Gaudeamus igitur iuvenes dum sumus! Lasst uns also fröhlich
sein, solange wir jung sind – ich finde das eine beachtliche Leistung an
vernünftiger Vorausschauung für einen jungen Menschen. Oder an feiner
Beobachtung der Älteren. Zumindest, wenn man bedenkt, dass es sich hierbei um
einen uralten Trinkspruch handelt, der ganz sicher keine fünftägige Fastenkur
eingeleitet hat und mutmaßlich auch kein Achtsamkeitsseminar, sondern
irgendwas, das mit sehr viel Wein oder gar, o Schreck, Stärkerem einherging.
Weil schwerer Kater hin oder her – so richtig kann man sich’s ja wohl nicht
vorstellen, WIE schlimm so ein schlimmster Kater der Welt wirklich sein kann,
wenn man erst das entsprechende Alter dafür erreicht hat. „Das kann doch
wirklich nicht sein, dass ich gestern EIN Bier getrunken hab und EIN kleines
Glas Prosecco und heut einen dermaßenen Schädel beinander hab und so kaputt
bin“, klagte zuletzt ein Lieblingsmensch und schluchzte heiser ins Telefon. Was
gut war (Telefon), weil da hat er mich nicht mitleidig grinsen sehen können. Besagter
Mensch zählt nämlich trotz dessen er zehn Jahre jünger ist als ich auch keine
20 Lenze mehr, was er zu gern vergisst und unbekümmert seine ewige Jugend
preist. Ich bin längst in dem Alter angekommen, in dem die meisten erkannt
haben, dass Alkoholgenuss nur durch straffes Training oder heftige
Enthaltsamkeit zu machen ist. Ich kenne beide Parteien, und finde, dass ich
deshalb sowohl mitfühlen als auch ordentlich lästern darf. So ein Festival
beispielsweise. Da bist du früher mit einem Dosenbier in der Hand und bereits
drei im Gesicht lustig eingetanzt, hast dann fröhlich durchgebechert, am
kommenden Vormittag einmal schmerzhaft das Gesicht verzogen, weitergemacht, Tag
drei dann bereits mit etwas schmerzhafter verzogenem Gesicht begonnen, dich
dann aber pflichtbewusst in dein Schicksal gefügt und bist wie durch ein Wunder
am Montagmorgen auf deinem Werkstudenten- oder Uni-Hocker erschienen. Zumindest
körperlich. Heute? Undenkbar. Schon allein die Erinnerung an derart exzessive
Tage bereitet mir ein grauenhaftes Unwohlsein (und ungläubiges Kopfschütteln).
Würde ich das heute nochmal so machen, ich wäre vier Wochen krank. Fünf Tage
Bierfest? 14 Tage Berg? Extraterrestrisch absurd! Heute gehen (meine) Menschen
nur in Lokale, von deren Weißwein sie keine Histaminallergie bekommen,
schlucken vor dem Einschlafen mehr Bullrich Salz als Alkohol, wissen unter
58439257 Biersorten exakt, von welchem sie Sodbrennen bekommen, können „Zwischenwasser“
so selbstverständlich aussprechen wie „Ein Achterl noch, bitte“ und pünktlich
um 22 Uhr nach Hause gehen. Na gut, wir mussten das auch alle erstmal lernen.
Aber weil wir wissen, wie’s laufen kann, lautet unser Trinkspruch anders: „Man
muss die Feste feiern, wie sie fallen.“ So gesehen: Prösterchen! Auf die
Viertagewoche!