworfen wird sondern ein Haufen Dreck. Insbesondere mehrere
Tonnen Rollsplit würde uns dann hübsch um die Ohren fliegen und den letzten
Zentimeter Fläche, den er in den vergangenen Wochen noch nicht vereinnahmt hat,
auch noch besetzen. Kürzlich fand ich so ein kleines Steinderl sogar im Bett, erlaube
mal! Von den zahllosen, die ich tagtäglich aus meinen Schuhen schüttele, ganz
zu schweigen, und es kann nur eine Frage der Zeit sein, bis sich ein kleines
Stück Geröll als Pfefferkorn tarnt und ich mir krachend einen Zahn ausbeiße. Aber
das kann doch einen Seemann nicht erschüttern, keine Angst, keine Angst
Rosmarie! Uns kann überhaupt gar nichts erschüttern grade, weil der Grund, aus
dem wir so nachdrücklich mit den Hufen scharren, erfüllt uns mit einer derart
mordsmäßig guten Laune, dass selbst der verdrießlichste Zwiderwurz unter dem
Gewicht der allgegenwärtigen Freude einbrechen und aus Versehen einmal die
Mundwinkel hochziehen muss. Denn es lüpft sich der
nasskaltgraunebligsprühregnerische Schleier für ein, zwei Täglein, und darunter
zum Vorschein kommt: eine Welt, der zu begegnen plötzlich nicht nur möglich,
sondern sogar zwingend unabdingbar erscheint! ZZZZZISCHHHH … Habt ihr das
gesehen? Das war ich, wie ich auf dem Rollsplit in den Park surfe, um mich dort
gemeinsam mit den Heerscharen der Sonnenanbeter und Frühlingsvergötterer vor
jedem noch so kleinen zarten Grün auf den Boden zu werfen und ihm meine tiefe
Verehrung zu erweisen. Ich werde im Kreis tanzen in flatternden Gewändern, mir Kränze
aus moderndem Laub und Raketenstecken winden, eigenhändig ein jedes
früherwachte Insekt über die Straße tragen, das Eisengitter vor der
Eisdielentüre aufstemmen, auf Feenflügeln von Grill zu Grill flattern und diese
einzig kraft meiner Gute-Laune-Funken entzünden. Ich werde Schneestiefel und
Funktionsunterwäsche vom Balkon werfen und die Heizdecke gleich dazu, 17
leichte Spaßgetränke gleichzeitig degustieren, alle Igel aus dem Winterschlaf
küssen, mir die Sonnenbrille auf die Nase kleben und fünf Openairkonzerte
nacheinander besuchen. Ich werde … am Montag todsterbenserkältet sein, reuig
meine warme Ware vorm Balkon wieder einsammeln und dabei jedem einzelnen
Rollsplitkörndl den Mittelfinger zeigen. Aber es wird sich gelohnt haben.
Winterschluss, ick hör dir trapsen. Da ändert auch das Hufgetöse nichts daran.