Na, da sind wir ja grade nochmal gut davongekommen mit der
sibirischen Eispeitsche, die übers Land gefegt ist und – honi soit qui mal y
pense, ihr Schelme – den Gedanken hat aufkommen lassen, es handle sich hierbei
um eine Art meteorologische Metapher für gesellschaftliche Schwingungen.
Eiseskälte, während lustige kleine Caspars, Balthasars und Melchiore von Tür zu
Türe rutschten, um Kreidebuchstaben zu malen. Lustig eigentlich, weil ich
glaub, wenn ich dabei erwischt würde, wie ich mit goldenem Umhang und Krönchen trällernd
durchs schönste aller Nürnis tingle, um überall ungefragt mein Kürzel zu taggen,
stünde schnell mindestens der Ordnungsdienst auf der Matte, um mich am
Schlafittchen zum Putzdienst zu schleifen. Aber gut, man hat ja hierzulande
traditionell ein gespaltenes Verhältnis zur Fassadengestaltung (s. Graffiti –
böse vs. Lüftlmalerei – gut), erstens. Und zweitens weiß ich freilich selbst,
dass es sich beim C+B+M nicht um schnöde Namensnennung handelt, sondern um die
(zugegebenermaßen sehr kurze) Abkürzung des salbungsvollen „Christus mansionem
benedicat“: Christus segne dieses Haus. Wer sich jetzt am Morgenkaffee
verschluckt hat wegen Zwangschristianisierung, dem reiche ich gerne eine
alternative Übersetzung: Casa mea benedicat – und ob deine Hütte von Christus,
Allah oder Benjamin Blümchen gesegnet wird, das kannst du dir dann einfach
selbst aussuchen. Also jedenfalls war’s recht kalt, aber das entspricht ja
nicht nur der landesweiten Stimmung, sondern dank jüngster Ereignisse auch der
städtischen, wo vor wenigen Tagen ein Kind eine Bühne erklomm und der (Nürnberger)
Welt sagte, was sie eh schon wusste: Der Kaiser hat ja gar nichts an! Püüha,
das mögen wir nicht so gern. Sehr gerne hingegen mögen wir uns mit
Neujahrsvorsätzen beschäftigen bzw. der Nichteinhaltung derselben. Um mich
herum wird viel verzichtet, wie es sich gehört freilich auf Süßkram (berichtete
die Freundin mit chipsgefüllten Backen), und ich bin mir sicher, dass gestern
im Fitnessstudio – sorry: Gym, meine ich, verdächtig viele neue Gesichter mit
verdächtig neuen Klamotten anwesend waren. Was machen die eigentlich ab Februar
mit ihrem Jahresvertrag? Naja, von irgendwas muss so ein Sportverein ja leben.
Eine andere Freundin hat seit zwei Wochen nicht geraucht, dafür aber seitdem
den kompletten Hausstand ausgetauscht: Neue Mikrowelle, Küchenutensil, Kunst,
Outdoor-Klamotten – es könne sein, so grübelte sie, sie kompensiere Rauchen mit
Online-Shopping, und sei sich nicht ganz sicher, wie lange sie das so
durchhalten könne. Rauchen anfangen aus finanziellen Gründen – musst du auch
erst einmal schaffen. Gefällt mir aber nicht schlecht. Ich hab irgendwie keinen
Vorsatz, dabei würde ich so gern einen brechen. Zieh ich mich halt weiter warm
an. Wegen der Kälte. Auch der meteorologischen.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen