24. Dezember – ein magisches Datum. Vielleicht sogar das
magischste eines jeden Jahres. Wäre ich ein paar Jahre jünger, vielleicht
vierzehn oder vierzig, würde ich vermutlich jetzt gerade ausflippen vor
Vorfreude. Alle bekannten Verstecke im Elternhaus durchforsten auf der Suche
nach sorgsam versteckten Geschenken, die das Christkind vielleicht übersehen
hat. Vor der Wohnzimmertür antichambrieren und aufs heftigste versuchen, mit
einem Stielauge durchs Schlüsselloch zu linsen und in der Dunkelheit ein paar Wichtel
beim Baumschmücken zu erwischen. In unbeobachteten Momenten Plätzchen klauen,
ungeachtet der angedrohten Strafen. In mein Zimmer sausen und bei
Pumuckl-Kassette gegen Geschenkpapier kämpfen, mit dem ich aus Gebasteltem und
Gemaltem formschöne Bonbons drechsle. Dann schnell den Kindergottesdienst durchleiden,
um danach zappelnd den lang ersehnten Startschuss in Form eines leisen
Glöckchenbimmelns zu erwarten … Heute hab ich Weihnachten outgesourct.
Heiligabendvormittag – und ich habe nichts zu tun. Wie herrlich kann ein Leben
sein? Ausschlafen, Pumuckl anschauen und irgendwann am Nachmittag gemütlich zur
ersten Station der jährlichen Hungerspiele aufbrechen. Das war’s. Hör ich mich
um, so gibt es für die Gestaltung des Countdowns allerlei unterschiedliche
Strategien, und mit am besten hat mir der (fatalistische) Plan einer Freundin
gefallen: Mangels Zeit habe sie sich zuletzt ausgesprochen wenig mit
Weihnachten beschäftigt, weswegen zu befürchten sei, dass sie sich am Vormittag
des 24. in die Stadt begeben müsse, um dort eilig ein bis fünf letzte Glühwein
zu genießen und solcherart gelockert mit weit geöffneten Taschen und
Geldbeuteln durch die Geschäfte zu taumeln und dort wahllos Regale und
Schaufensterauslagen in die mitgebrachten Beutel zu kehren, um am Abend Gäste
und sich selbst mit Geschenken zu überraschen. Ich denke, das ist eine gute
Methode. Eine andere gute Methode ist, sich auf Dinge zu fokussieren, die einem
gut tun. Man kann Sport machen oder fünfgängige Menüs, liebe Menschen treffen und
die unlieben vermeiden. Sich zum hundertsten Mal ärgern, dass Onkel Horst sich
wieder mit dem Weihnachtskarpfen durchgesetzt hat oder das einfach als
schrullige Tradition verbuchen. Einladungen zähneknirschend annehmen oder
lächelnd absagen und stattdessen ein romantisches Date mit sich selbst
vereinbaren. In die Kirche gehen oder in den Wald. Oder einfach eins der
unzähligen anderen Rituale vollziehen, die Menschen rund um den magischsten
aller Tage ersinnen. Weihnachten ist, was du draus machst. Lasst uns froh und
munter sein und uns recht von Herzen freu’n! Ich wünsche ein frohes, fröhliches
Fest, angenehme Gesellschaft, schöne Feiertage, Gesundheit, Friedlichkeit und
Frieden, ein gemütliches Zwischendenjahren. Und nicht verzweifeln! Wie schon
Karl Valentin wusste: Wenn die stade Zeit vorbei ist, wird’s auch wieder
ruhiger!