Hallo, ich möchte euch heute etwas Trauriges sagen. Das ist
vielleicht ein bisschen oversharing, aber es geht bestimmt viele von euch an,
und wir wissen ja, dass geteiltes Leid für einen selbst auch nichts einfacher
macht, aber zu wissen, dass es den anderen auch schlecht geht, macht es
irgendwie besser. Jedenfalls die schlechte Nachricht beziehungsweise
Erkenntnis, die ich in den letzten Wochen gewonnen habe, ist folgende: Wir
machen ja gar keinen Winterschlaf! Und das, so meine ich, ist ein Fehler. Ein
paar Menschen haben das schon erkannt und machen das Spiel einfach nicht mehr
mit, sondern hängen „Wir machen Winterschlaf!“-Schilder in ihre Schaufenster
und bäm – deal with it! Mir fallen ungefähr exakt genau vier Berufsgruppen ein,
die sich dieses Privilegs erfreuen können: Eisdielenbesitzer,
Tretbootverleiher, Biergartenwirte und Freibadbetreiber. Denen ist egal, ob ich
heut im pinken Paddelschwan eislutschend eine Seefahrt machen möchte, weil es
hat zwar Minus zehn Grad, aber die Sonne scheint, weil sie haben jetzt Pause
und vor April geht da gar nichts mehr. Und das akzeptiert man ja dann auch einfach
so. Ich schätze mal, dass wenn ich einen fünfmonatigen Winterschlaf mit
konsequenter Einsatzverweigerung anmelden würde, sich das Verständnis in
Grenzen halten hielte. Autoreply im Emailprogramm: „Liebe/r Dings, danke für
deine Anfrage, aber ich bin im Winterschlaf und frühestens Mitte März wieder
erreichbar. Bis dahin mach doch deine Steuererklärung und Kolumnen selbst.
Danke, tschüssi und baba!“ Das wär’s! Ab in die Koje und Habedieehre! Ich war
bestens vorbereitet: Schön im November und Dezember von Fett, Zucker und
Weißmehl ernährt und entsprechend Polster angereichert, wo man sagt: Da hätte
ich bei der jährlichen Fat Bear Week in Alaska gute Chancen auf den Sieg
gehabt. Währenddessen habe ich überall in der Wohnung kleine Vorratskammern
angelegt wie ein Eichhörnchen, und wie dieses auch viele dieser Verstecke
sogleich vergessen. Aber es ist schön, wenn man in einem länger nicht
getragenen Stiefel ein Snickers findet, kann ich euch sagen. Für kleine
Wachphasen hab ich eine ellenlange Liste Serien, Filme und Dokus angelegt und
ausreichende Mengen Bücher verschiedenster Genres vorgehalten. Und mich mit
verschiedensten Kissen, Heizdecken und Kuschelobjekten ausstaffiert. Vier, fünf
Monate die Wohnung nicht verlassen? Überhaupt kein Problem. Aber genau so, wie
es mit 100%iger Sicherheit genau in dem Moment, in dem ich mich für einen
Mittagsschlaf ins Bett gelegt habe, an der Tür schellt und ein Paketbote mir
was für die Nachbarin aushändigen möchte, zerrt und zupft dieses seltsame Leben
auch jetzt an mir herum und lässt mich einfach nicht zur Winterruhe kommen.
Steuer hier, Inspektion da, Vollversammlung bla, und, o Graus,
Winterspaziergang blubb … Schlaf ich halt im Sommer. Sind ja nur noch … 16, 20
Wochen bis dahin. Gääähn …