Freitag, 29. Mai 2026

Gartenfest

 

Da haben wir jetzt also den Nudelsalat. Vor ein paar wenigen Stunden sind wir noch in Wolfsgeheul ausgebrochen, weil wann immer ein Lüftchen um unsere Ohren wehte, musste man im Chor aufjaulen „Also in der Sonne wäre es ja ganz schön, aber dieser kalte Wind … !!“ und die warme Jacke blieb sicherheitshalber noch mal unverräumt und die geschlossenen Schuhe auch und dann macht man einmal kurz die Augen zu und KAWUMMS ist alles anders und nichts mehr, wie es grad noch war. Aber das Gejammere über die plötzliche sengende Hitze wollen wir uns an dieser Stelle mal ersparen und lieber erstens die heilige Zeit der kurzen Wochen lobpreisen und zweitens den Umstand, dass wo ein Sommer, da ein Gartenfestl. Diese umweht eine besondere Aura, eine Magie, weil wir wissen ja alle aus der Werbung, wie wunderschön das aussehen kann: Schöne Menschen treffen sich in einem Garten. Sie tragen wunderschöne Kleider in leuchtenden Sommerfarben und leichtes Leinen, räkeln sich auf Liegestühlen und lassen Leib und Seele in Hängematten baumeln, während sie an kunterbunten Cocktails nuckeln und irgendwas mit Batida de Coco ist auch dabei. Leichte Speisen werden herumgereicht, frische Früchte, feine Pralinés. Im Hintergrund leise Chillout-Musik. Ach, das Leben kann so schön sein … ! Das Leben kann aber vor allem auch sehr real sein, und so war meine erste Gartenfestlamtshandlung, mir mit großem Olé die beschattete Hängematte zu schnappen und zu verkünden, dass dies für den restlichen Tag mein Platz sei! In zweiter Amtshandlung bin ich mit lautem Gescheber und einem Rückwärtssalto aus der Hängematte gefallen und habe mich unter dem darunter befindlichen Gestell verheddert. Immerhin: Es war dort sehr schattig, und so konnte ich behaupten, alles sei planmäßig verlaufen. Während ich so lag, trafen weitere Gäste ein. Doch statt frisch und schön waren alle reichlich verschwitzt und ein bisschen eklig, statt wehenden Gewändern gab’s funktionales „so wenig Stoff am Körper wie möglich“. Man krümmte sich im Schatten winziger Apfelbäumchen und jungen Weins, die Musik war je nach Windrichtung mal zu laut und dann zu leis, während Teile des Buffets zu unkenntlichen Klumpen verschmolzen oder in der sengenden Hitze sichtlich vertrockneten. Habt ihr schonmal eine Dörr-Melone gegessen? Mhmm, lecker! In ein Babyplanschbecken von 1m Durchmesser passen maximal acht durchschnittlich erwachsene Fußpaare, und mancher musste an sich halten, nicht kurzerhand selbst noch das Fußbadwasser auszusaufen. Cocktails? Pfui Deifi! Ich selbst hab alles sehr genossen, zumal als Gästin ohne Auftrag – spätestens, nachdem ich denjenigen Platz entdeckt hatte, der zwar am wenigsten sexy, dafür am kühlsten war. Im tiefsten Schatten mit leichter Brise ließ es sich gut leben, und dass mein Liegestuhl direkt vor der Klotür stand, war ja das Problem der anderen und nicht meins. So viel also zur Gartenfest-Romantik. Ich hoffe, es kommen noch ganz viele davon. Und vielleicht ein bisschen was von diesem kalten Wind.

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