Letzte Woche hab ich doch erzählt von dieser Stimme, die mich als Depp beschimpft und dann zum Bodenputz gezwungen hat, gell? Also, genau eben jene Stimme hat diese Woche, nämlich am Dienstag, genau in dem Moment, in dem ich eine Haustür geöffnet und einen würdevollen Schritt ins gleißende Nachmittagslicht getan hatte, laut und vernehmlich ins Straßenweit gebrüllt: „Oooch du dumme Kuh!“ Es verstummten kurz die Vögel, ein Hündchen unterbrach den Strahl, die Welt stand still. Wär ich auch gern, hab ich aber nicht, sondern, also das war so: Ich ja bekanntlich immer überallhin Fahrrad. Und natürlich Fahrrad so nah wie möglich an Zielort abstellen, weil sonst Laufen, und Laufen = Zeitverschwendung. Jetzt muss man leider feststellen, dass aktuell manche Plätze eine bislang unbekannte Perfiderie entwickeln, nämlich wegen dieser Sonne, und so wie die mancherorts Straßenlaternen in Brenngläser verwandelt und damit schöne Muster auf Rasen malt, so verwandelt sie auch bequeme Gelsättel in flammende Inferni. Du also schön rauf mit dem Hintern und los, und genau so wie wenn man sich mit der flachen Hand auf der heißen Herdplatte abstützt dauert das dann scheint’s ein paar Sekunden bis der Schmerzreiz die obersten, sofort abgestorbenen Hautschichten durch- und tief ins Fleisch eindringt. Ergo ich nach fünf Metern undamenhafte Reaktion, sofortige Brandblasenentwicklung, daraufhin sehr, wirklich sehr mühsames Standradeln sowie verzweifelte Versuche, sich in den Schatten von Ampelanlagen zu krümmen. Hier sogleich nächste Gefahr, denn wenn so ein Ampel- oder auch ein Laternen- oder Schildermast ersteinmal schön zehn Stunden Sonnenschein erhalten hat, dann steht er kurz vor der Kernschmelze. Leider nur kurz davor, deswegen siehst du’s ihm nicht an, sondern lehnst dich lässig mit dem Handballen dagegen, anstatt geschwind in der Wartephase ein Hufeneisen oder Kunst zu schmieden. Jetzt Stigmata links. Solcherart gebrandmarkt und versehrt kennst du genau eine Lösung: Hinein in ein kühles Gewässer, mit Zisch und Dampf und Getöse, eben halt wie das erwähnte Hufeisen, musst du auch abkühlen wenn’s in Form gebracht ist. In Form, will sagen: Shape hab ich mich zwar nicht gefühlt, aber egal, weil Abkühlung, und so bin ich also mit dem Fahrrad – dem Auto hab ich im Vorbeiradeln einen vernichtenden Blick zugeworfen, speziell einen Blick aufs Lenkrad, weil da wissen wir auch, dass du lieber Kühlakkuhandschuhe anhaben willst grade – ins Bad geeilt. Das war wundervoll. Ich schön vor mich hin gezischt und Bahnen geschwommen wie eine Große, und trinken muss man auch sehr viel, und vor lauter Wasser und Abkühlung hab ich dann austreten müssen. Hinein in die Schlappen, und loselegantet – nicht, weil schwarze Flipflops und Sonne … naja. Ganzkörperbrandblase die ich bin, hab ich daheim heilige Schwüre der Verhaltensänderung und Fehlermemorierung geleistet, mich in Buttermilch gewälzt und auf feuchten Handtüchern gewunden. Und jetzt ratet, wer am Tag darauf sein Fahrrad wieder exakt an der selben Stelle parkiert hat …
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Freitag, 28. Juni 2019
Freitag, 7. September 2018
Liegebad
Ich komm grade vom Sport. Über dessen Art und Weise verbitte ich mir jedweden Kommentar, zu gegebenem Anlass wird das hier noch thematisiert. Sport war wichtig, wegen 1. Nachrichten haben wieder mal gesagt, dass Sitzen das neue Rauchen ist und eh zu wenig Bewegung überall und schwierig, und 2. hat eine kurze Zwiesprache mit meinem Rücken ergeben, dass es sehr arg dringend notwendig ist, wieder ein bisschen Muskulatur auf ihn hinaufzutun. Am Ort des Geschehens bin ich mit großem Jubel empfangen worden, man hatte mich offenbar vermisst in der Zeit, in der sich meine Aktivität auf die eines Fördermitglieds beschränkt hatte, und sogleich einen ausgedehnten Urlaubsaufenthalt gemutmaßt. Reflexhaft hab ich laut geschwindelt, ich sei nicht im Urlaub, dafür aber viel in der Arbeit gewesen. Ungleich leiser hab ich dann noch sagen müssen, dass ich na gut vielleicht also um ganz ehrlich zu sein möglicherweise auch gelegentlich einmal im Schwimmbad gewesen sei. Weil man da ja schwimmt. Sonst hieße es doch natürlich Liegebad. Schwimmen soll ja grad für Rücken unglaublich gut sein, so superunglaublich gut, dass es überhaupt gar nichts ausmacht, dass Schwimmen ungefähr die langweiligste Tätigkeit der Welt ist, und wenn man deswegen erst einmal seine zehn Kilometer geschwommen ist, liegt es sich in Folge dessen auch gleich sehr viel reineren Gewissens umeinander. Bedauerlicherweise teilte das diverse Begleitpersonal meine Meinung nur zu Hälfte, nämlich exakt bis zu der mit der Langeweile. Entsprechend hab ich nur mit größter Willensanstrengung überhaupt hie und da ein bisschen mehr machen können als mich in so ein Becken hineinstellen und von dort aus wichtige Gespräche führen oder, noch wichtiger, zu entziffern versuchen, wie viel eigentlich so eine schöne Portion Schwimmbadpommes kostet und dann kalkulieren, ob es wirklich notwendig ist, abends nur ein bisschen Sommersalat zu essen oder ob ein Sommerschnitzel nicht vielleicht ähnlich glücklich machen würde. Diese Diskussion führt man dann im Liegen weiter, und am Ende des Tages blickt man stolz auf fünf Radfahrkilometer zurück und beruhigt sich damit, dass es immer noch schlimmer gehen kann, weil andere fahren ja das Stückchen zum Bad mit dem Auto. Ein vorläufiger Höhepunkt dieser Demonstration höchster Disziplin war erreicht, als das ledigliche Erspähen einer Pizza in weiter Parkferne dazu geführt hat, dass nicht nur sämtliche kalorienarmen Speisepläne kurzerhand über Bord haben geworfen werden müssen, sondern direkt das ganze mitgeschleifte Gerät zur körperlichen Ertüchtigung noch nicht mal ausgepackt hat werden dürfen, sondern alles wie’s war kurzerhand zum Pizzalokal und mit der dort eilig erstandenen Ware an einen repräsentativen Speiseort verbracht wurde. Weil es hätte ja der letzte schöne warme Abend sein können. Immerhin musste dafür der schlimmste aller Burgberge erklommen werden. Man hätte auch unten bleiben können. Gewissen: rein. Vielleicht wird’s dann jetzt trotzdem doch einmal Zeit für Kälte. Da macht der Sport dann wenigstens warm.
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