Freitag, 10. Juli 2026

Käsefüße mit Musik

 Was ist das eigentlich, dieses „Sommer“? Also was charakterisiert eigentlich diese komische Zeit, die es an sehr vielen Orten auf der Welt gibt, wenngleich zu unterschiedlichen Terminen? Woran merken wir, dass Sommer ist? Ich hab mir mal Gedanken über ein paar Eigenschaften oder Phänomene gemacht, die da vielleicht ein bisschen beim Eingrenzen helfen könnten. Zum Beispiel Füße: Normalerweise sind die fein säuberlich in Strickware verpackt und dann schön in Leder oder Plastik (vegan!) geschnürt; sehr selten sieht man Menschen, die ungeachtet der Jahreszeit barfuß unterwegs sind, und dann verspürt man so eine Mischung aus Bewunderung und Grusel. Von einem Tag auf den anderen ändert sich das, und von Krethi und Plethi bis Hinz und Kunz meint ein jeder, jetzt seine käsigen Mauken in die Freiheit packen zu dürfen. Jedoch: ungeachtet des Pflegezustandes. Als wären alle Zumutungen des Sommers nicht schon genug, muss man sich auch noch tagtäglich mehrfach voller Abscheu vom Anblick schrundiger Fersen oder gelber Krallen abwenden und mit dem Zustand klarkommen, bis der Herbst ein Einsehen hat und dieses notwendige Übel des menschlichen Körpers wieder hinter Klett und Schnürbändel verstaut. Motto: Ich würde gerne zum Pediküre, um mir die Füße schön machen zu lassen, aber ich trau mich nicht, weil ich hässliche Füße habe? Ein anderes Kriterium: Musik. Kann ich eigentlich ganz gut alleine, im Sommer aber wird mein musikalischer Horizont zwangserweitert, ob ich will oder nicht. Als da wären die berühmten Brüllwürfel, die (meist junge, aber irritierenderweise auch zunehmend ältere) Menschen mit sich herumschleppen, um überall dort, wo es ihnen grad beliebt, die Lieblingsmukke zu hören und mit ihrem exquisiten Musikgeschmack zu beeindrucken. Das ist lästig genug im Freibad oder Park, doch hier kann ich immerhin entscheiden: Mach ich einen Mordsaufstand und bitte höflich um Stille oder wechsle ich die Örtlichkeit? Weniger konstant, dafür um ein Vielfaches zahlreicher sind die Musiken sämtlicher Fassong, die einem aus den offenen Fenstern und Dächern der Autos entgegentönen. Hier bleibt nur: Ertragen oder Übertönen. Normalerweise ertrage ich – doch wenn ich mit dem allerliebsten Zwergenkind unterwegs bin, sinne ich auf Rache. Fenster auf, Cabriodach weg und erst einmal die Mauken, die am besten vorher stundenlang in Fußballschuhen gesteckt haben, in die Höhe gestreckt, damit der Duft sich richtig schön verteilt, cruisen wir durch die Straßen und zeigen der Welt, was echt gute Musik ist. Aktuell Platz 3: Die Rittersong-Playlist. Platz 2: Der kleine Vampir (OST). Platz 1: Drachenlieder – maximale Lautstärke, dazu schön freundlich mit den Mauken winken und sich freuen. DAS ist Sommer.

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