Da haben wir jetzt also den Nudelsalat. Vor ein paar wenigen
Stunden sind wir noch in Wolfsgeheul ausgebrochen, weil wann immer ein Lüftchen
um unsere Ohren wehte, musste man im Chor aufjaulen „Also in der Sonne wäre es
ja ganz schön, aber dieser kalte Wind … !!“ und die warme Jacke blieb
sicherheitshalber noch mal unverräumt und die geschlossenen Schuhe auch und
dann macht man einmal kurz die Augen zu und KAWUMMS ist alles anders und nichts
mehr, wie es grad noch war. Aber das Gejammere über die plötzliche sengende
Hitze wollen wir uns an dieser Stelle mal ersparen und lieber erstens die
heilige Zeit der kurzen Wochen lobpreisen und zweitens den Umstand, dass wo ein
Sommer, da ein Gartenfestl. Diese umweht eine besondere Aura, eine Magie, weil
wir wissen ja alle aus der Werbung, wie wunderschön das aussehen kann: Schöne
Menschen treffen sich in einem Garten. Sie tragen wunderschöne Kleider in
leuchtenden Sommerfarben und leichtes Leinen, räkeln sich auf Liegestühlen und
lassen Leib und Seele in Hängematten baumeln, während sie an kunterbunten
Cocktails nuckeln und irgendwas mit Batida de Coco ist auch dabei. Leichte
Speisen werden herumgereicht, frische Früchte, feine Pralinés. Im Hintergrund
leise Chillout-Musik. Ach, das Leben kann so schön sein … ! Das Leben kann aber
vor allem auch sehr real sein, und so war meine erste Gartenfestlamtshandlung,
mir mit großem Olé die beschattete Hängematte zu schnappen und zu verkünden,
dass dies für den restlichen Tag mein Platz sei! In zweiter Amtshandlung bin
ich mit lautem Gescheber und einem Rückwärtssalto aus der Hängematte gefallen
und habe mich unter dem darunter befindlichen Gestell verheddert. Immerhin: Es
war dort sehr schattig, und so konnte ich behaupten, alles sei planmäßig
verlaufen. Während ich so lag, trafen weitere Gäste ein. Doch statt frisch und
schön waren alle reichlich verschwitzt und ein bisschen eklig, statt wehenden
Gewändern gab’s funktionales „so wenig Stoff am Körper wie möglich“. Man
krümmte sich im Schatten winziger Apfelbäumchen und jungen Weins, die Musik war
je nach Windrichtung mal zu laut und dann zu leis, während Teile des Buffets zu
unkenntlichen Klumpen verschmolzen oder in der sengenden Hitze sichtlich
vertrockneten. Habt ihr schonmal eine Dörr-Melone gegessen? Mhmm, lecker! In
ein Babyplanschbecken von 1m Durchmesser passen maximal acht durchschnittlich
erwachsene Fußpaare, und mancher musste an sich halten, nicht kurzerhand selbst
noch das Fußbadwasser auszusaufen. Cocktails? Pfui Deifi! Ich selbst hab alles
sehr genossen, zumal als Gästin ohne Auftrag – spätestens, nachdem ich
denjenigen Platz entdeckt hatte, der zwar am wenigsten sexy, dafür am kühlsten
war. Im tiefsten Schatten mit leichter Brise ließ es sich gut leben, und dass
mein Liegestuhl direkt vor der Klotür stand, war ja das Problem der anderen und
nicht meins. So viel also zur Gartenfest-Romantik. Ich hoffe, es kommen noch
ganz viele davon. Und vielleicht ein bisschen was von diesem kalten Wind.
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