Das Internet ist wirklich manchmal zu nichts zu gebrauchen.
Zum Beispiel, wenn man eine Erinnerung verifizieren möchte an Erlebnisse, die
sich so ungefähr vor 25, 30 Jahren (huch!) abgespielt haben müssten und darum
möglicherweise etwas vage sind. Dann muss es eben ohne gehen, aber sagt nicht,
ich würde lügen! Also: In diesem genannten Früher gab es über Ostern eine sehr
wichtige Sache und intensive Beschäftigungsmöglichkeit. Nämlich spielte ein
Radiosender über alle Feiertage hinweg die Top 500-Lieblingshits der
Hörerschaft. Das ist ja erstmal nichts Besonderes, weil das machen die ja im
Prinzip dauernd. Aber in dem Fall kam ein ganz besonderer Service mit daher,
nämlich: eine feinsäuberliche aufgelistete Liste aller geplanten Hits, die auf
einer Doppelseite in der Zeitung vorab präsentiert wurde. Immer noch nicht so
besonders? Dann habt ihr wirklich keine Ahnung, sprich: seid entweder viel zu
alt oder viel zu jung. Weil für mich und meinesgleichen hatte dieses Wochenende
eine unfassbar große Bedeutung – was dem Anlass entsprechend nur angemessen
war. Ostern! Das höchste Fest der Christenheit, das aber zu meinem
Unverständnis nicht mit einer vierwöchigen aufgeregten Vorbereitungszeit
einhergeht wie im Dezember. Zu dem auch keine überdimensionalen Palmwedel vor
dem Hauptbahnhof geschmückt werden, sich keine Horden zum allabendlichen
Eierlikörchen auf dem Hauptmarkt treffen, relativ wenig geweint wird wegen
unerfüllter Geschenkewünsche und meines Wissens nach vergleichsweise selten
Kinderchöre überall erscheinen und Osterlieder trällern. Ich meine: Okay, wir
feiern im Dezember eine Niederkunft, das sollte ja immer ein Anlass für
Festivitäten sein. Aber an Ostern passiert doch die große Magie, der echte
Shizzle, das könnte man doch ruhig ein bisschen mehr würdigen? So tat das also
in unserem Sinne dieser Radiosender und bescherte uns armen Millenials, die wir
ja nichts hatten – kein Smartphone, kein Internet, kein Netflix, es war so
schrecklich! – ausgesprochen aufregende Tage mit einer Art frühzeitlichem
Spotify, was auch nur minimal aufwendiger war als heutzutage. Anhand besagter
Liste wusste ich auf die Sekunde exakt, um wie viel Uhr welcher lebenswichtige
Song gespielt wurde, und damit DIE Chance, ihn endlich in voller Länge und ohne
lästiges Geschwafel vorne und Werbejingle hinten auf Kassette (sowas wie ein
USB-Stick) zu fixieren. Ich saß also drei Tage vor dem HiFi-Turm in meinem
Kinderzimmer, die Zeitung um mich gehüllt wie eine Toga. Nagelneu gekaufte
Kassetten häuften sich um mich herum, und ich war absolut bereit. Bereit, den
„record“-Knopf zu drücken, wenn eines meiner Lieblinge in die Pipeline des
Äthers gelangte, den wichtigen Fang sogleich sorgsam auf dem Coverzettel zu
notieren und somit musikalisches Überleben für das kommende Jahr zu sichern.
Leider gibt es das heute nicht mehr. Ich habe also viel Zeit für Eiersuche und
Geschenke. Versteckt ihr mir was? Das wäre dem Anlass doch angemessen. Frohe
Ostern!
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