Freitag, 12. Juni 2026

Kuchenüberschwemmung

Musik kann heilen. Das ist, glaube ich, wissenschaftlich erwiesen. Manche kann aber auch nur nerven, wie dieser lästige Ohrwurm, von dem ich euch vor (ich habe grade nachgeschaut) einem Jahr (!) erzählt habe. Damals trug ich „Big girls don’t cry“ von Fergie schon seit Monaten mit mir herum, und ich tue es immer noch. Ist das zu fassen? Andere bekannte und eingängige Melodien und Reime sind nicht ganz so hartnäckig, ploppen aber zuverlässig immer dann auf, wenn sie grade passen könnten, und im aktuellen Fall ist es „Wenn ich wüsst, dass du kommst, hätt ich Kuchen da, Kuchen da, Kuchen daaaa …“ Als wäre das nicht verquer genug, ist die Aussage schonmal ganz grundsätzlich falsch. Weil eigentlich sollte es heißen „Wenn ich wüsst, dass du kommst, tät ich meinen Kuchen ganz schnell versteeeecken“ oder „Ich hoff, dass du nicht kommst, weil ich hab Kuchen da, Kuchen da, Kuchen daaa …“ Indeed (ich benutze „indeed“ derzeit sehr gerne in dem verzweifelten bis lachhaften Versuch, mich vom Pöbel der pathologischen „tatsächlich“-Verwender abzugrenzen, was natürlich Bullshit ist, heißt es doch einfach das allergleiche) hatte ich zuletzt wirklich sehr viel Kuchen da, sogar so viel, dass ich mir zeitweise gewünscht hatte, Besuch zu bekommen, um diesem sorgfältig verpackte Care-Pakete mit einer kleinen Kuchenauswahl schnüren zu können, um mich der Nascherei endlich zu entledigen. Es gibt zwei Sorten Menschen. Solche, die backen, und solche, die nicht backen. Der Vorteil letzterer: Sie haben nie Saustall in der Küche und müssen keine Verabredung abbrechen weil Kuchen im Rohr vergessen. Nachteil: Sie haben halt dann auch keinen Kuchen. Die erstgenannte Gruppe hingegen hat alle Nachteile (Saustall, Rohr), dafür aber einen unbestreitbaren Vorteil: Kuchen! Sowie das uneingeschränkte Bedürfnis, diesen zu teilen und weiterzuverschenken. Ein Bedürfnis, bei dem ich nur zu gerne zur Verfügung stehe. Das klappt mal mehr, mal weniger gut, zuletzt aber derart saumäßig hervorragend, dass ich mir nicht mehr ganz sicher war, ob da nicht eine Kuchenverschwörung im Gange ist. Denn neulich war mirnichts, dirnichts derart viel Kuchen da, dass ich nicht mehr recht wusste, wohin damit. Ein Restlein vom Samstagskuchen hier, ein Stückchen vom Muttertagskuchen dort, ein Ecklein von „Ich hab da mal was ausprobiert“ und ein Ranken „den hab ich noch von Papa mitgebracht“, und schwups war da ein großes Kuchenbuffet daheim. Spätestens als dann noch die Nachbarin nachdrücklich darauf bestand, mir die Hälfte des Konfirmationskuchens zu überlassen, hab ich mich ein bisschen gefühlt wie bei der berühmten Zucchiniüberschwemmung: Erst freut sich jeder riesig über die Ernte, und dann irgendwann wird sie aus vollen Armen eilig verschenkt. Also deswegen sag ich mal so: Wenn du kommen willst – gerne, ich hab Kuchen da. Mahlzeit!

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