Freitag, 27. Februar 2026

Hufgescharre

 

Hallo hallo Test … Eins zwo, eins zwo … HALLO? Könnt ihr mich hören und verstehen? Ich bin mir nicht sicher, weil es ist so irrsinnig LAUT um mich herum seit ein paar Tagen, dass ich sozusagen mein eigenes Wort nicht verstehe. Dabei soll es doch jetzt eigentlich leise und ruhig zugehen wegen der inneren Einkehr und der Fastenzeit, aber nein! Stattdessen scharren alle derart mit den Hufen, dass es nicht mehr lange dauern kann, bis die Erde bebt. Aber das wäre eigentlich ganz gut, wenn die Erde sich einmal so richtig schütteln würde wie das Bäumchen vom Aschenputtel, nur dass dann kein Gold und Silber über uns geworfen wird sondern ein Haufen Dreck. Insbesondere mehrere Tonnen Rollsplit würde uns dann hübsch um die Ohren fliegen und den letzten Zentimeter Fläche, den er in den vergangenen Wochen noch nicht vereinnahmt hat, auch noch besetzen. Kürzlich fand ich so ein kleines Steinderl sogar im Bett, erlaube mal! Von den zahllosen, die ich tagtäglich aus meinen Schuhen schüttele, ganz zu schweigen, und es kann nur eine Frage der Zeit sein, bis sich ein kleines Stück Geröll als Pfefferkorn tarnt und ich mir krachend einen Zahn ausbeiße. Aber das kann doch einen Seemann nicht erschüttern, keine Angst, keine Angst Rosmarie! Uns kann überhaupt gar nichts erschüttern grade, weil der Grund, aus dem wir so nachdrücklich mit den Hufen scharren, erfüllt uns mit einer derart mordsmäßig guten Laune, dass selbst der verdrießlichste Zwiderwurz unter dem Gewicht der allgegenwärtigen Freude einbrechen und aus Versehen einmal die Mundwinkel hochziehen muss. Denn es lüpft sich der nasskaltgraunebligsprühregnerische Schleier für ein, zwei Täglein, und darunter zum Vorschein kommt: eine Welt, der zu begegnen plötzlich nicht nur möglich, sondern sogar zwingend unabdingbar erscheint! ZZZZZISCHHHH … Habt ihr das gesehen? Das war ich, wie ich auf dem Rollsplit in den Park surfe, um mich dort gemeinsam mit den Heerscharen der Sonnenanbeter und Frühlingsvergötterer vor jedem noch so kleinen zarten Grün auf den Boden zu werfen und ihm meine tiefe Verehrung zu erweisen. Ich werde im Kreis tanzen in flatternden Gewändern, mir Kränze aus moderndem Laub und Raketenstecken winden, eigenhändig ein jedes früherwachte Insekt über die Straße tragen, das Eisengitter vor der Eisdielentüre aufstemmen, auf Feenflügeln von Grill zu Grill flattern und diese einzig kraft meiner Gute-Laune-Funken entzünden. Ich werde Schneestiefel und Funktionsunterwäsche vom Balkon werfen und die Heizdecke gleich dazu, 17 leichte Spaßgetränke gleichzeitig degustieren, alle Igel aus dem Winterschlaf küssen, mir die Sonnenbrille auf die Nase kleben und fünf Openairkonzerte nacheinander besuchen. Ich werde … am Montag todsterbenserkältet sein, reuig meine warme Ware vorm Balkon wieder einsammeln und dabei jedem einzelnen Rollsplitkörndl den Mittelfinger zeigen. Aber es wird sich gelohnt haben. Winterschluss, ick hör dir trapsen. Da ändert auch das Hufgetöse nichts daran.

 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen