Posts mit dem Label basteln werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label basteln werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 3. Juli 2020

Skilling me softly

Zum freien Tag ein Lieblingssatz: „Man muss seine Mitarbeiter empowern und educaten, um die News of the Day zu sein mit dem Shared Content, da ist das Engagement auch Soft Skill.“ Falls sich jetzt grad maiköniginnenkranzgleich die Fragezeichen um eure Köpfe ranken oder wie die dicken Junikäfer sich im Haar verheddern: Keine Sorge, geht mir auch so. Was ich grade noch versteh ist „Soft Skill“, weil davon hab ich viel. Jaja, wegen wenig Sport zuletzt, schon recht, ihr Lästerzungen, aber ich mein’s ausnahmsweise anders. Beharrlichkeit, Leidenschaft, Überzeugungsvermögen, Teamspirit sind quasi Vornamen, jedoch – und jetzt wird’s traurig: Statt stets zu applaudieren und Lorbeerkronen anzureichen kultiviert mein Umfeld eine Haltung stiller Duldsamkeit, gelegentlich tätschelt man mir milde lächelnd auf den Hinterkopf: Hauptsache, sie ist von der Straße weg, raunen sie sich zu und simulieren vornherum Begeisterung. Das klingt dann so: „Wie viele von diesen Gläsern muss man eigentlich haben in einer Wohnung?“ und deutet auf den Ort, den dem ich mit großem Forschergeist und Glück Meersalz und alte Gurkengläser zu Windlichtern kombiniere, wie ich finde: zauberhaft! Zu Weihnachten konnt ich die Menschheit schon reich beschenken, dank neuer Bastelzutat ist aus der Winter- jetzt die Sommerkollektion geworden und die Produktion hochgefahren, die Freunde können’s kaum erwarten. Glaub ich. Warten müssen sie jedoch sehr wohl aufs zuletzt angepriesen Projekt, nämlichst „Ich bau jetzt Vogelfutterhäuschen aus altem Geschirr für euch.“ Sagen wir so: Feinstes Porzellan im Stile des Gelsenkirchner Barock hab ich daheim, auch Schraubenstangenallerlei im Gegenwert von circa 500 Packungen Meisenknödeln ist längst erworben. Allein es ist bislang beim Prototyp geblieben, dessen Präparierung zwei Menschen drei Stunden, zwei Bohrköpfe, ein Holzbrett und vier Staublungen gekostet hat. Wenn Porzellan härter ist als Stahl frag ich mich, was da bislang in meiner Hand so zahlreich zu Bruch gegangen ist. Jetzt also wieder niedrigschwellig, und dank Bayern 1, dem steten Quell avantgardistischer Inspiration, in jedem Sinne zeitgemäß. „Kaum löst man vier Kilo Zucker in zwei Liter Wasser, schon hat man fünf Liter Flüssigkeit – seltsam, hm?“ hat mein persönlicher Live- oder eher: Life-Kommentator klug kalkuliert und mir schweigend einen neuen Lappen angereicht und den alten, zu einem großen Bonbon versteinert, hilfsbereit entsorgt. Es gibt jetzt Holundersirup. Zumindest noch den Rest, weil ganz womöglich hab ich beim Einkochen eine wirklich sehr winzige Sekunde kontempliert und danach einen kleinen Vorfall von Zuckerbäckerei in Herdplattenritzen gehabt, nicht der Rede wert. Aber einen Ohrwurm: „Skilling me sooooftly with this song telling my whole life with this words skilling me softli-hiieeee …“

Freitag, 6. Dezember 2019

Packerlwahn

Beschwerdeanruf vergangene Woche: Es sei doch, hat es laut aus dem automobilen Dröhnsprecher getost, erstaunlich, womit man sich an so einem vermeintlich ruhigen Rententag herumschlagen müsse, sprach der Erbmassenverwalter, nur um den Willen meiner Person zu erfüllen. Ewigkeiten habe man gesucht, polterte es weiter, und dann in Erwägung gezogen, eine Exceltabelle zur ordnungsgemäßen Darstellung und ergo fortfolgend erleichterten Arbeit zu kreieren, schließlich habe man noch einige Wochen vor sich und könne nicht täglich derart viel Energie in Suche investieren, und überhaupt sei es wirklich erstaunlich, dass eine Person mit einer solch umfassend hohen Bildung und fortgeschrittenen Lebensreife wie ich immer noch nicht in der Lage sei, in Übereinklang mit den weitestgehend global akzeptierten Standards der Mathematik im Zahlraum 1 bis 50 zu agieren und dementsprechend korrekt zu zählen. Auf gut Deutsch: „Wieso muss man denn in einem Adventskalender die Tage so durcheinandermischen, Kind?“ – „Tja, Väterchen“, hab ich salomonisch gesprochen, „damit du jeden Tag genug Zeit hast, an mich zu denken“, und mich zufrieden zurückgelehnt. Das war nicht immer so. Spulen wir zwei Wochen zurück. „DU GOTTVERDAMMTES RINDVIECH!“ hat mich da jemand angefreundlicht, und man hätt gern einfach kerzengrad eine Faust geantwortet, nur leider hätt ich dann erstens einen Spiegel zertrümmert und zweitens auch nichts geändert. „Machst du halt auch einmal einen Adventskalender“, hatte ich gedacht habt, „dieser ganze kommerziell überhöhte Pärchenbullshit geht mir zwar mords auf den Senkel, aber so eine kleine Aufmerksamkeit kann nicht schaden“, außerdem gab’s eine, naja, Bringschuld gegenüber einzelnen Personen. Also einer. Person. Dann ist ein Größenwahn passiert, weil wenn du dann eh schon dabei bist, bist du ja eh schon dabei und außerdem musst du Füllsachen besorgen und 24x das gleiche ist doof aber hernach hast du 24 offene Packungen vom zuckrigen Irgendwas und speist alles selbst, dann lieber verteilen. An den besten Freund, der ist eh immer so ungeliebt. Ach und an die Brüder, da freuen die sich auch einmal, wenn die große Schwester … Ja und dann wegen der Gerechtigkeit auch an den Vater und an die Mutter ebenso, bei der ist eh gut wenn die einmal ein schlechtes Gewissen kriegt weil sie mir schließlich nie … Naja, gesagt getan, und ein paar Stunden später hab ich mit verholzter Haltung inmitten eines Packerlwahnsinns mich wiedergefunden. Im Zahlenraum über 50 bin ich unsicher, aber 6x24 ist eh viel. Und dann musst du wegen der Gerechtigkeit überall das selbe eintüten und dann aber auch noch nicht den Überblick verlieren und dann Sehnenscheidenentzündung wegen Packerlbinden und Heulkrampf und Chaos und dann noch 6x24 Packerl an eine Schnur und dann noch mit einem durcheinanderen Suchspaß, also Knoten bis zum Gichtanfall und Rindvieh. Aber schau, sie geben einem so viel zurück. Siehe Anruf oben.