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Freitag, 4. September 2020

Ausgschmiert

 „Wenn daf hier allef überftanden ift“, hatte vorletzte Woche mein Hirn aus dem Gefrierschrank genuschelt, so dass ich erst einmal hingehen und ihm die erneut verrutschte Erbsenpackung aus dem Mund hab zupfen müssen, „danke“, hat das Hirn sich bedankt und weiterreferiert: „Also, wenn das hier alles überstanden ist, dann schreib ich ein Buch!“ – „Aha!“, hab ich interessiert getan und dabei versucht, möglichst nicht mich zu bewegen, wegen der Energieersparnis, man möcht ja nicht versehentlich eine Kalorie verbrennen oder zwei, nicht auszudenken, man erzeugt sich selbst noch eine Hitze wenn eh die Körpersäfte mit Mühe kurz vorm Siedepunkt gehalten vor sich hin simmern, „Ein Buch also. Und wie soll das heißen?“ – „AUFGFCHMIERT!“ hat das Hirn gejubelt und ich: mühsames Lächeln, weil vom Schmieren hab ich wirklich langsam genug gehabt. Eigentlich mach ich grad seit Wochen nichts anderes, als irgendeine Sache auf mich hinaufzucremen. Aus Tuben, Tiegeln, Flaschen, Vaporisateuren kommen Cremes und Salben, Mittelchen und Wässerchen, die sind alle manchmal für, meistens gegen irgendwas – und liegen damit zwar voll im Trend, doch sind in erster Linie lästig. Na, wenn ich’s mir recht überlege, schließt das eine (dagegen) das andere (lästig) ja nicht prinzipiell aus, aber im vorliegenden Spezialfall schon. Also schmieren, schmieren, schmieren. Morgens ins Gesicht weil gegen dem UV und für das was der UV eh schon angerichtet hat, zudem auf den ausgedörrten Leib, der schwer gezeichnet ist vom Hitze-Kälte-Klimaanlagen-Stress mit Chlor und frischer Luft. Abends dann die gleiche Prozedur, nur da nicht gegen den UV sondern generelle Schadensbegrenzung, dann auf die Lippen wegen der Geschmeidigkeit, so noch vorhanden, und eine große Ladung kühlende Substanz auf prall gefüllte Unterschenkel, die wie zwei Höcker mit vollem Wasserspeicher leider unten am Kamel dranhängen und es im geschmeidigen Gang behindern statt stramm oben auf zu ragen, ich erkenne da einen Konstruktionsfehler in der menschlichen Gestalt. Dazwischen schmierst du je nach Tagesform und -plan einen LSF 50 auf den Käseleib oder literweise Mückenspray, gelegentlich auch beides, und hernach schaust du zu, wie die Melange aus Mittel, Schweiß und Straßenstaub zu einem schönen Teig eindickt und du plötzlich verstehst, warum Elefant und Rhinozerus sich den Umweg übern Drogeriemarkt sparen und gleich nur ein schönes Schlammbad nehmen. Abends bürstelst du das Erdreich ab und schon musst du wieder schmieren, weil der Säureschutzmantel. „Ich möchte nichts mehr aufschmieren!“, hab ich darum geklagt, „Man kommt doch aus dem Händewaschen gar nicht mehr heraus, seit März tu ich nichts anderes als Händewaschen und Schmieren, Händewaschen und Schmieren, das muss jetzt einmal reichen, und es reicht auch, weil wenigstens tät ich jetzt gern einmal nur noch Händewaschen ohne Schmieren, das muss doch jetzt wirklich einmal ein…“ – „AUSGSCHMIERT!“ hat da das Hirn mich zornig unterbrochen und ein, zwei letzte Erbsen ausgespuckt. „AUSGSCHMIERT werd ich’s nennen, weil dann endlich Herbst ist und die elende Einschmiererei zu Ende, Kreizbimbam!“ Da ist mir auch nichts mehr dazu eingefallen.

Freitag, 6. September 2019

Seetag

Ich hatte ja nach Ende der Festivalsaison angekündigt, in ein tiefes Loch der Beschäftigungslosigkeit zu fallen, weil plötzlich soll man nicht mehr einfach mit der Schafsherde in Innenstädten, Fußballstadien und Flussbetten umeinanderlatschen und Musik lieben, sondern sich selbst um eine Freizeitgestaltung kümmern. Kurz hab ich nachdenken müssen und dem Gefühl von augustlicher Bräsigkeit nachspüren, das war irgendwo tief noch drin in mir, und dann ist mir eingefallen dass man ja unbedingt mit dieser Bräsigkeit an Badeseen fahren muss und dort genau eins tun: bräsig sein. Mit Buch und riesigen Paketen mit Reissalat und Schinkensemmeln und Melone und Ballspielen für Bewegung beziehungsweise fürs Gewissen. Und los! Meinem Wunsch, im Morgengrauen schon zu starten wurde allerdings weitestgehend nicht entsprochen, und schon war’s vorbei mit der Bräsigkeit. „DANN LOHNT SICH DAS DOCH ÜBERHAUPT NICHT!!“ hab ich gezürnt und Taschen wieder ausgepackt und Reissalate in den Ausguss und Krawall weil alles kacke und zu kurz und gleich zu Hause bleiben. Es war 12 Uhr, die Reaktionen irritiert: „Es ist fei erst 12 Uhr“, hieß es, „was willst denn du da machen bis zum Abend?“ – „BRÄSIG SEIN!“, hab ich getobt und Tränenrotz verschmiert und dann erzählt: Vom Omageburtstag im August und dass da deswegen das ganze Rudel. Vom Hasenstall und Streicheln und plötzlich Hasenbraten und Böhmische Knödel. Von Pergola und Kamin und grünem Veltliner in Zweiliterflaschen und undichter Korken offenbar wegen zügiger Verdunstung. Vom Weingut im Nachbarland und dass wegen Nachschubbeschaffung die Erwachsenen zum Vorwand Badetage anberaumen. Dass Kinder dann mitten in der Nacht (7 Uhr) aufstehen müssen und ohne Frühstück („Das gibt’s wenn wir da sind.“) unfassbare Strecken (60 Minuten) grenzüberwindend (manchmal mit, manchmal ohne Pass) vorbei an Marktl (Papst), Burghausen (Mauer), Fucking (hihi) reisen an den See. Dass Gäste dort beobachten, wie aus drei Autos 20 Personen, zwei Liegestühle (für Opa und Oma!), 100qm² Decken und Handtücher (für die anderen), Sonnenschirmebadmintonluftmatratzenbälledreiräderkinderwägen UND mehrere Kühlboxen quellen, auf die sich das ganze Rudel sogleich unter größtmöglichem südländischen Gezeter stürzt und völlig ausgehungert das komplette Tagesmahl verschlingt, weswegen später unter der strengen Omaregie ein Teller Pommes für alle reichen muss, weil es gibt ja dann nach Seedurchquerungbadmintonschwimmtrainingsonnenbadentirolernussölweißbieruno erst Veltlinerkisten auf Kinderschöße und dann im unter anderem für seine idyllische Inn-Lage bekannten Braunau Schnitzel und Kaiserschmarrn. Um dann später, viel später in einer Pergola am Lagerfeuer zu sitzen und dem Veltliner beim Verdunsten zuzusehen … „… und das ist meine Lebensschablone für ‚Seetag‘“, hab ich referiert, „Und bräsig muss man doch auch noch sein. Wie soll das gehen in nur zwei Stunden oder drei?“ Sagen wir mal so: Überzeugung kann ich. Schüssi! 

Freitag, 30. August 2019

Sommergeruch

Kennt ihr das wenn man in so ein Freundschaftsalbum hineinschreiben muss damit man nach drei Jahren Grundschule endlich einmal weiß wem man da immer Popel an den Rücken schmiert oder später bei so Fragebögen jeglicher Couleur, da steht dann sowas wie „Was ist dein Lieblingsgeruch?“ und dann schreibst du je nach Alter oder halt Erlebnishorizont hinein „Schnitzel“ oder „Jil Sander SUN“ oder „Tankstelle“. Oder es heißt gern auch einmal „Wie riecht für dich der Sommer?“, und dann krakeln die Menschen, die dir sonst auch gern einmal nachdenkliche Sprüche schicken oder sich Carpe diem auf den Steiß hinauf haben tätowieren lassen, mit Glitzergelstift auf die Zeile „Straßen nach dem Regen“ oder „Tiroler Nussöl“ oder „frische Wodkamelone“. Die vielleicht nicht ganz so romantisch angehauchten „aufgeplatzter Teer“ oder „Geschweißel in der U-Bahn“ oder „Grillfleisch“, vielleicht auch „so eine feine Melange aus fermentiertem Fisch und frisch Exkorporiertem“ (vgl. Wöhrder See, der) oder „Vanilleduftbaum“ oder ich weiß auch nicht, was einem da noch alles so einfallen könnte, Wartezimmer oder Umkleide find ich auch gut, generell eh alles was von einer Menschenansammlung verunreinigt worden ist, dazwischen ein Limonenkerzerl. Jedenfalls bei mir ist das so, dass ich schon sakrisch lang nicht mehr irgendwohinein hätt schreiben dürfen, wonach für mich der Sommer riecht, keiner möcht mich also kennenlernen, niemand fragt, und deswegen frag ich mich: „Katharina“, frag ich, „wonach riecht für dich der Sommer?“ und dann hol ich sehr, sehr tief Luft und die blas ich dann in eine große Tröte und hintnach schrei ich laut „NACH LEBKUCHEN, HIMMIHERRGOTTSAKRAMENTPFUIDEIFI!“ Weil das musst du dir einmal vorstellen, lebst du nicht nur in der Stadt die ausschließlich und der ganzen Welt nur wegen dieser Backware geläufig ist, nein, da musst du auch noch akkurat so wohnen, dass unbedingt auch ja jeder einzelne Fabrikschlot, wo du weißt, unten innendrin Wichtelgeschwader und Massenproduktionsstart und Orangeat und Zitronat und Mehl und Zimt und Nelke und Jinglebells und Honig und überhaupt der ganze klebrige Gatsch, jeder einzelne muss auch noch eine Abluft in die Stadt hinaus haben, nicht etwa vielleicht dass man die Abluft unterirdisch legt in die Westvorstadt beispielsweise oder meinetwegen in ein jedes U-Bahn-Tunnel, nein, es bläst mir alles ins Gesicht hinein! Im August!! Und du schnaufst und radelst und werkst und halluzinierst von Meeresbrisen und der Heumaht und ja meine Güte zur Not auch von Jil Sander, aber doch nicht willst du, dass der schlimmste aller Wintergerüche, weil es handelt sich hier eindeutig um einen Winter-Geruch!, mitten im August dir die Atemwege verklebt so dass du lieber in den Wöhrder See hineinatmen würdest als auch nur noch eine Sekunde die Nase aus einem Nordstadtfenster strecken! Papiertüte! Ich brauche eine Papiertüte! Mit Grillfleisch drin! 

Freitag, 26. Juli 2019

Brandschutzbeauftragte

Diese Woche war ich auf einem Fest eingeladen. So ein richtiges Fest, nix mit Facebook und so, sondern schön auf Papier und in persönlich. Da hab ich mich gefreut und war auch ein bisschen aufgeregt, weil mit neuen Sachen ist man immer ein bisschen aufgeregt weil weiß man nie genau wie’s ausschaut auf dem Tanzparkett und wie viele Fettnäpfe so für mich herumstehen. Mutig bin ich aber hingefahren und dann gab’s Tür und Begrüßung und Gästeliste, und ich sag „Servusgrüßgotthallo, ich bin die Katharina Wasmeier v…“ – „UM GOTTES WILLEN!“, hat man mich da angeschrien, „BEDECKEN SIE SICH!“ Jetzt musst man sagen, dass ich schon eine gewisse Unsicherheit wegen der Klamottenfrage gehabt hab daheim: Es hat 40 Grad im Schatten, aber spätestens seitdem ich vor sehr, sehr vielen Jahren einmal in der legeren Surferklamotte morgens ins Büro gekommen bin und dort von feingewandeten Kollegen seltsam angeschaut worden bis sich eins erbarmt und mir verraten hat, dass der allergrößte Oberchef im Haus und darob der Casual Friday per Mail als „Business as usual (zwingerzwinker)“ ausgelobt worden ist, bin ich da ein bisschen also ich möchte nicht sagen: übervorsichtig, aber ja, doch: panisch. Aber ausschauen wie direkt aus ganz unten U3-Geschoss Bank- oder Bibliotheksverwaltung willst du auch nicht, also eine Mischung versucht und toitoitoi, werden sie dir schon nicht gleich den Zutritt verweigern. Entsprechend hab ich doch vielleicht ein bisschen erschrocken geschaut bei der Begrüßung, weswegen dann geflissentlich Information nachgereicht wurde: „Sie sind ja krebsrot.“ Da bin ich fastbeinahe kurz ein bisschen spontan eingeschlafen, denn es folgte altbekannte Rede: Waren Sie in der Sonne? (Nein, ich hab von Natur aus roten V-Ausschnitt und hinten ein Schleiferl, die rote Nase kommt vom – na Sie wissen schon) Haben Sie sich nicht eingeschmiert? (Nein, in meiner Familie haben wir eine interne Wette wer zuerst Hautkrebs bekommt, der bekommt das Elternhaus. Zur Entschädigung.) Haben Sie sich geaftersunt? (Ja, aber das haben die vier Millionen Fliegen, die ich auf dem Weg hierher mit meinem Körper eingesammelt habe, gierig abgeküsst. Den Rest schmier ich OB und Chefs beim Hallo ans Revers). Kurz bevor die Empfangsfrau mir einen Security an, nein: um den Hals hat werfen können, und ich hätt nicht mit Gewissheit sagen können, ob zu meinem Schutz vor Abendsonne oder Schutz der Gäste vor Anblick des entstellten Leibs, hab ich mich einem Sektglas untergehakt und in Sicherheit vor Übergriff bringen können. Dacht ich, weil auch das Fest selbst hat nur so gestrahlt vor Besorgnis und wohlmeinenden Ratschlägen und noch nie zuvor gehörten Tipps und statt einfach einem „Hallo“ sagen Menschen „Ich hab fei Sonnencreme dabei.“ Nur eine Dame sprach: „Wow bist du braun, warum bistn du so braun? Kommst du aus dem Urlaub??“ Dafür hab ich sie geliebt und tu es immer noch. Dass die Dame selbst mit Alabasterhaut und Elfenbeinteint gesegnet ist, spricht wenn überhaupt nur für sie. Wer mich also am Wochenende finden will, der sucht einfach nach etwas, das wie Pommes Schranke aussieht und tanzt. The Rest is Silence.

Freitag, 19. Juli 2019

Sommerkämpfe

Gerade beim Schreiben dieser Zeilen schwirrt mir ein Getier um den Kopf. Es ist groß und laut und vor allem deutlich sichtbar, nicht zuletzt dank gestreifter Signalfarbe, und deswegen kann ich es gut leiden. Exakt jetzt genau ist es verstummt, was ich schon gleich viel weniger gut leiden kann, bedeutet das doch eine mutmaßliche Rast, die bei Tieren dieser Sorte gerne einmal eine große Gefahr des Drauflatschens und Bestrafung des (haha) Ver-Gehens mit schlimmem Schmerz birgt. Nach einer sofortig eingelegten Expeditionsrunde hab ich das Tier entdeckt. Es rastet auf einem Holz, leider jedoch nicht auf einem solchen, wo man sagt: Da haut man jetzt halt einmal kurz aus Versehen mit einem Diercke Weltatlas drauf, und schon ist die Gefahr gebannt, sondern eher so eine Art Holz, wo man hernach wegen Dominoeffekt sehr lang den Raum neu dekorieren müsst, quasi eher unverhältnismäßig. Den Raum verlassen, verriegeln und warten, bis es stirbt oder gar von allein wieder hinausfindet, ist auch keine Option, denn man weiß ja: Störendes Getier findet prinzipiell immer sehr vorzüglich in eine Wohnung hinein, niemals jedoch aus dieser wieder hinaus. Nach dem selben Prinzip ist gestern ein Gschmeiß verfahren, dass sich von morgens bis abends mit dem Rücken und ungläubiger Verzweiflung ans Fensterglas geworfen hat, ganz so wie bei der Marlen Haushofer ihrem Buch, wo ja auch plötzlich eine mordsunsichtbare Mordsscheibe umeinandersteht in der Welt. Und ich muss schon sagen, ich hab dermaßen gut Fenster geputzt, dass ich selber öfter einmal aus Versehen ein bisschen den Kopf zu weit aus der vermeintlich offenen Luke streck. Jetzt sind das alles so Tagsüberepisoden, wo man mit einer Mischung aus Nachsicht, Genervtheit und wissenschaftlichem Interesse relativ entspannt beiwohnen, womöglich (wie soeben geschehen) mit einem der hier zahlreich herumliegenden Festivalbierbecher einmal beherzt durch die Luft fischen und dann das Tier vom Balkon werfen kann. Und dann gibt es aber noch diese anderen Situationen. Die finden vorzugsweise nachts statt. Da hast du grade abgeschaltet, erst das Licht und dann den Geist, und im letzten Moment grad bevor du bewusstlos wirst donnert ein Hubschrauber auf dich zu. Geradewegs reißts dich vom Halbschlaf in den Sitz, ein Licht wird eilig entzündet, doch so sehr du auch schaust und mit dem Suchscheinwerfer forschst, es ist einfach nichts zu sehen, es ist, als hätte der Hubschrauber einen Tarnumhang, der durch Nachttischlampe aktiviert wird. Irgendwann erkennst du dann, dass das mikroskopisch kleine Staubkörndl, das im Augenwinkel umeinanderstiebt, die Ursache für das Horrordröhnen ist, und es folgen unwürdige Szene aus Lauern und Jagen, in denen man sich ein Chamäleon am Stecken wünscht, um damit durch die Luft zu wedeln. Leider hat man nur eine Klatsche. Ja, auch in der Hand, und so sinkt man schweißgebadet auf die Schlafstatt, propft sich Wachs in die Ohren und reckt einen Arm empor – nicht in Siegerpose, sondern als Zeichen des demütigen Antritts zur Blutspende. Sollte ich die Anämie überleben, bau ich mir am Wochenende Gitter vor die Fenster. Ob man selbst dann ein- oder alle Unbill ausgesperrt wird, ist ja immer Ansichtssache.

Freitag, 5. Juli 2019

Heiße Nächte in Nürnbergo

Heiße Nächte, heiße Nächte in Nürnbergo, ohoooho …! Zum Weinen anfangen hat hoffentlich keiner müssen, aber jetzt formulieren wir’s einmal vorsichtig: Wir waren alle schon einmal ausgeschlafener und fitter, gell? Wobei man freilich zugestehen muss, dass dank dieses Gewitters, von dem das Fernsehen berichtet hat, es schon ein bisschen kühler, man möchte fast sagen: kälter geworden ist und die Idee an eine Bewegung draußen nicht mehr gar so absurd erscheint wie noch vor einer Woche, wo ich einmal abends frivol in den Park ein sehr schönes, sehr unbenutztes Speedminton mitgebracht hab und anstatt dass man mir applaudiert für Sitzen statt Schwitzen ... Nein. Schwitzen im Sitzen. Nein auch nicht. Sitzen beim Schwit… Schwitzen statt Sitzen, jetzt hab ich’s! Also anstatt Applaus gab’s Schmäh und Buh und Geisteszustandsinzweifelziehung noch bevor auch nur ein freundliches Wort des Grußes geäußert worden war. Ich hab mich dann ein paar Meter weiter weg zu anderen Menschen auf die Decke geworfen. 
Und das hätt ich wohl mal lieber besser bleiben lassen, weil wo gehobelt wird, da fallen Späne, und wo nicht geregnet wird, da fällt allerlei Gewächs, und zusammen mit der Schwitzerei, wo du wirklich dann nicht mehr weißt, wo das eigentlich alles herkommen kann und wieso dir jetzt einfach nur im Stehen ein Rinnsal aus der Armbeuge läuft, zusammen damit jedenfalls gibt das eine feine Melange auf der Haut wo du sagst: Ja mei, so ungefähr macht der Elefant das und das Nashorn auch, immer schön drauf mit dem Dreck und schon hab ich einen prima Sonnenschutz. Es ist halt jetzt gesellschaftlich nur leider wenig anerkannt, dass du herumläufst bei dem Wetter wie frisch paniert. Das versteh ich nicht, weil anscheinend ist es sehr wohl anerkannt, dass du aus ich weiß nicht Gründen des Umweltschutz oder auch der Ersparnis oder wegen der sensiblen Haut auf ein Deo lieber mal verzichtest. Gesamtexistenziell betrachtet schwer erschöpft lässt du dich abends hineinfallen in dein Nest. 
Der Leib verlangt nach Schlaf, nicht jedoch danach, von irgendwas berührt zu werden, nicht einmal von sich selbst, also balancierst du freischwebend auf den Pobacken im Bett, bis der Bauchmuskel reißt. Von diesen fünf Sekunden großer Anstrengung an den Rand des Zusammenbruchs gebracht, versuchst du dich im Chakrasana – beim Bundesjugendspiel im Turnen hieß das „Brücke“, sagt man aber heut nicht mehr so – und stemmst dich mit Händen und Füßen empor, doch diese Haltung führt zu Blutstau im Kopf und großem Schwindel. Du resignierst. Liegst so da und wartest auf des Todes Bruder, dämmerst leise fort un … „DU GLAUBST DOCH NICHT IM ERNST DASS WIR SO AUCH NUR EINE SEKUNDE LANG SCHLAFEN DÜRFEN??“ wirst du plötzlich angeschrienen und es wedelt dein innerer Neandertaler mit dem Speer und fuchtelt Kriegsfiguren gegen Säbelzahntiger in die Luft. Seufzend nimmst du einen winzigen Lakenzipfel und legst ihn die sanft auf die Hüfte. Ruhe kehrt ein. Endlich. Bissssss … 

Freitag, 28. Juni 2019

Brandgefahr

Letzte Woche hab ich doch erzählt von dieser Stimme, die mich als Depp beschimpft und dann zum Bodenputz gezwungen hat, gell? Also, genau eben jene Stimme hat diese Woche, nämlich am Dienstag, genau in dem Moment, in dem ich eine Haustür geöffnet und einen würdevollen Schritt ins gleißende Nachmittagslicht getan hatte, laut und vernehmlich ins Straßenweit gebrüllt: „Oooch du dumme Kuh!“ Es verstummten kurz die Vögel, ein Hündchen unterbrach den Strahl, die Welt stand still. Wär ich auch gern, hab ich aber nicht, sondern, also das war so: Ich ja bekanntlich immer überallhin Fahrrad. Und natürlich Fahrrad so nah wie möglich an Zielort abstellen, weil sonst Laufen, und Laufen = Zeitverschwendung. Jetzt muss man leider feststellen, dass aktuell manche Plätze eine bislang unbekannte Perfiderie entwickeln, nämlich wegen dieser Sonne, und so wie die mancherorts Straßenlaternen in Brenngläser verwandelt und damit schöne Muster auf Rasen malt, so verwandelt sie auch bequeme Gelsättel in flammende Inferni. Du also schön rauf mit dem Hintern und los, und genau so wie wenn man sich mit der flachen Hand auf der heißen Herdplatte abstützt dauert das dann scheint’s ein paar Sekunden bis der Schmerzreiz die obersten, sofort abgestorbenen Hautschichten durch- und tief ins Fleisch eindringt. Ergo ich nach fünf Metern undamenhafte Reaktion, sofortige Brandblasenentwicklung, daraufhin sehr, wirklich sehr mühsames Standradeln sowie verzweifelte Versuche, sich in den Schatten von Ampelanlagen zu krümmen. Hier sogleich nächste Gefahr, denn wenn so ein Ampel- oder auch ein Laternen- oder Schildermast ersteinmal schön zehn Stunden Sonnenschein erhalten hat, dann steht er kurz vor der Kernschmelze. Leider nur kurz davor, deswegen siehst du’s ihm nicht an, sondern lehnst dich lässig mit dem Handballen dagegen, anstatt geschwind in der Wartephase ein Hufeneisen oder Kunst zu schmieden. Jetzt Stigmata links. Solcherart gebrandmarkt und versehrt kennst du genau eine Lösung: Hinein in ein kühles Gewässer, mit Zisch und Dampf und Getöse, eben halt wie das erwähnte Hufeisen, musst du auch abkühlen wenn’s in Form gebracht ist. In Form, will sagen: Shape hab ich mich zwar nicht gefühlt, aber egal, weil Abkühlung, und so bin ich also mit dem Fahrrad – dem Auto hab ich im Vorbeiradeln einen vernichtenden Blick zugeworfen, speziell einen Blick aufs Lenkrad, weil da wissen wir auch, dass du lieber Kühlakkuhandschuhe anhaben willst grade – ins Bad geeilt. Das war wundervoll. Ich schön vor mich hin gezischt und Bahnen geschwommen wie eine Große, und trinken muss man auch sehr viel, und vor lauter Wasser und Abkühlung hab ich dann austreten müssen. Hinein in die Schlappen, und loselegantet – nicht, weil schwarze Flipflops und Sonne … naja. Ganzkörperbrandblase die ich bin, hab ich daheim heilige Schwüre der Verhaltensänderung und Fehlermemorierung geleistet, mich in Buttermilch gewälzt und auf feuchten Handtüchern gewunden. Und jetzt ratet, wer am Tag darauf sein Fahrrad wieder exakt an der selben Stelle parkiert hat …  

Freitag, 7. September 2018

Liegebad

Ich komm grade vom Sport. Über dessen Art und Weise verbitte ich mir jedweden Kommentar, zu gegebenem Anlass wird das hier noch thematisiert. Sport war wichtig, wegen 1. Nachrichten haben wieder mal gesagt, dass Sitzen das neue Rauchen ist und eh zu wenig Bewegung überall und schwierig, und 2. hat eine kurze Zwiesprache mit meinem Rücken ergeben, dass es sehr arg dringend notwendig ist, wieder ein bisschen Muskulatur auf ihn hinaufzutun. Am Ort des Geschehens bin ich mit großem Jubel empfangen worden, man hatte mich offenbar vermisst in der Zeit, in der sich meine Aktivität auf die eines Fördermitglieds beschränkt hatte, und sogleich einen ausgedehnten Urlaubsaufenthalt gemutmaßt. Reflexhaft hab ich laut geschwindelt, ich sei nicht im Urlaub, dafür aber viel in der Arbeit gewesen. Ungleich leiser hab ich dann noch sagen müssen, dass ich na gut vielleicht also um ganz ehrlich zu sein möglicherweise auch gelegentlich einmal im Schwimmbad gewesen sei. Weil man da ja schwimmt. Sonst hieße es doch natürlich Liegebad. Schwimmen soll ja grad für Rücken unglaublich gut sein, so superunglaublich gut, dass es überhaupt gar nichts ausmacht, dass Schwimmen ungefähr die langweiligste Tätigkeit der Welt ist, und wenn man deswegen erst einmal seine zehn Kilometer geschwommen ist, liegt es sich in Folge dessen auch gleich sehr viel reineren Gewissens umeinander. Bedauerlicherweise teilte das diverse Begleitpersonal meine Meinung nur zu Hälfte, nämlich exakt bis zu der mit der Langeweile. Entsprechend hab ich nur mit größter Willensanstrengung überhaupt hie und da ein bisschen mehr machen können als mich in so ein Becken hineinstellen und von dort aus wichtige Gespräche führen oder, noch wichtiger, zu entziffern versuchen, wie viel eigentlich so eine schöne Portion Schwimmbadpommes kostet und dann kalkulieren, ob es wirklich notwendig ist, abends nur ein bisschen Sommersalat zu essen oder ob ein Sommerschnitzel nicht vielleicht ähnlich glücklich machen würde. Diese Diskussion führt man dann im Liegen weiter, und am Ende des Tages blickt man stolz auf fünf Radfahrkilometer zurück und beruhigt sich damit, dass es immer noch schlimmer gehen kann, weil andere fahren ja das Stückchen zum Bad mit dem Auto. Ein vorläufiger Höhepunkt dieser Demonstration höchster Disziplin war erreicht, als das ledigliche Erspähen einer Pizza in weiter Parkferne dazu geführt hat, dass nicht nur sämtliche kalorienarmen Speisepläne kurzerhand über Bord haben geworfen werden müssen, sondern direkt das ganze mitgeschleifte Gerät zur körperlichen Ertüchtigung noch nicht mal ausgepackt hat werden dürfen, sondern alles wie’s war kurzerhand zum Pizzalokal und mit der dort eilig erstandenen Ware an einen repräsentativen Speiseort verbracht wurde. Weil es hätte ja der letzte schöne warme Abend sein können. Immerhin musste dafür der schlimmste aller Burgberge erklommen werden. Man hätte auch unten bleiben können. Gewissen: rein. Vielleicht wird’s dann jetzt trotzdem doch einmal Zeit für Kälte. Da macht der Sport dann wenigstens warm. 

Freitag, 10. August 2018

Schwitzen

In den vergangenen Tagen war ich vergleichsweise selten baden. Während ich nämlich zu Beginn der Hundswochen mit gleichwohl interessiertem wie verstörtem Blick beobachtet habe, wie Menschen einer Arbeit nachgehen oder gar ein Tagwerk verrichten, während es mir kaum möglich war, auch nur einen sinnvollen Einkauf zu erledigen, weil auf dem Weg zum Ladengeschäft immerzu ein U-Bahnschacht liegt, vor dem ich spontan ein Päuschen einlegen muss, um die schweißigen Strähnen in der kühlen Brise zu trocknen. Nach ein paar Stunden wach ich dann wieder auf und das Geschäft hat zu. Also während jedenfalls das alles so vor sich hinplätscherte, stellte sich heraus, dass sich im Freibad weder ein Haushalt führen lässt (ja schlimmer noch: In meiner Abwesenheit haben verschiedene Einbrüche stattgefunden, bei denen die Eindringlinge schwere Verwüstungen hinterließen. Dreck haben sie auf den Boden geworfen, alle Klamotten darüber verteilt und auch noch den Kühlschrank geplündert!) noch ein Geld verdienen. Also trifft mich das herbe Schicksal jedes Einwohners beliebter Urlaubsländer, und ich muss schnöde Pflicht erledigen, derweil der Pöbel durch die Gassen kontempliert und sich wundert, wie ein Mensch bei diesem Götterwetter irgendeiner Arbeit nachgehen kann. Oder zumindest, wieso der irre Deutsche nicht Siesta hält so wie sich das gehört. Während ich’s so tippe fällt mein Blick übrigens auf mein bandgeschmücktes Handgelenk und ich fühle mich spontan an Rollbraten erinnert. Wasserspeicher geht anscheinend auch in den Händen. Wie das dann so aussieht bei der Arbeit möchte ich im Fortfolgenden kurz beispielhaft skizzieren: Ankunft, Begrüßung, Gesprächsbeginn. Unterbrechung meinerseits nach fünf Minuten: „Bitte verzeihen Sie, aber ich muss an dieser Stelle kurz abbrechen – ich schwitz nämlich dermaßen, dass ich nichts mehr sehe.“ Ein Satz, den man für gewöhnlich eher selten hört und ungern äußert, da er zumeist doch für Befremden oder gar Ekel sorgt. Nicht so dieser Tage. Denn während sich bei sagen wir 25 bis 30 Grad die Bevölkerung in zwei Gruppen teilt, wobei in der einen heftig transpiriert und in der anderen heftig despektiert wird, muss momentan auch der letzte körperfunktionale Kontrollfreak die Segel streichen. Jeder. Mensch. Schwitzt. Ich find das gut. Hat man sich mit diesem Umstand erstmal abgefunden, entspannt das ungemein. Man meldet sich mit tellergroßen Unterbrustflecken an der Arztrezeption und erledigt mit patschnassem Hintern den Einkauf. Man tropft in der Apotheke fröhlich vor sich hin und engagiert sich im Bus als Betreuer für Rohrschachtests auf Mitfahrerrücken. Folgerichtig wurde meinem Pausenruf nicht mit Anwiderung begegnet, sondern reichte man mir verständnisvoll-beflissen ein Tuchpaket, aus dem ich mir ein Schweißband wand und wenig schicklich, dafür wieder sehend mein Tagwerk verrichten konnte. 

Freitag, 3. August 2018

Sonnencreme

In letzter Zeit war ich vergleichsweise oft beim Baden. Das hat weniger etwas mit dieser Hitze zu tun, von der immer alle sprechen und die mir als altem Südländer kaum etwas anhaben kann. Ich leg mich einfach in die Sonne und gleiße mit ihr um die Wette, quasi Reflektor. Außerdem können Wetterdienst, Klimarat und Kachelmann so viel reden, wie sie wollen – solang ich mich nicht über teure Sonntagssemmeln aufregen muss, schmeckt doch das neue deutsche Dolce Vita ganz hervorragend, und wenn statt Rasen Oregano und Thymian den Garten begrünen, dann riecht’s halt auch noch gut. Manchmal robb ich auch zum Beckenrand und lass meine Beine ins Wasser baumeln, wobei es geschehen kann, dass die Chemie mir ein Schnippchen schlägt und ich ins Becken hineingesaugt werde, wegen Hydrophilie, stellt sich doch heraus, dass ich eine Kamelartige bin, die Wasser zwar nicht in Höckern, dafür aber in den Beinen speichert. Schuld am Müßiggang ist der arbeitslose Pöbel in meinem Umfeld. Studenten, Mütter, Lehrkörper, die halt alle nichts zu tun und dafür keine adäquate Begleitung haben, die rufen dann nach dem Freiberufler, weil der kann ja nachts arbeiten, das tut ihm auch gut, hat’s da doch nur noch kühle 30 Grad. Das seh ich freilich ein und folge den Rufen. Solcherart zur Fäulnis verdammt muss man reichlich beobachten und dabei denken. Beispielsweise denke ich viel über Tätowierungen nach und ob der Herr mit dem vertikalen chinesischen Schriftzug schon mal hat prüfen lassen, ob sich dahinter wirklich Konfuzius Weisheit und nicht vielleicht doch eher einmal Hühnchen süß-sauer mit extra Reis verbirgt. Auch lockt es mich, die Menschen mit den sehr individuellen lateinischen Inschriften auf dem Leib (ganz vorne mit dabei: Omnia vincit amor, VeniVidiVici und, ja wirklich, Carpe diem!) zu ihrem Schriftzug zu befragen, interessiert den Ausführungen zu lauschen um mich anschließend als kritische Lateinlehrerin zu erkennen zu geben, die die korrekte Grammatik sowie die Aktualität Vergils Ekladen im gesamtpolitischen Weltkontext diskutieren möchte (für Klugscheißer: Das mit dem Amor geht weiter „et nos cedamus amori“, Bucolica 10,69). Außerdem biete ich hiermit fünf Euro für denjenigen, der sich „Hokus pokus fidibus“ aufs Dekolleté stechen lässt! Deal! Weiters erläutere ich gerne die eindeutig belegte Tatsache, dass im Poolwasser eine Chemie mit drin ist, die selbst beim kleinsten versehentlich inkontinierten Tröpfchen eine sofortige Grünfärbung des umgebenden Areals zur Folge hat und freue ich über schreckgeweitete Augen und fleißiges Toilettieren der Mitgänger. Auf eine große Frage der Menschheit weiß jedoch selbst ich noch keine Antwort: Wir fliegen zum Mond. Wir transplantieren Herzen. Wir zähmen HIV. Wir haben den Nicer-Dicer, fluoreszierende Farben, Nachtsichtgeräte, Alexa, Schlumpfeis und selbstkühlende Fässer. Warum in Dreiteufelsnamen haben wir nicht endlich einen Sonnenschutz, den man so auf sich hinauftun kann, dass nicht hinterher entweder der Liegenachbar statt einem selbst benetzt ist, man nicht hinterher fünf Minuten mit Spezialhandwerkerpaste Händewaschen muss wie bei der schönsten Grippeepidemie und überhaupt sich selbst und sein Hab & Gut im Anschluss vier Stunden in eine Seifenlauge tun?  Dabei fällt mir ein: Wenn man wenigstens in die Sonnendings ein bisschen Fluoreszierung mischen könnte, dann hätte man wenigstens in der Nacht auch noch was davon, dass man es nicht abwaschen kann.  

Freitag, 27. Juli 2018

Hundstage

Heute habe ich leider kein Sofa für euch. Weil nämlich geschafft, mich unter übermenschlicher Kraftanstrengung von diesem herunter- und aus der Wohnung hinausrollen zu lassen. Das war gar nicht so einfach, weil es herrscht nämlich ein Druck. Ein Unterdruck, um genau zu sein. Aufgrund des Temperaturunterschiedes von mindestens 20 Grad Celius zwischen dem Inneren der Wohnung und dem Außenrum entstand vor einigen Tagen eine Art Luftschleuse. Wann immer ich die Tür öffne um durch diese hinaus in die Hundstage zu treten, erfasst mich ein gewaltiger Sog, der mich sogleich rückwärts in die Wohnung zurücksaugt. Dort bleibe ich entweder gleich auf dem Boden liegen und versuche mich zu erholen, schaffe es gelegentlich, mich auf die Couch zu robben oder, besonders anstrengend, mit einem Umweg über die Küche, wo ich in mühsamen Eichhörnchenetappen die untere Schublade des Gefrierfachs herausziehe, um anschließend in der so entstandenen Lücke meinen kochenden Kopf sanft aufs Eis zu legen und ein bisschen vor mich hin zu atmen, während um mich herum die Suppen vom Herbst und das ein oder andere Fischfilet sich anschicken, mich mit erfrischendem Nass zu umgeben, das leider über kurz oder lang von meinem fiebrigen Körper tauchsiedergleich zu köcheln beginnt, so dass ich mich dann feucht und dampfend erheben und hinüber ins Bett glitschen muss, um dort vergeblich auf das physikalische Wunder der Verdunstungskälte zu hoffen. Die setzt jedenfalls nicht ein, wenn man nach 100 Metern energieraubenden Fahrradfahrens zum Beispiel in eine Parkanlage vom Gefährt plumpst um sogleich in einem ganz individuellen Treibhauseffekt in sich selbst baden gehen zu können, was bewirkt, dass man auch im Park weder sitzen noch liegen, sondern einem hitzewarnenden Andreaskreuz gleich mit weit von sich gestreckten Extremitäten auf Zehenspitzen stehen muss, um so wenig Berührungspunkte wie möglich zu produzieren, auch nicht mit sich selbst, ja sogar sich selber einen Blick zuzuwerfen löst eine Schweißflut aus. Es handelt sich also nicht um eine Vogelscheuche, die ihr gelegentlich auf den Strohfeldern der Stadt erspähen könnt, sondern nur um mich.  In meinem Arbeitszimmer herrschen aktuell knapp 27 Grad um halb zehn am Vormittag, und das ist folgerichtig kein Zeichen für das Frühstückchen, sondern Anlass, sich aus dem Raum zu entfernen, bevor die Sonne rum- und reinkommt. Ich schnüre jetzt also mein Bündel und beame mich in eine öffentliche Badeanstalt, um dort mein Transpirat mit dem vieler anderer dampfender Menschen zu vereinen und so zu einer gesellschaftlichen Harmonie beizutragen. Diesen harmonischen Zustand gedenke ich am ba(r)denden Wochenende im Speziellen und weit darüber hinaus im Allgemein beizubehalten. Ich kann nur hoffen, dass ihr das auch macht. So. Trinken, trinken, trinken, Brunnen sind zum Planschen da, und wenn jemand Durst habt, gebt ihm Wasser. Viel Spaß!