„Wenn daf hier allef überftanden ift“, hatte vorletzte Woche mein Hirn aus dem Gefrierschrank genuschelt, so dass ich erst einmal hingehen und ihm die erneut verrutschte Erbsenpackung aus dem Mund hab zupfen müssen, „danke“, hat das Hirn sich bedankt und weiterreferiert: „Also, wenn das hier alles überstanden ist, dann schreib ich ein Buch!“ – „Aha!“, hab ich interessiert getan und dabei versucht, möglichst nicht mich zu bewegen, wegen der Energieersparnis, man möcht ja nicht versehentlich eine Kalorie verbrennen oder zwei, nicht auszudenken, man erzeugt sich selbst noch eine Hitze wenn eh die Körpersäfte mit Mühe kurz vorm Siedepunkt gehalten vor sich hin simmern, „Ein Buch also. Und wie soll das heißen?“ – „AUFGFCHMIERT!“ hat das Hirn gejubelt und ich: mühsames Lächeln, weil vom Schmieren hab ich wirklich langsam genug gehabt. Eigentlich mach ich grad seit Wochen nichts anderes, als irgendeine Sache auf mich hinaufzucremen. Aus Tuben, Tiegeln, Flaschen, Vaporisateuren kommen Cremes und Salben, Mittelchen und Wässerchen, die sind alle manchmal für, meistens gegen irgendwas – und liegen damit zwar voll im Trend, doch sind in erster Linie lästig. Na, wenn ich’s mir recht überlege, schließt das eine (dagegen) das andere (lästig) ja nicht prinzipiell aus, aber im vorliegenden Spezialfall schon. Also schmieren, schmieren, schmieren. Morgens ins Gesicht weil gegen dem UV und für das was der UV eh schon angerichtet hat, zudem auf den ausgedörrten Leib, der schwer gezeichnet ist vom Hitze-Kälte-Klimaanlagen-Stress mit Chlor und frischer Luft. Abends dann die gleiche Prozedur, nur da nicht gegen den UV sondern generelle Schadensbegrenzung, dann auf die Lippen wegen der Geschmeidigkeit, so noch vorhanden, und eine große Ladung kühlende Substanz auf prall gefüllte Unterschenkel, die wie zwei Höcker mit vollem Wasserspeicher leider unten am Kamel dranhängen und es im geschmeidigen Gang behindern statt stramm oben auf zu ragen, ich erkenne da einen Konstruktionsfehler in der menschlichen Gestalt. Dazwischen schmierst du je nach Tagesform und -plan einen LSF 50 auf den Käseleib oder literweise Mückenspray, gelegentlich auch beides, und hernach schaust du zu, wie die Melange aus Mittel, Schweiß und Straßenstaub zu einem schönen Teig eindickt und du plötzlich verstehst, warum Elefant und Rhinozerus sich den Umweg übern Drogeriemarkt sparen und gleich nur ein schönes Schlammbad nehmen. Abends bürstelst du das Erdreich ab und schon musst du wieder schmieren, weil der Säureschutzmantel. „Ich möchte nichts mehr aufschmieren!“, hab ich darum geklagt, „Man kommt doch aus dem Händewaschen gar nicht mehr heraus, seit März tu ich nichts anderes als Händewaschen und Schmieren, Händewaschen und Schmieren, das muss jetzt einmal reichen, und es reicht auch, weil wenigstens tät ich jetzt gern einmal nur noch Händewaschen ohne Schmieren, das muss doch jetzt wirklich einmal ein…“ – „AUSGSCHMIERT!“ hat da das Hirn mich zornig unterbrochen und ein, zwei letzte Erbsen ausgespuckt. „AUSGSCHMIERT werd ich’s nennen, weil dann endlich Herbst ist und die elende Einschmiererei zu Ende, Kreizbimbam!“ Da ist mir auch nichts mehr dazu eingefallen.
Freitag, 4. September 2020
Freitag, 14. August 2020
Das jüngste Gericht
„Es ist schon gut, …“, hab ich vorhin mit mir selbst gesprochen, mich einmal auf der Yoga-Matte gewendet, auf die ich versehentlich gefallen war weil sie lag auf dem beschwerlichen Weg zwischen Badezimmer und Balkon zufällig ungünstig herum, er-haha-mattet von der Wechseldusche, warm-kalt-warm-kalt-warm-kalt gegen schwere Beine, einmal stündlich. Kriegt man den Tag fei ganz gut rum, auch nicht schlecht; und dabei überlegt, ob die Genese dieses berühmten Grabtuchs da eigentlich auch unter klimatischen Gesichtspunkten erörtert worden ist, und ob es sich nicht auch einfach um ein Strandtuch handeln könnte, also meine Badetücher sehen grad auch historisch recht bedeutsam aus. Ausgeschlossen ist es nicht, aber ich denk, ich frag einfach einmal direkt beim Eigentümer. Der hat grad Bürgersprechstunde in einem schwarzen Kombi unten in der Straße, das find ich gut. Oder was genau heißt „JESUS IST HIER“? Und aber wenn ich ihn dann grad eh was frag, dann vielleicht nutz ich diese günstige Gelegenheit und interview ihn auch gleich zu seinem jüngsten Gericht, vielleicht fällt ihm was pfiffigeres ein als „Also du, was ich grad eh urgern ess ist einfach nur schnell ein Salat aus Wassermeloneschafskäsezwiebel mit ein bisschen Minze, das ist eh supersimpel und so irrsinnig erfrischend!“, könnt ja sein. Frag ich ihn einfach gleich einmal, weil werwiewaswiesoweshalbwarum wer nicht fragt bleibt dumm! „… schon gut, so ein Haushalt verliert einfach nichts. Höchstens vielleicht bündelt er manchmal ein bisschen effizienter als üblich“, hab ich ver-haha-sonnen von meiner matten Insel aus im PVC-Boden gerührt, der im sanften Morgenlicht zu einer feinen Suppe aus Chemie und Sommer kocht, ein bisschen Gras, ein wenig Stroh, gelegentlich quillt ein Stückchen Picknickdecke aus den Wogen hervor, man freut sich, da bist du also!, doch ehe man sie zu fassen kriegt, kommt eine Böe aus Staub und Bikinihose auf dem lang vermissten linken Flipflop angesurft und verschwindet sogleich in den Bodenwellen, aus denen kurz ein Stückchen Käsebrot mit Apfelgrieb hervorspitzt um titanicgleich senkrecht wieder abzutauchen, während im Nebenzimmer deutlich hörbar ein Staudamm reißt und sich die Mure aus Kleidchen und Höschen, Hemdchen und Röckchen, aus kühlendem Leinen und luftiger Gaze und ganz und gar überflüssigen Stoffen jedweder Couleur ihren Weg hinab ins Tal bricht, in dem ich mir aus Zeitungsprobeabos verschiedenster Form und Farbe, doch allsamt klugem Nimbus ein Blätterdach zu konstruieren suche, um dort im Schatten dösend auf den St. Nimmerleins- oder wenigstens Martinstag zu warten, gehüllt in kühlende Kohlwickel mit einer feinen Schicht Buttermilch bestrichen, deren trockene Brösel kaolinsandgleich im gleißenden Augustlicht glänzen und an deren Ufern winzige Tiere sich winzige Buttermilchbröselburgen bauen, in die sie sich legen und der Brandung meines Schweißes zu lauschen. „WAF MACHFFTN DU DA?“ ruft meine linke Gehirnhälfte der rechten zu, im Mund versehentlich eine Packung Erbsen, es ist eng in der Tiefkühltruhe. „Ich wart aufs jüngste Gericht!“, antworte ich. „Ich hoffe, es ist nichts mit Melone!“ Ein Schwarm Schwimmbadpommes gleitet gemächlich auf einer Sonnenölspur an mir vorbei. Es ist Sommer.
Freitag, 7. August 2020
Willkommen bei MückDrive
Mit den Wünschen ans Universum ist das so eine Sache, weil kaum passt du einmal nicht gut auf und das Universum hat grad einen sauguten Tag, schon erfüllt es dir nicht nur die kühnsten Träume, sondern setzt auch noch das Sahnehäuberl obendrauf, wegen gönnerhaft. Jetzt stell dir vor, du wünschst dir: Ich möchte eins werden mit der Natur, wegen der neulich erwähnten überbordenden Liebe; schon sagt das Universum: he super, das machen wir doch glatt, und zack bist nicht nur du eins mit der Natur, sondern die Natur auch sehr eins mit dir. Und dann hast du den Salat, wahlweise darin eine kleine Schnecke, die dir süß entgegenzwinkert. Zuletzt ist viel Natur eins geworden mit Freunden um mich herum und hat ihnen dabei gleich noch eine Mordsgaudi beschert, nämlich schaust du eher blöd (aus), wenn dir auf dem Radlweg zum Schwimmvergnügen eine Biene in den glücksweit offenen Jubelmund hineinfliegt, und auch eher sagen wir schwierig für die Gesichtserkennungssoftware ist, wenn der Weps halt auch ein schönes Bad in deinem Radler nehmen wollt; und dann schaust du einmal kurz nicht hin und: zack, Chiara Ohoven. „Au weh, dich hat’s aber sauber erwischt, ha?“ sagst du dann mitleidig, und aus dem Gesichtsschlauchboot nuschelt’s „Nein, wieso, das liegt vielleicht an der Haarfarbe.“ Ich selbst bin erst gestern nur sehr knapp einem schweren Schicksal entkommen, nämlich hab ich mich sauber hineinplatziert in so ein Gartengrün, nicht etwa wegen der Contemplatio, sondern ordentlich Gespräch, und während ich so horch und nick und frag und schreib zwickt’s mal hier ein bisschen und mal da und Wuseln aus dem Augenwinkel, aber hochkonzentriert den Blick nicht abgewendet von der Erzählperson, und ehe ich‘s mich verseh ist der Fuß samt luftig-offenem Sommerschuh teilintegriert in den jüngsten Anbau vom ortsansässigen Feuerameisenstaat. Ich sag einmal so: Riemerlsandalen hab ich in den nächsten Tagen eher nicht an, schätz ich. Derweil links die Mauke abschwillt, beobachte ich gespannt, was rechts so passiert, denn wo neulich noch ein kleiner Zeck, ist jetzt ein feiner Biss. Irgendwo. Ich seh ihn nicht genau, fügt er sich doch freundlich ein ins Mienenfeld der Mückenstiche. Du kommst ja grad nicht aus. Setzt du dich nach getanem Werk entspannt ans Ufer und dankst dem Herrgott für die neue Wasserwelt, schon wird der Blick dir trüb erst vom Fäkal und dann dem Blutsaugwolkenvolk. Entfliehst du in Feierabendsportlichkeit der Stadt, so darfst du nie, nicht auch nur eine Sekunde rasten, denn sobald du auch nur nach der Wasserflasche greifst, stürzen sich die Schnaken auf dich wie Piranhas und zerfetzen dich in tausend Stücke. Bei dem Bohei im Wald aus Mückensicht freilich sehr praktisch. „Was geht heut?“, sagt der eine Schnak zum anderen. „Noch nichts.“ – „Ja, geil, dann lass jucken, Kumpel!“, und man stellt sich lässig an die Radwegkreuzung und wartet auf den Schwitzemensch, um dann beherzt zuzugreifen. MückDonald’s, quasi. Oder um genau zu sein: MückDrive.