Servaz miteinander! Ach nein Verzeihung, es muss ja „Servus“
heißen, ich bin schon ganz durcheinander … Mamert, Pankraz, Servaz, Bonifaz und
Sophie – so heißen die Kollegen, die uns grad das Leben vergrätzen. Alljährlich
bringen sie uns für eine Woche den Winter zurück, und das akkurat im
allerschönsten Frühlingsjubel, wo wir doch grade dabei waren, festes Schuhwerk
und dicke Daunen für mindestens sechs Monate auf den Dachboden zu verdammen.
Doch mitten im Räumen und Rühren muss man plötzlich innehalten und, einen Fuß
schon auf der Stiege, kleinlaut mit dem ganzen Wärmekrempel wieder umkehren.
Eisheilige, das sind fiese Gesellen und eine Gesellin, namentlich die Kalte
Sophie, die uns am heutigen Freitag beehrt und damit den offiziellen Reigen der
Verwunderung beenden, die uns ebenso zuverlässig alljährlich trifft. Wie kann
das jetzt plötzlich so kalt sein, grade war doch noch T-Shirt? Ich denke, die
Eisheiligen sind eine Art Memento Mori des lieben Petrus. Eine mit
hocherhobenem Zeigefinger vorgetragene Warnung, gefälligst den Frühling und
Sommer aufs Heftigste zu genießen, denn mit einem Fingerschnips kann sich
wieder alles ändern und der Winter hat uns zurück in seiner eisigen Faus. Am
mementomorischsten, zumindest als Unterstützung blicken mich die „Briemerla“
(mittelfränkisch für „schöne Blumen“) vom Balkon aus an, wo ich sie wider
besseres Wissen bereits ausgesetzt habe. Hier frieren und frosten und leiden
sie nun still vor sich hin, die bunten Stempelchen wie Augen, aus denen
vorwurfsvolle Blicke blitzen: Warum hast du uns das angetan, du weißt doch
genau, dass es über die Eisheiligen für uns viel zu gefährlich draußen ist? Und
ich nicke beschämt und gelobe Besserung. Pankraz, Servaz, Bonifaz machen erst
dem Sommer Platz. Also gut. Dann überwintere … nein, überbrücke ich eben mit
vorfreudigen Gedanken auf meine wahren Eisheiligen. Kennt ihr noch Ed von
Schleck? Ich glaube, das gibt es nicht mehr, aber es war eine sehr coole Sache
in einer Plastikröhre, in die man unten ein Plastikröhrl stecken und dann sanft,
sehr sanft nach oben drücken musste. War man zu ungeduldig, flutschte die
gelb-weiß-gequirlte Eiscreme einfach auf den Boden und das Geschrei war groß.
Oder Bumbum, das Boris-Becker-Gedächtniseis, bei dem die Glasur irgendwie eklig
aber geil war, niemand weiß, wie das Eis eigentlich schmeckt, wohl aber, dass
der dazugehörige Kaugummi aus dem Stiel nach zwei Sekunden keinen Geschmack
mehr hatte. Pfuargs! Und das Big Sandwich mit der praktischen Waffel zum halten
und Abbeißen, von der man keinesfalls abbeißen darf, weil sonst links und
rechts und vorne und hinten und überall gleichzeitig hervorquillt und die bunte
Pückler Schnitte überall landet, bloß nicht in deinem Magen … Ich finde, das
sind echte Eisheilige. Und statt Memento Mori rufen die nur weithin hörbar
„Memento Gaudi“ – jawollja!
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