Freitag, 23. Januar 2026

Winterschlaf

 

Hallo, ich möchte euch heute etwas Trauriges sagen. Das ist vielleicht ein bisschen oversharing, aber es geht bestimmt viele von euch an, und wir wissen ja, dass geteiltes Leid für einen selbst auch nichts einfacher macht, aber zu wissen, dass es den anderen auch schlecht geht, macht es irgendwie besser. Jedenfalls die schlechte Nachricht beziehungsweise Erkenntnis, die ich in den letzten Wochen gewonnen habe, ist folgende: Wir machen ja gar keinen Winterschlaf! Und das, so meine ich, ist ein Fehler. Ein paar Menschen haben das schon erkannt und machen das Spiel einfach nicht mehr mit, sondern hängen „Wir machen Winterschlaf!“-Schilder in ihre Schaufenster und bäm – deal with it! Mir fallen ungefähr exakt genau vier Berufsgruppen ein, die sich dieses Privilegs erfreuen können: Eisdielenbesitzer, Tretbootverleiher, Biergartenwirte und Freibadbetreiber. Denen ist egal, ob ich heut im pinken Paddelschwan eislutschend eine Seefahrt machen möchte, weil es hat zwar Minus zehn Grad, aber die Sonne scheint, weil sie haben jetzt Pause und vor April geht da gar nichts mehr. Und das akzeptiert man ja dann auch einfach so. Ich schätze mal, dass wenn ich einen fünfmonatigen Winterschlaf mit konsequenter Einsatzverweigerung anmelden würde, sich das Verständnis in Grenzen halten hielte. Autoreply im Emailprogramm: „Liebe/r Dings, danke für deine Anfrage, aber ich bin im Winterschlaf und frühestens Mitte März wieder erreichbar. Bis dahin mach doch deine Steuererklärung und Kolumnen selbst. Danke, tschüssi und baba!“ Das wär’s! Ab in die Koje und Habedieehre! Ich war bestens vorbereitet: Schön im November und Dezember von Fett, Zucker und Weißmehl ernährt und entsprechend Polster angereichert, wo man sagt: Da hätte ich bei der jährlichen Fat Bear Week in Alaska gute Chancen auf den Sieg gehabt. Währenddessen habe ich überall in der Wohnung kleine Vorratskammern angelegt wie ein Eichhörnchen, und wie dieses auch viele dieser Verstecke sogleich vergessen. Aber es ist schön, wenn man in einem länger nicht getragenen Stiefel ein Snickers findet, kann ich euch sagen. Für kleine Wachphasen hab ich eine ellenlange Liste Serien, Filme und Dokus angelegt und ausreichende Mengen Bücher verschiedenster Genres vorgehalten. Und mich mit verschiedensten Kissen, Heizdecken und Kuschelobjekten ausstaffiert. Vier, fünf Monate die Wohnung nicht verlassen? Überhaupt kein Problem. Aber genau so, wie es mit 100%iger Sicherheit genau in dem Moment, in dem ich mich für einen Mittagsschlaf ins Bett gelegt habe, an der Tür schellt und ein Paketbote mir was für die Nachbarin aushändigen möchte, zerrt und zupft dieses seltsame Leben auch jetzt an mir herum und lässt mich einfach nicht zur Winterruhe kommen. Steuer hier, Inspektion da, Vollversammlung bla, und, o Graus, Winterspaziergang blubb … Schlaf ich halt im Sommer. Sind ja nur noch … 16, 20 Wochen bis dahin. Gääähn …

Freitag, 16. Januar 2026

Eispeitsche

 

Na, da sind wir ja grade nochmal gut davongekommen mit der sibirischen Eispeitsche, die übers Land gefegt ist und – honi soit qui mal y pense, ihr Schelme – den Gedanken hat aufkommen lassen, es handle sich hierbei um eine Art meteorologische Metapher für gesellschaftliche Schwingungen. Eiseskälte, während lustige kleine Caspars, Balthasars und Melchiore von Tür zu Türe rutschten, um Kreidebuchstaben zu malen. Lustig eigentlich, weil ich glaub, wenn ich dabei erwischt würde, wie ich mit goldenem Umhang und Krönchen trällernd durchs schönste aller Nürnis tingle, um überall ungefragt mein Kürzel zu taggen, stünde schnell mindestens der Ordnungsdienst auf der Matte, um mich am Schlafittchen zum Putzdienst zu schleifen. Aber gut, man hat ja hierzulande traditionell ein gespaltenes Verhältnis zur Fassadengestaltung (s. Graffiti – böse vs. Lüftlmalerei – gut), erstens. Und zweitens weiß ich freilich selbst, dass es sich beim C+B+M nicht um schnöde Namensnennung handelt, sondern um die (zugegebenermaßen sehr kurze) Abkürzung des salbungsvollen „Christus mansionem benedicat“: Christus segne dieses Haus. Wer sich jetzt am Morgenkaffee verschluckt hat wegen Zwangschristianisierung, dem reiche ich gerne eine alternative Übersetzung: Casa mea benedicat – und ob deine Hütte von Christus, Allah oder Benjamin Blümchen gesegnet wird, das kannst du dir dann einfach selbst aussuchen. Also jedenfalls war’s recht kalt, aber das entspricht ja nicht nur der landesweiten Stimmung, sondern dank jüngster Ereignisse auch der städtischen, wo vor wenigen Tagen ein Kind eine Bühne erklomm und der (Nürnberger) Welt sagte, was sie eh schon wusste: Der Kaiser hat ja gar nichts an! Püüha, das mögen wir nicht so gern. Sehr gerne hingegen mögen wir uns mit Neujahrsvorsätzen beschäftigen bzw. der Nichteinhaltung derselben. Um mich herum wird viel verzichtet, wie es sich gehört freilich auf Süßkram (berichtete die Freundin mit chipsgefüllten Backen), und ich bin mir sicher, dass gestern im Fitnessstudio – sorry: Gym, meine ich, verdächtig viele neue Gesichter mit verdächtig neuen Klamotten anwesend waren. Was machen die eigentlich ab Februar mit ihrem Jahresvertrag? Naja, von irgendwas muss so ein Sportverein ja leben. Eine andere Freundin hat seit zwei Wochen nicht geraucht, dafür aber seitdem den kompletten Hausstand ausgetauscht: Neue Mikrowelle, Küchenutensil, Kunst, Outdoor-Klamotten – es könne sein, so grübelte sie, sie kompensiere Rauchen mit Online-Shopping, und sei sich nicht ganz sicher, wie lange sie das so durchhalten könne. Rauchen anfangen aus finanziellen Gründen – musst du auch erst einmal schaffen. Gefällt mir aber nicht schlecht. Ich hab irgendwie keinen Vorsatz, dabei würde ich so gern einen brechen. Zieh ich mich halt weiter warm an. Wegen der Kälte. Auch der meteorologischen.

Freitag, 9. Januar 2026

Ausruhezeichen

 

Herzlich willkommen zu unserer heutigen Interpunktionologie-Stunde. Heute: das !. Das „!“ kennen wir alle. Es ist ein Ausrufezeichen, und wir verwenden es oft falsch, meistens aber, um eine Aufforderung oder irgendwas Nachdrückliches, Dringendes zu kennzeichnen. Manchen Menschen ist immer irgendwas ganz besonders dringend, deswegen begnügen sie sich nicht mit einem ! sondern mit ganz vielen !!!!!!! und weil sie dabei im Eifer des Gefechts manchmal nicht nur die Kontrolle über ihren Wortschatz, sondern auch die ihrer Finger über die Tastatur verlieren, schreiben sie dann !!!!!!!!!!!!11, weswegen lustige Menschen manchmal im Scherz „1elf“ oder ähnliches hinter Sachen schreiben, um sie ironisch als wichtig zu markieren. Daraus folgt: Mit diesem höchst stressigen Ausrufezeichen möchte ich nichts zu tun haben !!!!!11elf Deswegen habe ich es flachgelegt. Umgebügelt. Schön aufs Kreuz gelegt. Und dann neben mir aufs Kanapee gebettet. Jetzt sieht das ! aus wie  ▄▄▄  und ja, damit wie der Morsecode für den Buchstaben A. Vor allem aber wird somit aus dem unfassbar anstrengenden, herumbrüllenden, nervtötenden, hektikverbreitenden Stresszeichen etwas ganz Sanftes, Ruhiges. Nämlich ein: Ausruhezeichen. Hier liegen wir zwei Hübschen jetzt also nebeneinander, atmen tief durch und fragen uns, wie um alles in der Welt wir ab spätestens kommender Woche wieder in dieses „Alltag“ einsteigen sollen, von dem wir uns in den letzten Tagen mit großer Anstrengung erholt haben. Also das Ausruhezeichen und ich fragen uns das. Bei euch weiß ich’s ja nicht. Aber ich hör schon viel Schnaufen und Ächzen und Stöhnen um mich herum, weil es war doch ganz schön viel in den letzten Wochen, und dann auch noch die Jahresendfestspiele – püüüüh. Indeed bin ich mit Beendigung derselben in einen tiefen Sozialschlaf verfallen, der es mir unmöglich machte, größere Unternehmungen zu veranstalten als vielleicht einmal in ein Museum hineinzulinsen, ganz zu schweigen von menschlichen Begegnungen, die ich aufs Penibelste vermieden habe. Es war genug! Die Bedürfnispyramide: Liegen, essen, schlafen, lesen, fernsehen. Und dazwischen gelegentlich ein kleiner Schreck: Wie um alles in der Welt soll ich nur in dieses „Alltag“ wiedereinsteigen, wenn ich nicht mehr wie eine dicke Amöbe in der Nährlösung zwischen den Jahren und im namenlosen Nirgendwo der ersten Januarwoche herumdümpeln kann? Zugegeben: Da hat sich dann kurz ein kleines Ausrufezeichen in die ganze Gemütlichkeit gemogelt und wahrscheinlich auch in mein Gesicht. Als das Ausruhezeichen das gesehen hat, hat es mir sogleich zärtlich über die Wange gestrichen und mich beruhigt: „Gemach, gemach“, hat es gesagt und meine Hand getätschelt, es ist ja eine kommode Woche, und außerdem will grad ungefähr niemand aktiver sein als zwingend nötig, weil schließlich sind alle sehr beschäftigt mit Frieren bzw. Vermeidung dieses misslichen Zustandes! Ich bin dem Ausruhezeichen dankbar. So kann das Jahr beginnen!!!1elf

Freitag, 2. Januar 2026

Rauhnächte

 

Eine Frage, die ich und wahrscheinlich viele andere sich in den kommenden Wochen wieder stellen werden: Wie lange darf man sich eigentlich ein „frohes neues Jahr“ wünschen, ohne gegen irgendeine mystische Etikette zu verstoßen? Ich bin da fürs erste aus dem Schneider, denn heute ist der 2. Januar 2026, ich kann mit Stolz behaupten, mich noch kein einziges Mal in der Jahreszahl verschrieben zu haben und ziemlich sicher zu wissen, dass ich heute garantiert schadlos sagen kann: Ein frohes und gesundes Jahr wünsche ich allen, viel Zuversicht und Frieden und Mut! Kurzum: Happy New Year! Oder auch Happy New Yeah, schließlich stehen wir alle nicht nur am Anfang eines neuen Jahres, sondern haben auch eines höchst zweifelhafter Qualität mehr oder minder erfolgreich hinter uns gebracht. Und das, zumindest fühlt es sich für mich so an, in rasender Geschwindigkeit. Mit anhaltend hohem Tempo ist mir jetzt auch das Jahresende um die Ohren geflogen, und weil ich es deshalb umso lieber mit dem bereits zitierten Karl Valentin halte, konzentriere ich mich in den kommenden Tagen auf heidnisches Brauchtum. Nee, keine Stärke antrinken. Das ist zwar oberfränkisches und damit schon auch irgendwie heidnisches Brauchtum, aber nachdem es hierbei darum geht, sich am Abend vor dem 6. Januar mit diversen Alkoholika (pro Monat ein Getränk) die Stärke fürs kommende Jahr anzutrinken, möchte ich mich selbst vor der Enttäuschung schützen, nach zwei kleinen Gläsern Sekt mit Kopfschmerzen auf einer Bank einzuschlummern und mir somit nach Februar eine mittelschwere Schwäche ins Haus zu holen. Lieber halte ich mich an die Rauhnächte – deren Riten lassen sich bequem vom Kanapee aus vollziehen. Seit 25. Dezember läuft diese spezielle Zeit, die sich u.a. dadurch auszeichnet, bestimmte Sachen NICHT zu machen. Wie beispielsweise Wäsche waschen. Hab ich mich dran gehalten. Außerdem aufgeräumt, Schulden beglichen, Kerzen aufgestellt und 13 Wünsche aufgeschrieben und verbrannt. Letzteres lässt sich hervorragend kombinieren mit der Notwendigkeit, tagtäglich die Zimmer zu räuchern, somit die bösen Geister zu vertreiben und mich entsprechenden Aufgaben zu stellen: Zurückblicken, Altes loslassen. Still werden, zur Ruhe kommen. Sich für andere und sein Inneres öffnen. Auf sein Inneres vertrauen. Sich Gutes tun, genießen. Verzeihen, vergeben, Beziehungen heilen. Die eigenen Gefühle wahrnehmen. Entscheidungen fürs neue Jahr treffen. Impulse prüfen und sortieren. Achtsam werden für das, was ist. Dankbar sein für das, was ist. Ich denke, solcherart durchreflektiert sollte ich weitestgehend gewappnet sein für das kommende Jahr. Wie, das wollt ihr lieber auch sein? Na dann: Vier Nächte habt ihr noch, um aufzuholen. Stärke antrinken könnt ihr euch dann immer noch. Wir schaffen das!

Freitag, 26. Dezember 2025

Weihnachten

 

24. Dezember – ein magisches Datum. Vielleicht sogar das magischste eines jeden Jahres. Wäre ich ein paar Jahre jünger, vielleicht vierzehn oder vierzig, würde ich vermutlich jetzt gerade ausflippen vor Vorfreude. Alle bekannten Verstecke im Elternhaus durchforsten auf der Suche nach sorgsam versteckten Geschenken, die das Christkind vielleicht übersehen hat. Vor der Wohnzimmertür antichambrieren und aufs heftigste versuchen, mit einem Stielauge durchs Schlüsselloch zu linsen und in der Dunkelheit ein paar Wichtel beim Baumschmücken zu erwischen. In unbeobachteten Momenten Plätzchen klauen, ungeachtet der angedrohten Strafen. In mein Zimmer sausen und bei Pumuckl-Kassette gegen Geschenkpapier kämpfen, mit dem ich aus Gebasteltem und Gemaltem formschöne Bonbons drechsle. Dann schnell den Kindergottesdienst durchleiden, um danach zappelnd den lang ersehnten Startschuss in Form eines leisen Glöckchenbimmelns zu erwarten … Heute hab ich Weihnachten outgesourct. Heiligabendvormittag – und ich habe nichts zu tun. Wie herrlich kann ein Leben sein? Ausschlafen, Pumuckl anschauen und irgendwann am Nachmittag gemütlich zur ersten Station der jährlichen Hungerspiele aufbrechen. Das war’s. Hör ich mich um, so gibt es für die Gestaltung des Countdowns allerlei unterschiedliche Strategien, und mit am besten hat mir der (fatalistische) Plan einer Freundin gefallen: Mangels Zeit habe sie sich zuletzt ausgesprochen wenig mit Weihnachten beschäftigt, weswegen zu befürchten sei, dass sie sich am Vormittag des 24. in die Stadt begeben müsse, um dort eilig ein bis fünf letzte Glühwein zu genießen und solcherart gelockert mit weit geöffneten Taschen und Geldbeuteln durch die Geschäfte zu taumeln und dort wahllos Regale und Schaufensterauslagen in die mitgebrachten Beutel zu kehren, um am Abend Gäste und sich selbst mit Geschenken zu überraschen. Ich denke, das ist eine gute Methode. Eine andere gute Methode ist, sich auf Dinge zu fokussieren, die einem gut tun. Man kann Sport machen oder fünfgängige Menüs, liebe Menschen treffen und die unlieben vermeiden. Sich zum hundertsten Mal ärgern, dass Onkel Horst sich wieder mit dem Weihnachtskarpfen durchgesetzt hat oder das einfach als schrullige Tradition verbuchen. Einladungen zähneknirschend annehmen oder lächelnd absagen und stattdessen ein romantisches Date mit sich selbst vereinbaren. In die Kirche gehen oder in den Wald. Oder einfach eins der unzähligen anderen Rituale vollziehen, die Menschen rund um den magischsten aller Tage ersinnen. Weihnachten ist, was du draus machst. Lasst uns froh und munter sein und uns recht von Herzen freu’n! Ich wünsche ein frohes, fröhliches Fest, angenehme Gesellschaft, schöne Feiertage, Gesundheit, Friedlichkeit und Frieden, ein gemütliches Zwischendenjahren. Und nicht verzweifeln! Wie schon Karl Valentin wusste: Wenn die stade Zeit vorbei ist, wird’s auch wieder ruhiger!

Freitag, 19. Dezember 2025

Wunschzettel

Das allerliebste Kind hat seinen Wunschzettel übermittelt. Eine sehr wichtige Angelegenheit, der ich natürlich mit dem gebührenden Respekt begegnet bin. Schließlich handelt es sich hierbei um die vermutlich lebenswichtigen Begehrlichkeiten eines Fastfünfjährigen, deren Nichterfüllung bzw. Erfüllung womöglich wichtige Weichen im Leben stellen so wie bei mir damals, als dem vielmals dringend geäußerten Wunsch nach einer eigenen Katze schließlich stattgegeben wurde – in Form eines Stofftieres, was mich mit so großer Enttäuschung erfüllte, dass ich bis heute die Anschaffung eines Haustieres strickt verweigere. Man weiß ja nie, was man dann bekommt. Das Kind also äußerte mit staatstragender Miene seine Erwartungen ans Christkind, was sich im Original in etwa so anhört: „Jaalsoweißtdu Duuuu, Katha? Also ich möchte sehr gerne dieses […] haben weil OOOH FEUERWEHR SCHAUMAL! ich möchte dieses, dieses, dieses, also dieses hast du noch Gummibärchen können wir eigentlich später Pumuckl weiterlesen weil ich hab nämlich der Jordan und die Nöelle waren heute gemein zu mir weil der Luis hat mich geschubst und dann hab ich der Erzieherin gesagt dass die Mimi aber dann gabs zum Mittagessen Froschsuppe und ich hab dann dem KÖNNEN WIR KLEINER VAMPIR HÖREN BITTE dabei weiß  ich eigentlich also weißt du dass Spiderman fliegen kann so mit den Händen und Kleber und DAS LIED MAG ICH NICHT MACH DAS WEG und ich hab heute eine Mamone Marome also Essknastanie gefunden und dann hat die Katja aber gesagt dass ich später und aber DUHUUUU KATHA haben wir noch Plätzchen weil Plätzchen sind mein Lieblings und der Wichtel …“ Nach circa zwei Stunden hatte ich dann die gewünschten Informationen und bin darob sogleich in eine inquisitorische Debatte mit dem kleinen Prinzen eingestiegen. Ein Fußballtrikot? Selbstverständlich, aber was ist jetzt das für ein Defekt, dass das ausgerechnet vom BVB sein muss? Zauberkräfte? Logo, wer hätte die nicht gerne? Ich kann immerhin machen, dass die Luft riecht, du auch? Und letztlich: einen Pokal. Den, so erklärte ich, müsse man sich für gewöhnlich erst einmal verdienen und bekäme den nicht einfach so geschenkt, woraufhin das Kind sich in die Brust warf und sprach: „Hab ich mir verdient!“ – „Aha, womit?“ – „Halt so.“ A star is born. Ich in dem Alter habe die Spielzeugkataloge durchforstet, aus diesen Abbildungen meiner größten Wünsche ausgeschnitten und dann den kompletten Katalog auf Zeichenpapier wieder neu zusammengesetzt. Das halte ich immer noch für eine ausgezeichnete Herangehensweise, nur dass ich heute statt Mattel und Fisher Price eher die Kataloge von Orthopädiehaus und Apotheke durchkämmen würde. Vielleicht mach ich das heute noch. Man hat ja sonst nichts zu tun in dieser Staden Zeit – oder? Wenn ihr irgendwo Zauberkräfte im Angebot entdeckt, sagt bitte Bescheid. Viermal werden wir noch wach, heissa dann ist Weihnachtstag!

Freitag, 12. Dezember 2025

Adventskalender

 

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier, dann steht das Christkind vor der Tür! Ok, das ist jetzt natürlich eine arg verkürzte Fassung vom schrööcklich langen Warten auf das Christkind, auf dass es mir mit einem Glöcklein klingle und all meine (materiellen) Wünsche erfülle. Weil wir wissen natürlich: 24 aufregende und durchaus auch enttäuschende Etappen gilt es zu überwinden, bevor am Ende der Türchen ein besonders großes, aber nicht minder geschmackarmes Stück Schokolade zweifelhafter Qualität aus dem Karton gedrückt werden kann. Adventskalender, der: „zeigt […] die verbleibenden Tage bis Weihnachten an.“ Dies kann er in unterschiedlichster Form tun. Da wäre natürlich zum einen besagte schokoladene Enttäuschung, an deren Ende oft ein Kuchen steht, weil irgendwie muss man die gegossenen Glöcklein, Elflein und Bäumlein ja doch verarbeiten. Dann gibt es den hingebungsvoll selbstgenähten aus der Kindheit, in dem sich Sackerl für Sackerl allerlei Leckeres, Nützliches und mit Glück auch Süßes befindet – und das große Staunen, wie das alles wohl dort hineingekommen sein mag. Dieser Magie ist vermutlich die Sehnsucht geschuldet, auch im Erwachsenenalter von dem Wunderkalender durch den Advent begleitet zu werden, und deswegen ist der Markt für die Großen in dem Segment enorm gewachsen: Ganze Parfümerien und Autohandlungen werden in Schachteln und Formen gestopft, um dann 24 Tage für große Augen zu sorgen, wobei man diese Varianten entweder (faul) im Laden erwerben kann oder in stunden- und tagelanger Sorgfaltsarbeit (fancy) und unter Aufbietung des halben Weihnachtsgeldes selbst gestalten und befüllen. Das alles ist aber kein Vergleich zu der Sorgfaltsarbeit, zu der sich in den vergangenen Jahren immer mehr Eltern selbst verpflichten und einen lustigen kleinen Weihnachtswichtel daheim installieren. Der kommt nachts, veranstaltet allerhand Unfug und hinterlässt neben zahlreichen Spuren natürlich auch täglich ein Geschenklein. Elternmenschen kriechen also Nacht für Nacht auf allen Vieren durch Wohnungen und ersinnen Szenarien, die einen Roland Emmerich vor Neid erblassen lassen: Einbrüche werden fingiert, Fußspuren getapst, Unfälle behauptet und der Interimsmitbewohner Nacht für Nacht zum Leben erweckt. Mein Adventskalender ist auch lebendig, und er ist, ich schwör’s, der entzückendste, den die Welt jemals gesehen hat. Abend für Abend betritt er mein Wohnzimmer, wo ich bereits freudig warte. Der Adventskalender schüttelt sich und rüttelt sich und führt ein kleines Tänzlein auf und reckt mir all seine 24 Hosen- und Jackentaschen entgegen als Zeichen für mich: Türl öffnen, los! Dann darf ich suchen – und finde Schoki, Gummibärln und Riegelchen. So schön war ein Adventskalender noch nie! Ach übrigens: Und wenn das fünfte Lichtlein brennt, dann hast du Weihnachten verpennt!