Jemand Bock auf Eintopf? Nein danke, ich auch nicht. Ganz
grundsätzlich nicht und jetzt schon gleich dreimal nicht, weil wer kann denn
bitte grade irgendwas anderes essen als Wassermelone, kalte Gurkensuppe,
Joghurt oder Kirschen (Pluspunkt hier: Kirschkernweitspucken vertreibt
Langeweile und erhöht massiv die Achtung, die kleine Kinder vor einem haben)?
Ja ok, ich weiß, dass es sie gibt. Diese extraterrestrischen Wesen
beispielsweise, die sich zur Mittagspause bei 40 Grad mal schön Döner gönnen,
romantisch und luftig an der Hauptstraße unter fadenscheinigen Sonnenschirmen,
und dazu bereitwillig zur olfaktorischen Kacka- äh Kakophonie beitragen, die
derzeit in den Straßen herrscht. Es. Stinkt. Nach schmelzendem Teer und in
Altglascontainern und Mülleimern vor sich hin köchelndem Unrat. Nach Füßen und
Achseln. Nach Menschen, die immer noch nicht mitgeschnitten haben, dass Jil
Sander „Sun“, Joop „Homme“ und Gaultier „Le Male“ seit 35 Jahren verboten
gehören und, zumal im Glutsommer getragen, einen Verstoß gegen die (meine)
Menschenwürde darstellen (ganz zu schweigen von jedem Deo, auf dem „Impulse“ zu
lesen ist). Nach Surströmming oder jedem beliebigen Gammelfisch in einem Radius
von fünf Kilometern um gewisse stehende Gewässer herum. Gottlob war die Luft zuletzt erfüllt von
Petrichor – der typische Geruch, der entsteht, wenn es auf glühendheißen Boden
regnet. Aber ich kann euch sagen: Selbst Regen und Petrichor können den Höllengestank
einer seit mehreren Tagen in der Sonne verwesenden Schlange nicht vertreiben
(ob es hier Schlangen gibt, die 1,50m lang und 5cm breit sind? Ja, gibt es.
Also jetzt halt eine weniger.). Der Eintopf, schön mit Speck und Würstln, würde
sich also rein geruchstechnisch prima hineinschmiegen in den großen Stink, und
da muss ich sagen: So gesehen füg ich mich da ganz gut ein. Weil ich bin
Eintopf. Oder Rührei oder was auch immer aus einem Wesen wird, das aus 20
Prozent Eiweiß besteht und zu 65 aus Wasser? Ich bin sozusagen mein eigener
Dampfkochtopf: Während das Wasser sich schön langsam zu erhitzen beginnt,
stockt das Eiweiß erst zu kleinen Flöckchen und dann zu großen Batzen, die mir
das Leben und Denken erschweren. „Schonend Garen“ geht glaub ich anders. Ich
wäre gern ein Erdferkel, das tief im Boden der Kühle harrt. Zumindest magisch
angezogen werde ich von U-Bahn-Eingängen und solchen, die in eine Tiergarage
hinabführen, und es könnte sein, dass ich eventuell im Supermarkt ein bisschen
zu lange bei geöffneter Türe vor den Joghurts stehe und nur so tue, als würde
ich angestrengt auswählen. Ergibt das alles hier irgendeinen Sinn? Nein? Ok tut
mir leid, besser wird’s nicht. Ich muss eh gleich aufhören, um den Kopf wieder
in den Kühlschrank zu legen, das Gesicht wohlig in eine Melonenhälfte
gekuschelt, tiefe Atemzüge aus dem Pflücksalat nehmend. Das duftet wenigstens.
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