Fremdwörter machen das Leben nicht leichter, aber schöner.
Zumindest für diejenigen, die sie benutzen (können) und darob im besten Falle
auch verstehen. Für die anderen Sprecher nicht so sehr, deswegen muss man immer
ein bisschen aufpassen beim Verwenden der schönen Vokabeln, dass man damit
seinem Gegenüber nicht ganz gewaltig auf den Schlips tritt. Oder aber man
möchte dem Gegenüber sehr gerne ganz gewaltig auf den Schlips treten und
verwendet extra viele schöne Wörter, um den anderen möglichst doof dastehen zu
lassen. Was ich natürlich nie machen würde. Dennoch habe ich hier just ein paar
neue Kandidaten, die wirklich hervorragend geeignet sind, um sich möglichst,
Achtung, distinguiert hervorzutun, sprich: als prahlerisches Arschloch zu
erkennen zu geben. Besonders wichtig bei der Benutzung von Fremdwörtern ist,
dass es eine astreine Alternative auf Deutsch gäbe, aber man lieber dennoch
zum, Achtung, elaborierten Worte greift. Ich habe überlegt, euch öfter mal eine
kleine Handreichung anzufertigen, damit auch ihr als feine Prahlköpfe durch die
Welt, Achtung, kontemplieren könnt. Als da wäre: ephemer (flüchtig, nur
kurze Zeit bestehend: Meine Liebe zu dir war ephemer.), konzis (kurz
gefasst, prägnant: Wasi, sei doch in der Kolumne mal konzis!), perzipieren
(wahrnehmen, bemerken: Perzipierst du auch diesen Lebkuchen-Gestank in der
Nordstadt?), ambig (zweideutig: Also für mich klang die
Zahlungsaufforderung vom Finanzamt recht ambig.) und Aporie
(Ausweglosigkeit, unlösbarer Widerspruch: Mir scheint, als handle es sich bei
der genannten Deadline um eine Aporie!). Nach dieser kleinen Aufwärmübung
können wir jetzt zum eigentlichen Problem des Tages kommen, das da wäre: Ich
habe ein schweres Leiden entwickelt in den vergangenen Jahren. Das Leiden geht
einher mit bleierner Müdigkeit, Schädelweh, unbezwingbarer Schwäche und maximal
gesteigertem Schlafbedürfnis, sprich es macht mich quasi lebensunfähig und das
gerne an Tagen, an denen von der Menschheit eine große Lebensfähigkeit
vorausgesetzt wird. Klingelt bei mir dann das Telefon, hebe ich mit größter
Mühe den Hörer ab (also ich drück halt den grünen Knopf) und hauche in diesen
mit durchsichtiger Stimme „Ich kann nicht, ich habe schlimme Metereopathie!“
völlig unabhängig davon, was der Anrufende von mir gewollt haben könnte.
Gelegentlich kommt es auch vor, dass ich brutal miese Laune habe und
freundlichen Worten oder Gesten blumenstraußzerreißend ein „WAS SOLL MIR DAS
JETZT HELFEN MIT MEINER SCHLIMMEN, SCHLIMMEN METEREOPATHIE?!“ die Tür weise.
Schlimme Krankheit, kann man nichts machen. Ganz besonders nicht gestehen, dass
es sich bei der spezialschlimmen Krankheit um eine simple Wetterfühligkeit
handelt, bei der es helfen könnte, sich einfach mal ein bisschen
zusammenzureißen … Sehr distinguiert, n’est-ce pas?
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