Samstag, 19. April 2014

Nachbarn

Ich liebe meine Nachbarn sehr. Insbesondere liebe ich die im Nebenhaus. Dort nämlich führt eine große Menge Menschen mit höchst undurchsichtigen Familienstrukturen unter der Anleitung zweier Patriarchen ein heiteres Dasein. Die Frauen kann ich wegen erstens ewiger Jugend und zweitens konsequenter Kopfbedeckung nicht immer unterscheiden, die Kinder hingegen schon, schließlich sehe ich sie seit Jahren wachsen und gedeihen und sich vom Sonntagmorgen um 7 Uhr im Garten lauthals nach der Mutter verlangenden Racker zum Sonntagmorgen um 5 Uhr lauthals auf der Straße singenden Knaben gar prächtig entwickeln. Den Nachbarn habe ich ein schönes Auto zu verdanken, denn den Vorgänger hat ein zu den Nachbarn gehörender LKW mal im Vorbeigehen plattgewalzt, sowie eine ausgesprochen ersprießliche Aussicht auf sattes Gartengrün in Form allerlei Salaten, darüber hinaus höchst interessante Einblicke in die abendländische Kultur, die nicht nur köstliche Grillgerüche hervorbringt sondern auch nächtlichen Gesang. 

Doch am meisten liebe ich die Nachbarn dafür, dass sie mir in Bälde einen direkten Zugang nach Australien verschaffen werden. Oder wo auch immer man herauskommt, wenn man sich einmal quer durch den Erdkern gebohrt hat. Das kann ja Vorteile haben hinsichtlich frischem Obst und Gemüse der Saison und CO2-Bilanz. Als ich hier einzog, sprach die Vormieterin bei der Schlüsselübergabe milde (oder war es verzweifelt und ich habs verkannt?): „Die renovieren jetzt seit ein paar Jahren, die müssten bald mal fertig sein.“ Das ist lange her. Sehr lange. Seitdem beglücken mich die Nachbarn mit wohldosierten heimwerkerischen Unterfangen und erinnern mich dezent daran, dass auch am Wochenende morgens manche Leute arbeiten (müssen), während andere womöglich schlafen wollen. Der fleißige Ameisenstaat im Nebenhaus jedoch ruhet nie, sondern schafft und schafft und benimmt sich ausgesprochen schwäbisch. 

Es nimmt mich nur wunder, dass man von außen praktisch nichts sieht, abgesehen von einem kleinen Steinschlag hier und da, doch das verleiht der Straße doch nur alpines Flair. Einmal war ich mutig und erfrug die voraussichtliche Dauer der Manöver (hinter meinem gebetteten Kopf war samstagmorgens etwas von der Größe ungefähr der Berliner Mauer eingerissen worden), woraufhin aufgeregtes Geschnatter erklang, aus dem ich in meiner Verlegenheit herauszuhören glaubte, man überzöge das Haus von Innen mit einer Schallschutzwand, weil ich so laut sei. Seitdem traue ich mich nicht mehr, sondern hoffe inständig, dass die Stollenarbeiter auch über Kernkompetenzen in puncto Abstützungsvorrichtungen verfügen, sonst ist’s aus mit dem alpinen Flair und statt im Hochwasser stecken dann die Autos hier in Lava fest. Wobei derlei Gestein ja fruchtbar und ergo gut für den Salat-Anbau sein soll. 

Hoffe also ausnahmsweise auf die Stillen Feiertage und schick euch in die Lauten Feiernächte: „90s Trashgalore“ (Hirsch, Vogelweiherstraße), „Why so serious“ (Rakete, ebd.), „Fruityman Special“ (360°, Adlerstraße), „17 Jahre Wildstyle“ (Stereo, Klaragasse), „Kings Clubbing“ (King Lui, Luitpoldstraße), „Samstag Nacht“ (Mach1, Kaiserstraße), Kniebeugen, Eiersuchen, Lammbraten, „Education in Dub“ (Resi’s, Klingenhofstraße), „Stereo FM“ (Stereo), „Single Party“ (Terminal, Flughafenstraße), „80er Parks“ (Stadtpark), „Music for devoted People“ (Mississippi Queen, Donaustraße), „Eieiei!“ (Mitte, Hallplatz), „We love RNB“ (Indabahn, Bahnhofsplatz), „Tonkonzum“ (KKK, Königstraße). Am Montag kann man sich dann immer noch überlegen, ob man sich lieber an Osterbrunnen oder Volksfestbesuchern ergötzen möchte.

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