Ein Glück haben wir das überstanden! Dieser tagelange Stress, die ganze Aufregung, diese Unsicherheit … Aber jetzt ist Deutschland aus der WM geflogen und unsere Abende (und Nächte) gehören wieder ganz uns und wir können uns den wichtigen Themen zuwenden: Wetter. Oder besser: Was vom Wetter übrigblieb. Aktuell nicht viel, es hat deutlich abgekühlt und ich wünschte, ich wäre eine Art Kamel, dann tät ich mich jetzt in die frische Brise stellen und ganz viel kalte Luft in meine Lungenhöcker atmen, von denen ich dann zehren kann. Es fühlt sich alles ein bisschen an wie ein Traum, zugegeben ein fiebriger. Man könnte glatt meinen, das alles wäre nie passiert. Wenn ich mich in meiner Wohnung so umsehe, werde ich eines Besseren belehrt. Hier entdecke ich deutliche Zeichen dafür, dass ein Ausnahmezustand eingetreten war. Es sieht dort nämlich aus wie bei Hempels unterm Sofa, sprich Schweinestall, oder zumindest wie bei Leuten, die sehr wenig daheim sind oder sehr zu schwach, dort irgendwas Sinnvolles zu erledigen. Jetzt ist Zeit, um die Wunden zu lecken. Deren hab ich viele vorzuweisen, nämlich in Form einer Million aufgekratzter Mückenstiche (weil’s halt nicht nur ich schön fand nachts im Garten) und Hitzepusteln. Meinem sonst so frischen Spiegelbild kleben fettige Strähnen müde in die Stirne. Überall in der Wohnung hängen teils noch feuchte, teils zigmal getrocknete Tücher, die bis grade eben noch dazu dienten, kochende Räume und Körperteile irgendwie abzukühlen. Halbausgeräumte Badetaschen liegen in irgendwelchen Ecken; Dinge, die man von dort herausgeräumt hat, bevor man merkte „brauch ich morgen eh wieder“, stehen sinnlos in der Gegend herum. Im Kühlschrank befindet sich keinerlei feste Nahrung, sondern dafür mehrere zur Kühlflasche umfunktionierte Wärmflaschen und abgesehen von etwas Obst (Wassermelone!) ausschließlich Dinge, die man trinkend zu sich nehmen kann (Wasser, Ayran, Buttermilch), und gelegentlich stoße ich mir den Zeh an einer Sonnenliege, die in den Keller zurückzustellen sich noch niemand erbarmen konnte. Schätze, es war ein bisschen warm dieser Tage, hm? Immerhin zweimal war ich im Freibad, und es war irgendwie schön, die Genese des Wassers dort verfolgen zu können, nämlich von klar-durchsichtig-hellblau zu „ähm ich kann meine eignen knallroten Zehennägel nicht mehr erkennen“. Mhmm, lecker! Und wie das duftet … Nun ja. Lasset uns atmen und beten, dass das nur ein erster kleiner Vorgeschmack war auf die Zukunft, die uns bevorsteht. Immerhin können wir die dann in unseren Klimamobilen kreuzungsfrei durchfahren, das ist doch auch mal was. Bäume und Grünflächen, das haben die heißen Tage gezeigt, kosten schließlich nur Zeit und Geld im Gegensatz zu einer schönen, glatten Betonfläche.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen