Ich wollte gerade kalten, alten Tee in einen großen
Pflanztopf schütten. In diesem Pflanztopf befindet sich seit einer äußerst
kräftezehrenden Umbaumaßnahme, der ich vor einigen Wochen mein Arbeitszimmer
unterzogen habe, um das dort herrschende Chaos (Genie und so) wenigstens einer
äußeren, scheinbaren Ordnung zu unterwerfen, eine sehr große schöne Pflanze.
Die, so hoffe ich, filtert die ganze böse Luft, die ich beim Hirnen und Werken
und Wirken produziere, und macht aus ihr frischen, gesunden und kopflüftenden
Sauerstoff (Muss man dann eigentlich noch lüften? Frage für einen Freund.),
sondern erfreut auch mein müdes Auge mit ihrem erquicklichen Anblick: Kurz aufs
saftig-grüne Blatt gelinst, und schon purzeln die Ideen nur so aus meinem Kopf
hervor. Genau diesen Quell der Inspiration sehe ich seit einigen Tagen bedroht,
denn es betrüben die Freshness ein, zwei braune Blattstellen … Zimmerpflanzen
und ich, das ist so eine Sache. Was gut geht, sind getrocknete Blumen, mit
denen komme ich zurecht, wir führen oft jahrelange Freundschaften. Was mir auch
sehr gut gelingt, ist die „Pflege“ einer Orchidee, die ich vielleicht einmal
fürs Guinness Buch der Rekorde als widerstandsfähigste jemals gelebte Pflanze
der Welt vorschlagen möchte: Vor über 20 Jahren als Einzugsgeschenk in die
erste eigene Wohnung erhalten, steht diese Orchidee als lebendes Wunder und
Beweis für die Existenz von Pflanzen, die um so besser gedeihen, je mehr man
sie einfach vergisst, und presst unter größten Geburtswehen Jahr für Jahr ihre
Blüten in die Welt hinein. Weil ich sie freilich niemals umgetopft habe,
befinden sich in ihrem Heim Wurzeln statt Nährboden. Zudem dient die Pflanze
als Langzeitexperiment. Zwischenergebnis: Nach 20 Jahren beginnt ein
Plastiktopf langsam zu zerbröseln … Ab hier wird die Luft dünn, und vor jedem
Kauf einer neuen Grünpflanze gehe ich mit mir hart ins Gericht, ob ich dem
armen Lebewesen diese kurze Existenz wirklich antun möchte. Jetzt also braune
Flecken. Ich rief sogleich meine Vertraute in allen Pflanzenfragen an: Jemand,
der euch vielleicht noch als „Pubertier“ ein Begriff ist, der bzw. die aber
unversehens zu einer stattlichen jungen Dame mit zwei prächtigen grünen Daumen
herangereift ist. Nach 17 Sprachnachrichten á fünf bis 26 Minuten rief ich
„STOP!“ ins Telefon hinein und „Ich wollte eine PFLANZE und kein HAUSTIER!“,
denn so fühlten sich die Anweisungen ziemlich genau an, die sich irgendwo
zwischen „Blätterstreicheln“ und „Pflanzendusche“ bewegten. Vielleicht sollte
ich ein neues Experiment starten und die „Braunpflanze“ etablieren. Mit dem
alten Tee, dachte ich, wäre damit wohl ein guter Anfang gemacht. Ich hab’s dann
lieber gelassen. Wenn ich nicht faste, muss es die Pflanze ja auch nicht
unbedingt tun. Vielleicht dankt sie’s mir – ich werde berichten.
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