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Freitag, 5. Juli 2019

Heiße Nächte in Nürnbergo

Heiße Nächte, heiße Nächte in Nürnbergo, ohoooho …! Zum Weinen anfangen hat hoffentlich keiner müssen, aber jetzt formulieren wir’s einmal vorsichtig: Wir waren alle schon einmal ausgeschlafener und fitter, gell? Wobei man freilich zugestehen muss, dass dank dieses Gewitters, von dem das Fernsehen berichtet hat, es schon ein bisschen kühler, man möchte fast sagen: kälter geworden ist und die Idee an eine Bewegung draußen nicht mehr gar so absurd erscheint wie noch vor einer Woche, wo ich einmal abends frivol in den Park ein sehr schönes, sehr unbenutztes Speedminton mitgebracht hab und anstatt dass man mir applaudiert für Sitzen statt Schwitzen ... Nein. Schwitzen im Sitzen. Nein auch nicht. Sitzen beim Schwit… Schwitzen statt Sitzen, jetzt hab ich’s! Also anstatt Applaus gab’s Schmäh und Buh und Geisteszustandsinzweifelziehung noch bevor auch nur ein freundliches Wort des Grußes geäußert worden war. Ich hab mich dann ein paar Meter weiter weg zu anderen Menschen auf die Decke geworfen. 
Und das hätt ich wohl mal lieber besser bleiben lassen, weil wo gehobelt wird, da fallen Späne, und wo nicht geregnet wird, da fällt allerlei Gewächs, und zusammen mit der Schwitzerei, wo du wirklich dann nicht mehr weißt, wo das eigentlich alles herkommen kann und wieso dir jetzt einfach nur im Stehen ein Rinnsal aus der Armbeuge läuft, zusammen damit jedenfalls gibt das eine feine Melange auf der Haut wo du sagst: Ja mei, so ungefähr macht der Elefant das und das Nashorn auch, immer schön drauf mit dem Dreck und schon hab ich einen prima Sonnenschutz. Es ist halt jetzt gesellschaftlich nur leider wenig anerkannt, dass du herumläufst bei dem Wetter wie frisch paniert. Das versteh ich nicht, weil anscheinend ist es sehr wohl anerkannt, dass du aus ich weiß nicht Gründen des Umweltschutz oder auch der Ersparnis oder wegen der sensiblen Haut auf ein Deo lieber mal verzichtest. Gesamtexistenziell betrachtet schwer erschöpft lässt du dich abends hineinfallen in dein Nest. 
Der Leib verlangt nach Schlaf, nicht jedoch danach, von irgendwas berührt zu werden, nicht einmal von sich selbst, also balancierst du freischwebend auf den Pobacken im Bett, bis der Bauchmuskel reißt. Von diesen fünf Sekunden großer Anstrengung an den Rand des Zusammenbruchs gebracht, versuchst du dich im Chakrasana – beim Bundesjugendspiel im Turnen hieß das „Brücke“, sagt man aber heut nicht mehr so – und stemmst dich mit Händen und Füßen empor, doch diese Haltung führt zu Blutstau im Kopf und großem Schwindel. Du resignierst. Liegst so da und wartest auf des Todes Bruder, dämmerst leise fort un … „DU GLAUBST DOCH NICHT IM ERNST DASS WIR SO AUCH NUR EINE SEKUNDE LANG SCHLAFEN DÜRFEN??“ wirst du plötzlich angeschrienen und es wedelt dein innerer Neandertaler mit dem Speer und fuchtelt Kriegsfiguren gegen Säbelzahntiger in die Luft. Seufzend nimmst du einen winzigen Lakenzipfel und legst ihn die sanft auf die Hüfte. Ruhe kehrt ein. Endlich. Bissssss … 

Freitag, 28. Juni 2019

Brandgefahr

Letzte Woche hab ich doch erzählt von dieser Stimme, die mich als Depp beschimpft und dann zum Bodenputz gezwungen hat, gell? Also, genau eben jene Stimme hat diese Woche, nämlich am Dienstag, genau in dem Moment, in dem ich eine Haustür geöffnet und einen würdevollen Schritt ins gleißende Nachmittagslicht getan hatte, laut und vernehmlich ins Straßenweit gebrüllt: „Oooch du dumme Kuh!“ Es verstummten kurz die Vögel, ein Hündchen unterbrach den Strahl, die Welt stand still. Wär ich auch gern, hab ich aber nicht, sondern, also das war so: Ich ja bekanntlich immer überallhin Fahrrad. Und natürlich Fahrrad so nah wie möglich an Zielort abstellen, weil sonst Laufen, und Laufen = Zeitverschwendung. Jetzt muss man leider feststellen, dass aktuell manche Plätze eine bislang unbekannte Perfiderie entwickeln, nämlich wegen dieser Sonne, und so wie die mancherorts Straßenlaternen in Brenngläser verwandelt und damit schöne Muster auf Rasen malt, so verwandelt sie auch bequeme Gelsättel in flammende Inferni. Du also schön rauf mit dem Hintern und los, und genau so wie wenn man sich mit der flachen Hand auf der heißen Herdplatte abstützt dauert das dann scheint’s ein paar Sekunden bis der Schmerzreiz die obersten, sofort abgestorbenen Hautschichten durch- und tief ins Fleisch eindringt. Ergo ich nach fünf Metern undamenhafte Reaktion, sofortige Brandblasenentwicklung, daraufhin sehr, wirklich sehr mühsames Standradeln sowie verzweifelte Versuche, sich in den Schatten von Ampelanlagen zu krümmen. Hier sogleich nächste Gefahr, denn wenn so ein Ampel- oder auch ein Laternen- oder Schildermast ersteinmal schön zehn Stunden Sonnenschein erhalten hat, dann steht er kurz vor der Kernschmelze. Leider nur kurz davor, deswegen siehst du’s ihm nicht an, sondern lehnst dich lässig mit dem Handballen dagegen, anstatt geschwind in der Wartephase ein Hufeneisen oder Kunst zu schmieden. Jetzt Stigmata links. Solcherart gebrandmarkt und versehrt kennst du genau eine Lösung: Hinein in ein kühles Gewässer, mit Zisch und Dampf und Getöse, eben halt wie das erwähnte Hufeisen, musst du auch abkühlen wenn’s in Form gebracht ist. In Form, will sagen: Shape hab ich mich zwar nicht gefühlt, aber egal, weil Abkühlung, und so bin ich also mit dem Fahrrad – dem Auto hab ich im Vorbeiradeln einen vernichtenden Blick zugeworfen, speziell einen Blick aufs Lenkrad, weil da wissen wir auch, dass du lieber Kühlakkuhandschuhe anhaben willst grade – ins Bad geeilt. Das war wundervoll. Ich schön vor mich hin gezischt und Bahnen geschwommen wie eine Große, und trinken muss man auch sehr viel, und vor lauter Wasser und Abkühlung hab ich dann austreten müssen. Hinein in die Schlappen, und loselegantet – nicht, weil schwarze Flipflops und Sonne … naja. Ganzkörperbrandblase die ich bin, hab ich daheim heilige Schwüre der Verhaltensänderung und Fehlermemorierung geleistet, mich in Buttermilch gewälzt und auf feuchten Handtüchern gewunden. Und jetzt ratet, wer am Tag darauf sein Fahrrad wieder exakt an der selben Stelle parkiert hat …  

Freitag, 3. August 2018

Sonnencreme

In letzter Zeit war ich vergleichsweise oft beim Baden. Das hat weniger etwas mit dieser Hitze zu tun, von der immer alle sprechen und die mir als altem Südländer kaum etwas anhaben kann. Ich leg mich einfach in die Sonne und gleiße mit ihr um die Wette, quasi Reflektor. Außerdem können Wetterdienst, Klimarat und Kachelmann so viel reden, wie sie wollen – solang ich mich nicht über teure Sonntagssemmeln aufregen muss, schmeckt doch das neue deutsche Dolce Vita ganz hervorragend, und wenn statt Rasen Oregano und Thymian den Garten begrünen, dann riecht’s halt auch noch gut. Manchmal robb ich auch zum Beckenrand und lass meine Beine ins Wasser baumeln, wobei es geschehen kann, dass die Chemie mir ein Schnippchen schlägt und ich ins Becken hineingesaugt werde, wegen Hydrophilie, stellt sich doch heraus, dass ich eine Kamelartige bin, die Wasser zwar nicht in Höckern, dafür aber in den Beinen speichert. Schuld am Müßiggang ist der arbeitslose Pöbel in meinem Umfeld. Studenten, Mütter, Lehrkörper, die halt alle nichts zu tun und dafür keine adäquate Begleitung haben, die rufen dann nach dem Freiberufler, weil der kann ja nachts arbeiten, das tut ihm auch gut, hat’s da doch nur noch kühle 30 Grad. Das seh ich freilich ein und folge den Rufen. Solcherart zur Fäulnis verdammt muss man reichlich beobachten und dabei denken. Beispielsweise denke ich viel über Tätowierungen nach und ob der Herr mit dem vertikalen chinesischen Schriftzug schon mal hat prüfen lassen, ob sich dahinter wirklich Konfuzius Weisheit und nicht vielleicht doch eher einmal Hühnchen süß-sauer mit extra Reis verbirgt. Auch lockt es mich, die Menschen mit den sehr individuellen lateinischen Inschriften auf dem Leib (ganz vorne mit dabei: Omnia vincit amor, VeniVidiVici und, ja wirklich, Carpe diem!) zu ihrem Schriftzug zu befragen, interessiert den Ausführungen zu lauschen um mich anschließend als kritische Lateinlehrerin zu erkennen zu geben, die die korrekte Grammatik sowie die Aktualität Vergils Ekladen im gesamtpolitischen Weltkontext diskutieren möchte (für Klugscheißer: Das mit dem Amor geht weiter „et nos cedamus amori“, Bucolica 10,69). Außerdem biete ich hiermit fünf Euro für denjenigen, der sich „Hokus pokus fidibus“ aufs Dekolleté stechen lässt! Deal! Weiters erläutere ich gerne die eindeutig belegte Tatsache, dass im Poolwasser eine Chemie mit drin ist, die selbst beim kleinsten versehentlich inkontinierten Tröpfchen eine sofortige Grünfärbung des umgebenden Areals zur Folge hat und freue ich über schreckgeweitete Augen und fleißiges Toilettieren der Mitgänger. Auf eine große Frage der Menschheit weiß jedoch selbst ich noch keine Antwort: Wir fliegen zum Mond. Wir transplantieren Herzen. Wir zähmen HIV. Wir haben den Nicer-Dicer, fluoreszierende Farben, Nachtsichtgeräte, Alexa, Schlumpfeis und selbstkühlende Fässer. Warum in Dreiteufelsnamen haben wir nicht endlich einen Sonnenschutz, den man so auf sich hinauftun kann, dass nicht hinterher entweder der Liegenachbar statt einem selbst benetzt ist, man nicht hinterher fünf Minuten mit Spezialhandwerkerpaste Händewaschen muss wie bei der schönsten Grippeepidemie und überhaupt sich selbst und sein Hab & Gut im Anschluss vier Stunden in eine Seifenlauge tun?  Dabei fällt mir ein: Wenn man wenigstens in die Sonnendings ein bisschen Fluoreszierung mischen könnte, dann hätte man wenigstens in der Nacht auch noch was davon, dass man es nicht abwaschen kann.  

Freitag, 27. Juli 2018

Hundstage

Heute habe ich leider kein Sofa für euch. Weil nämlich geschafft, mich unter übermenschlicher Kraftanstrengung von diesem herunter- und aus der Wohnung hinausrollen zu lassen. Das war gar nicht so einfach, weil es herrscht nämlich ein Druck. Ein Unterdruck, um genau zu sein. Aufgrund des Temperaturunterschiedes von mindestens 20 Grad Celius zwischen dem Inneren der Wohnung und dem Außenrum entstand vor einigen Tagen eine Art Luftschleuse. Wann immer ich die Tür öffne um durch diese hinaus in die Hundstage zu treten, erfasst mich ein gewaltiger Sog, der mich sogleich rückwärts in die Wohnung zurücksaugt. Dort bleibe ich entweder gleich auf dem Boden liegen und versuche mich zu erholen, schaffe es gelegentlich, mich auf die Couch zu robben oder, besonders anstrengend, mit einem Umweg über die Küche, wo ich in mühsamen Eichhörnchenetappen die untere Schublade des Gefrierfachs herausziehe, um anschließend in der so entstandenen Lücke meinen kochenden Kopf sanft aufs Eis zu legen und ein bisschen vor mich hin zu atmen, während um mich herum die Suppen vom Herbst und das ein oder andere Fischfilet sich anschicken, mich mit erfrischendem Nass zu umgeben, das leider über kurz oder lang von meinem fiebrigen Körper tauchsiedergleich zu köcheln beginnt, so dass ich mich dann feucht und dampfend erheben und hinüber ins Bett glitschen muss, um dort vergeblich auf das physikalische Wunder der Verdunstungskälte zu hoffen. Die setzt jedenfalls nicht ein, wenn man nach 100 Metern energieraubenden Fahrradfahrens zum Beispiel in eine Parkanlage vom Gefährt plumpst um sogleich in einem ganz individuellen Treibhauseffekt in sich selbst baden gehen zu können, was bewirkt, dass man auch im Park weder sitzen noch liegen, sondern einem hitzewarnenden Andreaskreuz gleich mit weit von sich gestreckten Extremitäten auf Zehenspitzen stehen muss, um so wenig Berührungspunkte wie möglich zu produzieren, auch nicht mit sich selbst, ja sogar sich selber einen Blick zuzuwerfen löst eine Schweißflut aus. Es handelt sich also nicht um eine Vogelscheuche, die ihr gelegentlich auf den Strohfeldern der Stadt erspähen könnt, sondern nur um mich.  In meinem Arbeitszimmer herrschen aktuell knapp 27 Grad um halb zehn am Vormittag, und das ist folgerichtig kein Zeichen für das Frühstückchen, sondern Anlass, sich aus dem Raum zu entfernen, bevor die Sonne rum- und reinkommt. Ich schnüre jetzt also mein Bündel und beame mich in eine öffentliche Badeanstalt, um dort mein Transpirat mit dem vieler anderer dampfender Menschen zu vereinen und so zu einer gesellschaftlichen Harmonie beizutragen. Diesen harmonischen Zustand gedenke ich am ba(r)denden Wochenende im Speziellen und weit darüber hinaus im Allgemein beizubehalten. Ich kann nur hoffen, dass ihr das auch macht. So. Trinken, trinken, trinken, Brunnen sind zum Planschen da, und wenn jemand Durst habt, gebt ihm Wasser. Viel Spaß!