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Freitag, 22. Mai 2020

Sonntwoch

„Stell dir vor“, hat die Freundin grad geschrieben, „ich war bis eben ganz in Ruhe und alleine einkaufen, ich fühl mich wie neugeboren!“ Hab ich gelächelt und genickt und verständig und versonnen weiter in die Auslegeware geblickt. Weil zufällig war ich auch grad in Ruhe und alleine einkaufen und hab daher gut nachfühlen können. Weil noch am Vortag war ich genau bei eben jener Freundin in, nuja, „Unruhe“ möcht ich gar nicht sagen, aber doch eher so in nicht dass man danach pfeilgrad vom Radl fällt vor lauter Entspannung statt sportiv in die Pedale zu treten. „Au weh!“ ist’s mir aus Versehen rausgerutscht gewesen beim Freundinnenwohnung betreten. „Hast jetzt aufgegeben?“ Weil ich sag einmal so, neulich, da hat es in der Wohnung noch so ausgeschaut als wär grad „Schöner Wohnen“ zum Shooting dagewesen, alles fein und dekoriert und an seinem Platz und hinter einer unauffälligen kleinen Tür ein Kinderzimmer mit vielleicht einem klitzekleinen Sauställchen, ganz beruhigend war das da. Und dann ist jetzt irgendwas passiert in den letzten Wochen, und plötzlich ist die Situation folgende, dass also das ganze Kinderzimmer war leer, picobello wie einmal durchgeschleckt und aber der ganze Inhalt vom Kinderzimmer hat sich in die Wohnung verteilt, Spielzeugausbruch quasi, und da wo einmal ein edles Desingersofa war hat’s jetzt eine Räuberhöhle, mehrere Etagen, eh klar, und unterkellert und innendrin noch ganz mittig einen Schatz, und wo einmal Fenster, da jetzt Gemälde, und wo einmal ein Balkon war, da hat’s jetzt eine feine Hütte mit Fenstern und Liegestuhl und lustig ist dass wenn man nicht aufpasst dann rollt man statt zu laufen weil da wo ein Boden war da hat es Autos und Züge, die singen Weihnachtslieder, wenn man drauftritt, und dann rutscht man aus und latscht rückwärts mit links in einen Klebegummikäfer und rechts in ein Küchle, das man auch noch selbst mitgebracht hat, und dann schreit der Kleine, wegen Küchle weg, und der Große, weil der Kleine, und aus dem Babyfon schreit toujours der Kindsvater, wegen statt Schlafzimmer jetzt Homeoffice. Haben wir uns erst einmal einen Wein aufgemacht und grad als ich fragen wollt, warum jetzt das eigentlich so ist, dass am Muttertag muss man zur Mama heim und ihr auf den Geist gehen, am Vatertag rotten sich Väter und alle die es noch und niemals werden wollen zusammen und feiern fern des Haushalts ihre Herrlichkeit, also in dem Moment bringt der Große (3) eine Gerätschaft. Die war so rosa und länglich, ein bisschen wie ein Mikrofon so groß, aber schmaler und ein bisschen bauchig und tailliert und abgerundet an den Enden und sehr schmeichelnd in der Hand mit einem An-aus-Knopf, und natürlich hab ich sogleich erkannt dass es sich hierbei nicht um ein ausgebüchstes Produkt vom Amorelie handelt sondern die berühmte Spielzeugverschwindelampe, die Dinge erst wieder herausrückt wenn man sehr lang sehr leise ist … So, also ich jedenfalls superentspannt mit dem Gesicht im Grillfleisch, und dann hat’s geschnackelt und Beschwerde aus der Redaktion: „Ein Sofa kommt schon noch, ja?“ Das war’s dann mit der Ruhe. Aber zum Glück ist morgen Feiertag. Oder Sonntwoch. So wie jeden Tag.

Freitag, 16. August 2019

Geh-Weg!

Also, so eine Woche später würd ich einmal kurz zwischenbilanzieren mögen und sagen: Hat gut geklappt, mit dieser Ablenkungstaktik, dass der Fuss e. V. jetzt einmal ein bisschen anderweitig beschäftigt ist, aber hey, was der Frodo kann mit Auge und dem Saruman, das können wir schon lang. Schwupps Tretroller auf die Straßen und … Ach nein, ja eben nicht: Auf den Gehweg, muss das heißen, weil wenn man das einmal richtig aussprechen würde mit der Betonung nämlich auf der zweiten statt der ersten Silbe, dann wüsste man schon längst Bescheid. Jedenfalls hat also, kann ich freudig verkünden, in der letzten Woche völlig überraschend niemand versucht, mich umzubringen. Außer einmal ich mich selbst, Badewanne und so, aber da steckt man halt nicht drin. In den Mordanschlägen auch nicht natürlich, ich weiß schon, dass das jetzt eh auch gar nicht fair und der Bürgersteig ist ja nunmal für den gehenden Bürger da und für den fahrenden nicht, für den rollenden auch nicht, nur vier Räder, und für den auf dem Fahrrad sitzenden und aber mit den Füßen am Boden mitpaddelnden auch nicht, weil da ist er zwar viel langsamer als so ein Geher und noch viel schmaler als ein Schieber sowieso, aber zefix noch eins er sitzt! Und das darf nicht sein am Trott-oir, da sagt ja auch schon der Name, was gefälligst zu tun ist. In der Verteidigung des Rechts entwickelt der Trottel … Trottler … Trotter, jetzt! Also der Trotter Superspezialsuperkräfte, das musst du auch erst einmal erlebt haben. Zum Beispiel ist eine meiner Lieblingssuperkräfte, die ich wirklich auch gern hätt, die, dass wenn du von hinten so ein vorsichtiges „Achtung ich schieb mich mal vorbei, mach bitte keinen Quatsch“-Klingeln aussendest, dann ist das scheint’s ein Geheimsignal für plötzliche Ertaubung + Körperumfangsverfünffachung + Störung im Gleichgewichtssinn weil auf einmal muss der Mensch breitbeinig umeinandertorkeln. Du wärst einfach nur gern vorbeigeschlichen, aber geht dann nicht. Manchmal passiert auch dass denen blitzschnell ein langer Arm wächst, so GoGo-Gadgeto-Arme, nur leider befindest du dich in der Streckbahn und dann kann das schon einmal passieren dass der Superkraftarm dich auf die Straße schiebt. Saublöd, aber was willst du machen. Ganz besonders verrückt war einmal ganz jetzt erst, da hat eine Omi, so eine ganz hadscherte kleine würfelförmige, ganz plötzlich hinter mir einen Turbo angeschmissen wo du sagst, Sprintolympiade nix dagegen, und wie man das kennt auch aus der Formel 1, da kracht’s auch gern direkt einmal beim Start, und genau so hat die Omi mich ganz aus Versehen im Vorbeirennen vom Radl gewrestelt, wohl hat sie Wichtiges beim Einkauf vergessen und darum gerufen „Du dumme Ursel!“, fast beinahe direkt hinauf auf die Hauptverkehrsstraße wär ich geflogen. Da hab ich dann schon einmal freundlich in einen Hauseingang gebeten und gefragt, was jetzt da genau passiert ist, und stell dir vor, „Ich wollte vorbei!“ Ja schau, da kannst du nichts machen, Superkräfte kommen wie sie wollen. Wie beim Pumuckl. Dass mir neulich nahegelegt worden ist, ich soll mein Radl doch gefälligst auf der Straße schieben und nicht am Geh-Weg!, da weiß ich immer noch nicht, ob ich das geträumt hab.