Ein Kurzurlaub dauert typischerweise zwei bis vier Tage und
dient der „schnellen Erholung vom Alltag“. Hab ich prompt gemacht und jetzt
ganz im Matthias Claudius’schen Sinne was zu erzählen. Die Idee: Vier Tage
Camping mit Freunden in der Fränkischen, Wandern, Essen sowie die Seele im
Gleichklang mit den Beinen baumeln lassen. Der heilige Schwur, ausgesprochen am
Abreisetag um 15 Uhr: „Wir brauchen ja echt nix und nehmen nur das Nötigste
mit.“ 16.35 Uhr: Besorgte Nachbarn fragen, ob wir etwa ausziehen. Nein, tun wir
nicht, aber es ist wie verflixt: Ob vier Tage oder vier Wochen – man braucht
halt so seinen Krempel, und während für die Klamotten zwar ein Handtäschchen
reicht, tendiert die Reisegruppe Wasmeier ja zum Vorbereitet sein auf alle
Eventualitäten und schleppt darum u.a. wohlweislich eine Heizdecke mit auf den
Trip. 18 Uhr: Befahren der Autobahnauffahrt. 18.02 Uhr: Lichtsignale und
Geschrei eines anderen Fahrers und die Info, „euer Caravan hat eine Scheibe
verloren.“ Schreck, Standstreifen, Fenster-Check. Seltsam, alles da. 19.10 Uhr:
Ankunft in der Campingschlucht bei Sonnenuntergang, Kleinkinder planschen nackt
im Fluss, während ich beim Verlassen des Autos den sofortigen Kältetod erleide.
Das geht ja gut los. 19.30 Uhr: Hä, warum ist es so hell in der Nasszelle? Oh,
kein Dachfenster mehr … Zu diesem Zeitpunkt beginnt von mir unbemerkt auch
etwas, das ich „campinginduzierte Dezivilisierung“ nennen möchte. Man betritt
den Ort als reinlicher Mensch mit einem leichten Hang zum Zwanghaften, hat ein
Duschkonzept erarbeitet, ausreichend saubere Unterhosen dabei und freut sich
darüber, dass die sanitäre Anlage nur zehn Meter entfernt ist, schließlich muss
man ja beständig Hände waschen. Morgendusche an Tag 2 entfällt außerplanmäßig,
weil verschlafen. Abenddusche Tag 2 entfällt jedoch auch, weil zu müde.
Morgendusche Tag 3 entfällt, weil nachher schwitz ich eh wieder, außerdem is‘
doch nur Camping. Nachmittagdusche Tag 3: Für 50 Cent tropft vier Minuten ein
entweder zu kaltes oder zu heißes Rinnsal aus dem Duschkopf. Logo: Das machen
wir nicht mehr! Indirekt proportional zur Aufenthaltsdauer nimmt zudem das
Reinlichkeitsbedürfnis insgesamt ab. Latscht man zu Beginn noch alle halbe
Stunde zur Sanitäranlage, wischt man sich 24 Stunden später die Hände nurmehr
notdürftig an der Hose ab, um weitere 24 Stunden später überrascht
festzustellen, dass es ganz ohne Händewaschen eigentlich auch gut geht, die
zehn Meter zum Waschbecken sind endlos weit und man muss sich ja vielleicht mal
nicht so anstellen … So geht’s dahin, und nach vier Tagen fragen andere
Nachbarn daheim auf der Straße überrascht, wie lange wir wohl weg waren.
Immerhin: Die Heizdecke hat mir das Leben gerettet, die Zeit war wunderschön.
Und das ist ja wohl die Hauptsache. Jetzt geh ich aber lieber mal schnell
Händewaschen.
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