Am Wochenende wäre beinahe ein mittelgroßes Malheur
passiert. Im Rahmen meiner unilateralen Gesprächstherapie hier möchte ich
sogleich meine Erfahrungen teilen, denn das war so: Ein Auto will gewaschen,
geputzt und gepflegt werden – vor allem im Autoliebedeutschland eine
Beschäftigung, der man gerne am Wochenende nachgeht, um das gute Stück
regelmäßig auf Hochglanz zu bringen. Ich bin darin nicht gut, um nicht zu
sagen: schlecht, aber so alle Jubeljahre komm ich schon auch mal auf die Idee,
nachzuschauen, welche Farbe sich eigentlich unter dem Gatsch aus
festzementiertem Streusalz und eingebackenem Blütenstaub verbirgt. Also
Waschanlage, und weil Leute immer nicht verstehen, warum ich kein Fan von
Achterbahnen & Co. bin: Ich hol mir meinen Thrill in
Alltagsbeschäftigungen, beispielsweise einmal jährlich in ebenjener Autodusche.
Dieser Vorgang war mir noch nie geheuer. Schwieriges Rangieren zwischen
komischen Geleisen, man muss 17-mal prüfen, ob auch wirklich alle Fenster und
Dächer geschlossen sind, werden die Scheiben dem Bürstendruck standhalten, wann
ist der richtige Zeitpunkt, wieder loszufahren und früher hat man dann am
krisseligen Radioton gemerkt, dass die Antenne wohl doch nicht abgeschraubt war.
Eine veritable Urangst also. Davon hab ich mehrere, und ich weiß immer nicht,
ob das noch normal ist oder schon pathologisch, und ich werde es vermutlich
auch nicht herausfinden, weil heutzutage ja alles pathologisch ist und jede
Charaktereigenschaft im Therapeuten-Sprech mal schnell beim Abendessen oder in
der Norma-Schlange durchdiagnostiziert wird. Weitere Urängste von mir: die
Verdurstungsangst (immer Wasser dabeihaben, man weiß nie, was passiert. Ja,
auch in der Innenstadt nicht.); die Erfrierungsangst (ein Temperatursturz nach
Regen, Sonnenuntergang oder einfach spontan ist selbstverständlich immer
möglich, und grade im schönsten aller Nürnis ein Durchfahren verschiedener
Klimazonen innerhalb einer Stunde absolut machbar); die
In-der-Rutsche-Steckenbleib-Angst (als wäre ich in den letzten 30 Jahren
gerutscht … ); die Sonnenstuhl-Zusammenbrech-Angst (besonders heikel kommen mir
da diese fiesen, wackligen Liegen daher, bei denen ich nie weiß, wie sie
richtig aufgestellt gehören, und dann will man sich im Biergarten
hineinbequemen und ZACK! großes Gelächter … Wird aber aktuell abgelöst von der
Aus-dem-Sonnenstuhl-nicht-mehr-hochkomm-Angst.); die unbemerkter-Pickel-im-Gesicht-Angst
(…); die Mundfäule-Angst (schröckliche Vorstellung!) … Oh, es werden dann doch
mehr Urängste, als ich anfangs gedacht hatte. Naja jedenfalls: Ich rein in die
Riesendusche, wollte den Schlüssel abziehen und dann gemütlich draußen in der
Sonne stehen und warten, bis das Programm durchgelaufen ist. Hab ich also die
Tür schonmal geöffnet und dann sind sehr viele Sachen gleichzeitig passiert: 1.
Der Autoschlüssel ließ sich nicht abziehen. 2. Die Autotür war offen. 3. Die
Waschanlage begann ihr Werk, allerlei Lichter blinkten und erste Wassertropfen
sprenkelten die Frontscheibe … Vor lauter Schreck weiß ich nicht mehr ganz
genau, was dann passiert ist, aber ich scheine nach einigem hilflosen
Schlüssel-Gerüttel auf die Idee gekommen zu sein, geistesgegenwärtig die Tür
wieder zu schließen. Das war knapp. Und muss jetzt erstmal wieder reichen für
ein Jahr. Meine Angst? Vollkommen berechtigt!
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