Gestern durfte ich mir Kinderbilder anschauen. Das ist grundsätzlich nichts Besonderes. Um mich herum kindert und gebärt und vermehrt und fortpflanzt es sich aktuell dermaßen, dass einem die Windeltorten nur so um die Ohren fliegen und man fastbeinahe von einer Art Epidemie sprechen könnte; aber das ist ja auch gut so, schließlich will das Land ja am Leben erhalten werden und aus der demographischen Zwiebel kein Broccoli gezüchtet (um allen Gscheidhaferln gleich einmal den Wind aus den Segeln zu nehmen: Ich weiß, dass das Bild schief ist, aber es gefällt mir sehr gut. Basta.). Nun, man kennt das also: Mei schau wie lieb die kleine Hilde da in ihrem Betterl döst. Und da schau einmal das Fußi vom Pauli, ist das nicht das süßeste Fußi das du überhaupt jemals gesehen hast und manchmal da kannst du dann so niedliche Bröselchen zwischen diesen klitzekleinen Zehen hervorpulen und die stinken dann ein bisserl hihi ist das nicht putzig? Und ach Gott wie lieb da hat die Sofie neulich so ein feines Kacki gemacht und dann war überall alles orangebraun aber mei das passt ja eh so gut grade – magst du ein bisschen von der Kürbissuppe, die ich gemacht hab? Ist ganz frisch. Und hier hat die Emmi auch geschlafen, und da auch und ach Gott schau da hat sie dann beim Schlafen einmal das Kopferl nach links gedreht statt nach rechts ist das nicht unglaublich und wart ich wollt dir noch zeigen wie wir neulich gebadet haben hihi da ist die zwar nackelich aber das siehst ja jetzt nur du. Und da war der arme August so arg schwitzig und ach nein das ist nur ein bisschen Rotz der da noch festgetrocknet das musste ich dann später bisserl ablutschen oder magst du … ? So geht das, man freut sich übers Glück der anderen und am besten gleich mit ihnen mit und ist heimlich ein bisschen froh dass einem neben dem großen Glück auch der viele Stress erspart bleibt. Nun waren die Kinderfotos von gestern aber ein bisschen ein anderes Kaliber. Auf dem einen war die liebe Elfie ganz schwitzig auf dem Radl weil „das ist die süße Dicke ja nicht gewohnt“ und auf dem anderen sah sie „schon besonders lustig und bescheuert aus mein lieber Schatz“ und „hier schau, da ist sie besonders moppelig ach hab ich die gern“ und ich blickte in ein rotes, rundes Gesicht, umrahmt von Schwitzesträhnen, dick verkleidet als rundes Daunenungetüm. Ich hab das alles neugierig angeschaut und insgeheim mich recht gewundert und auch amüsiert. Elfie ist 31 Jahre alt und ihre Mutter demnächst 66, und da muss ich mich jetzt schon fragen, ob mir hinterrücks ein ähnliches Schicksal beschoren ist. „Mei schau die süße Kadda, da war sie so krank und elend und hat gar nicht gemerkt dass ich fotografiert hab nach dem Spuckerle“ oder „Ach gucke da hat sie nackig im Garten getobt weil man bei uns ja nicht reingucken kann aber ich hab natürlich ein Foto gemacht zu Erinnerung“ und dann sitzen Mama und Papa da mit einem Kumpel oder der einen da vom Chor und gucken süße Kinderfotos an, derweil das Kind 44 ist und eigentlich da gern ein Mitsprachrecht hätte. Hm. Um ehrlich zu sein hätten das die echten kleinen Kinder wahrscheinlich auch. Vielleicht sollte man sie das einmal fragen. Oder auch ein bisschen öfter.