„It’s
gettin‘ cold in here, so put on all your clothes!” Herzlich willkommen
zu unserem Proseminar „Klassiker der Hiphop-Geschichte neu Interpretiert“. Heute: Nelly. „I am getting so cold,
i wanna take my clothes on!” Während Ihre Dozentin, Frau Prof. Dr.
honoris causa K. Wasmeier (ich) durch den Vortragsaal twerkt – uh, uh, yay, ah!
–, sich dabei in höchstem Maße sexy ein Kleidungsstück nach dem anderen
überwirft und dabei herausfordernd mit den Titten (ja nein, nix! Wir sind hier
im Hiphop, da darf man das, Motherfakkas!) bounct (was unter uns gesagt mit
zunehmendem Alter eine wachsende Herausforderung ist, weil also bis das ganze
Wolkenfleisch, einmal in Bewegung versetzt, wieder zum Stillstand kommt, das
kann schon dauern – aber hey: Alles für die Lehre!), gibt es gewisse
Disharmonien im Haushalt bzw. unter den Mitbewohnern. Deren sind es zwei, also
der Mitbewohner und ich, und das ist im Sinne der demokratischen Mitbestimmung
immer schon eine schwierige Anzahl gewesen, weil Ergebnisse bei Abstimmungen
auch heiklen Inhalts vergleichsweise oft keine absolute Mehrheit für eine
Partei ergeben und du dich dann am Ende doch wieder ums Recht des Stärkeren
prügeln musst – zö la wieh, wie der Franzose sagt. Jetzt möchte ich ungern
Wetten abgeben lassen auf wer da am End der (oder die) Stärkere sein wird, weil
Glückspiel kann süchtig machen, aber natürlich dürfen Tipps abgegeben werden.
Weil die Unstimmigkeit ist so: Mit Autoreifenwechseln gibt’s klare
Verhaltensregeln, die allgemein akzeptiert sind; wenn nicht als strenge
Richtlinie, so doch zumindest als Verhaltensempfehlung. Die lautet: Winterreifen
von O bis O, bums (tschullo, der Hiphop) aus basta. Im Oktober pfriemeln wir
das kälteresistente Profil drauf und an Ostern wieder runter, und wenn’s dann
im Mai noch schneit musst du halt schauen wie du die Schneeketten auf den
Sommerpneu hinaufgedrechselt bekommst und am Brenner umeinanderrutschst. Jedoch
wie lautet die Verhaltensregel für den Start in die Heizsaison? Was schon
einmal nicht güldet bittesehr ist eine Orientierung am Lebkuchen- und
Dominosteinsegment, weil dann tätest du die Heizung ja unter Umständen schon im
August aufdrehen (und dann am 28.12. wieder aus, wie doof wäre das denn?). Mama
sagt „Ja mach’s doch einfach nach Gefühl!“, aber unter uns: Dank der Gnade
meines Alters ist „nach Gefühl“ auch nicht wirklich belastbar, weil mein Gefühl
sagt seit einiger Zeit abwechselnd „Schweißausbruch“ und „Gänsehaut“. Ich weiß
auch nicht, was das soll. Früher hab ich die Parole ausgerufen: Es werden so
lange Klamottenschichten aufgetürmt und Wärmflaschen bereitet, bis es wirklich
nicht mehr anders geht, aber das erscheint mir auch nicht mehr adäquat. Also
Gretchenfrage: „Nun sag, wie hast du’s mit der Heizperiode?“ I put in der
Zwischenzeit mal noch ein paar clothes on. Auch wenn’s mir vom Twerken jetzt
ganz schön warm geworden ist.