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Freitag, 19. Juli 2019

Sommerkämpfe

Gerade beim Schreiben dieser Zeilen schwirrt mir ein Getier um den Kopf. Es ist groß und laut und vor allem deutlich sichtbar, nicht zuletzt dank gestreifter Signalfarbe, und deswegen kann ich es gut leiden. Exakt jetzt genau ist es verstummt, was ich schon gleich viel weniger gut leiden kann, bedeutet das doch eine mutmaßliche Rast, die bei Tieren dieser Sorte gerne einmal eine große Gefahr des Drauflatschens und Bestrafung des (haha) Ver-Gehens mit schlimmem Schmerz birgt. Nach einer sofortig eingelegten Expeditionsrunde hab ich das Tier entdeckt. Es rastet auf einem Holz, leider jedoch nicht auf einem solchen, wo man sagt: Da haut man jetzt halt einmal kurz aus Versehen mit einem Diercke Weltatlas drauf, und schon ist die Gefahr gebannt, sondern eher so eine Art Holz, wo man hernach wegen Dominoeffekt sehr lang den Raum neu dekorieren müsst, quasi eher unverhältnismäßig. Den Raum verlassen, verriegeln und warten, bis es stirbt oder gar von allein wieder hinausfindet, ist auch keine Option, denn man weiß ja: Störendes Getier findet prinzipiell immer sehr vorzüglich in eine Wohnung hinein, niemals jedoch aus dieser wieder hinaus. Nach dem selben Prinzip ist gestern ein Gschmeiß verfahren, dass sich von morgens bis abends mit dem Rücken und ungläubiger Verzweiflung ans Fensterglas geworfen hat, ganz so wie bei der Marlen Haushofer ihrem Buch, wo ja auch plötzlich eine mordsunsichtbare Mordsscheibe umeinandersteht in der Welt. Und ich muss schon sagen, ich hab dermaßen gut Fenster geputzt, dass ich selber öfter einmal aus Versehen ein bisschen den Kopf zu weit aus der vermeintlich offenen Luke streck. Jetzt sind das alles so Tagsüberepisoden, wo man mit einer Mischung aus Nachsicht, Genervtheit und wissenschaftlichem Interesse relativ entspannt beiwohnen, womöglich (wie soeben geschehen) mit einem der hier zahlreich herumliegenden Festivalbierbecher einmal beherzt durch die Luft fischen und dann das Tier vom Balkon werfen kann. Und dann gibt es aber noch diese anderen Situationen. Die finden vorzugsweise nachts statt. Da hast du grade abgeschaltet, erst das Licht und dann den Geist, und im letzten Moment grad bevor du bewusstlos wirst donnert ein Hubschrauber auf dich zu. Geradewegs reißts dich vom Halbschlaf in den Sitz, ein Licht wird eilig entzündet, doch so sehr du auch schaust und mit dem Suchscheinwerfer forschst, es ist einfach nichts zu sehen, es ist, als hätte der Hubschrauber einen Tarnumhang, der durch Nachttischlampe aktiviert wird. Irgendwann erkennst du dann, dass das mikroskopisch kleine Staubkörndl, das im Augenwinkel umeinanderstiebt, die Ursache für das Horrordröhnen ist, und es folgen unwürdige Szene aus Lauern und Jagen, in denen man sich ein Chamäleon am Stecken wünscht, um damit durch die Luft zu wedeln. Leider hat man nur eine Klatsche. Ja, auch in der Hand, und so sinkt man schweißgebadet auf die Schlafstatt, propft sich Wachs in die Ohren und reckt einen Arm empor – nicht in Siegerpose, sondern als Zeichen des demütigen Antritts zur Blutspende. Sollte ich die Anämie überleben, bau ich mir am Wochenende Gitter vor die Fenster. Ob man selbst dann ein- oder alle Unbill ausgesperrt wird, ist ja immer Ansichtssache.

Freitag, 24. August 2018

Problemwespe

So richtig glauben kann ich’s ja noch nicht, aber es soll ja angeblich jetzt dann einmal ein bisschen herbstln. Damit einhergehend soll’s dann wohl auch tröpfeln – auf Regen wagt ja kein Mensch mehr zu hoffen. Das bringt, so Petrus will, nicht nur Erleichterung für sowohl Bäume als auch einstürzende Neubauten, sondern alle leidgeplagten Menschen, die sich tagtäglich im sisyphosalen Kampf gegen den weltschlimmsten aller Todfeinde befinden: die Wespe. Ein heimisches Nutztierchen, das im Gegensatz zu einem unheimlichen Schädling dieser Tage überraschend wenig Lobby hat. Weil ich aber finde, dass über Probleminsekten schon genug, mit ihnen selbst aber vergleichsweise wenig gesprochen wurde, möchte ich das ändern. Also. Biene so: „Entschuldigen Sie … Entschuldigung … ich möchte nur kurz … hechelhechel … gar nicht stören … aber ich muss … ächz … noch wirklich sehr viele … Oooooh so eine schöne bunte Blumenwiese, da geh ich doch gl… Menno, schon wieder nur ein Kleid … Also jedenfalls muss ich wirklich heute noch … stöhn … also mindestens … drei Kilo … Ach das ist aber nett, dass Sie mir … saugsaug … ach und … mhmm lecker … schwere Beine hab ich heut wieder … puh … ob das vom Tanzen kommt? … und morgen früh raus … Auf Wiedersehen, dankeschön, schönen Tag noch!“ Hummel so: „Ich … doing … weiß eigentlich gar nicht … rumms … wieso ich eigentlich … dotzdotz … hierhergekommen bin, aber es … huch! … so schönes Wetter und da dachte ich … Verzeihung … ich geh mal kurz … Haaaaaaaaaachz ist das wieder hübsch hier, und diese Blüte … rumms … also nein hoppla, ich meinte gar nicht die auf Ihrem Glas, sondern die … tocktock … nein, die auch nicht, wo hab ich denn nur wieder … boing …. Aaaah da ist sie ja, jipiiieee wie das schön KITZELT in meinem Fell, das macht soooo Spaaaaaß ich könnt mich reeeeeeeeeeinleeg… WUMMS … o nein, schon wieder, vielleicht sollte ich doch besser mal … ooooooooooh da hinten ist es aber auch ganz wundervoll, tschüüüüüüssi!!“ Hornisse so: „Hallohallo, bitte nicht erschrecken, also ich meine, ich SAG ja schon immer lieber ERSTMAL Entschuldigung weil ich weiß ja wie ich … aber in Wahrheit hab ich doch auch nur und wissen Sie mir wäre auch lieber wenn ich so einen Pelz wie die Kollegen aber nein, nichts da, stattdessen kurzsichtig und also verstehen Sie mich nicht falsch aber ich möchte doch auch nur mal schauen dürfen was eigentlich so geboten ist und oooooh das duftet aber köstlich woher kommt das denn … nein … nein … nein, auch falsch, wo hab ich denn … ach da isser ja, der Schinken, entschuldigen Sie, dürfte ich mir bitte einen Ranken davon … den würd ich dann … schabschab … mit nach Hause und den anderen später … ja zefixnochmaleins, jetzt hab ich’s verloren, wo war denn gleich wieder … wo hab ich denn nur …“ Wespe so: „Ich hab Hungerhungerhunger und ooooh wie das überall duftet und einen Durst hab ich beinander und himmelherrgottsakra das ist aber auch ein Überfluss ich weiß gar nicht wohin ich zuerst … und wenn ich halt ein winzigesbisschen besser sehen tät dann müsst ich auch nicht immer … also jetzt lass mich doch einfach einmal durch und ganz in Ruhe … ey … hallo … HALLO! IN RUHE HAB ICH GESAGT KREUZDONNERWETTERNOCHMAL!!“ Zecke so: „Geil, Blut!“ Bremse so: „GEIL! BLUUUT!“ So. Und jetzt ist mal Ruhe mit dem hysterischen Geplärre!