Neues vom Pubertier! Das Kind hat, man mag sein Glück kaum fassen, endlich ein Lebensziel für sich identifiziert, das nichts mit einer glänzenden Zukunft als Katzenbabyzüchterin oder Influenza, nein: Influencer oder sonstigem realitätsnahen Potenzial zu tun hat. Bevor hier Jubel ausbricht und Gratulationskarten zum bestandenen Schuljahr, dem eifrigen Besuch von Ausbildungsmessen und redlichen Bemühen um eine tolle Stelle geschrieben werden – gemach! Denn nicht nur mag man o.g. Glück kaum fassen, man sollte es auch nicht. Sondern ist es nämlich so, dass der Justin, der Jordan und der Melvin alle ein bisschen älter sind und deswegen haben der Justin, der Jordan und der Melvin alle ein Moped. Auf denen ist das Kind in adäquater Sicherheitskleidung, bestehend aus Shorts und Leibchen, oft ausgeritten und hat die verheißungsvolle Luft der Freiheit geschnuppert. Sogleich ward ein Projekt geboren, an dessen Umsetzungsplanungen man sich mit nie dagewesenem Effet zu machen anschickte. Plötzlich konnte man sich um eine Geldquelle, vulgo: Arbeit bemühen, obwohl dahingehende Vorschläge bislang aus Gründen der Majestätsbeleidigung mit einem eleganten „Hä wieso sollt ich?“ vom Schminktisch gefegt worden waren. Auch Mathe ging plötzlich hervorragend, und so wurde geschwind errechnet, wie viele Tage (30) in den kommenden Monaten (6) man wie viele Stunden (24) arbeiten müsse, um über den Winter Fahrstunden und pünktlich zum Geburtstag den Führerschein entgegennehmen zu können sowie ein möglichst neues, möglichst megaaffengeiles Moped zu erwerben. Jetzt sagen wir mal so: Ich würde es nicht eine Geschichte der Rückschläge nennen, doch vielleicht der der Realitätsanpassungen. Angefangen mit dem Umstand, dass gottlob ein eilig befragter Fahrlehrer mir den spaßverderberischen Rücken stärkte und von einer Fahrerlernung über den Winter nicht nur abriet, sondern diese strikt verbot, stellte sich weiters heraus, dass die Biergärten und sonstigen Beschäftigungseinrichtungen in Wahrheit gar nicht ihr Leben lang auf das Erscheinen des Kindes gewartet haben, sondern gut besetzt waren, und dann auch noch der eine jene welche die unerhörte Frechheit besaß, Madame nicht sogleich mit allen quasi-geschäftsführenden Befugnissen auszustatten, sondern schön erst einmal ganz unten in der Hierarchie zu platzieren. Das war freilich problematisch und eine Frage der Zeit, bis Aufbegehr sich regen sollte. Was soll man sagen? Ich wurde nicht enttäuscht. Dass Madame proaktiv eine strukturelles Bottom-Up-Management begann und ungeliebte Arbeiten freundlich, aber bestimmt an vermeintlich niedereres Volk zu deligieren wusste, kann vielleicht noch als Darwin’scher Mechanismus wohlwollend zur Kenntnis genommen werden. Der Genickbruch erfolgte anderweitig, und so wurde ihr bald darauf per freundlichem Empfehlungsschreiben nahegelegt, doch gern in einer anderen Einrichtung herauszufinden, wie gut man gleichzeitig arbeiten und dabei permanent das Handy bedienen könne. Sie zeigte Unverständnis, täten doch alle anderen auch dauernd dergleichen. Ob es vielleicht sein könnte, dass alle anderen gar nicht mit den Handys am Gästetisch Insta und Whatsapp checken, sondern in Wahrheit ihren Orderman bedienen, konnte ich bislang nicht herausfinden. Muss ich aber auch nicht, der Gedanke amüsiert mich über alle Maßen. Um genau zu sein kann ich mich kaum halten vor lachen … „Stehen die auch alle immer mit dem Handy am Tisch wieso darf ich das als einzige nicht in dieser unfassbar ungerechten Welt?“ … Muahahahahahaaaaa …
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Freitag, 31. August 2018
Freitag, 13. Juli 2018
Mopeds
Liebe Gemeinde, wenn ihr das hier lest, bin ich vielleicht schon tot. Oder schwer verletzt. Oder zumindest versehrt, klingen mir doch noch deutlich die zärtlichen Worte „… dann beiß ich dir ein Ohr ab!“ nach. Sender dieser Botschaft ist ein Mensch, den ich auserkoren habe, mir zurück zur Befähigung der Domestizierung von circa 90 Pferden zu helfen. Will heißen: Motorrad, und die Drohung war die Antwort auf die Frage, was eigentlich so passiert, wenn ich die Kiste umschmeiß. Inständig hab ich gehofft, allein die Frage reicht, um mir die Fahrt umgehend zu verweigern, den Tränen nah hab ich nach Gründen gerungen, das, was ich auch noch ganz alleine und freiwillig zu tun im Begriff bin, irgendwie noch abzuwenden, doch der Meister blieb ruhig und tat kund, er freue sich, weitere („Du sagst ja gar nichts. Das hab ich noch nie erlebt.“) bislang unbekannte Seiten an mir kennenzulernen. Bevor jetzt hier Lästereien laut werden bzgl. Zweiter Frühling und Wunderlichkeit im Alter und so – nix da! Ich bin schon Mofa, Roller, Motorrad gefahren, da habt ihr noch ausprobiert, ob‘s schon Banane sein darf oder doch lieber weiter Folgemilch. Mir großer Hingabe und wenig Sachverständnis haben wir seinerzeit die Straßen des Quartiers als Teststrecke für gepimpte Mofas genutzt, haben in sorglosen Feldstudien erörtert, wie viele Menschen maximal auf einen Chopper, Roller oder die schöne alte Simson passen, und dabei noch zu fahren. Wir haben auf Parkplätzen und Baustellen Anfahren, Schalten und Beschleunigen gelernt und als Sozius, was man in Kurven lieber nicht macht, auch nicht bei Tempo 20. Mit 15 hab ich mich einfach auf einen herumstehenden Roller gesetzt und mich im jugendlichen Wissen um die eigene Unsterblichkeit in den Stadtverkehr eingefädelt. Wenn man mal umfällt, fällt man halt um. Das letzte Mal, als ich mich einfach auf einen Roller gesetzt habe, hätt ich den auch am liebsten einfach umfallen lassen – nach zittrigen zehn Metern und fünf Minuten, die mir vorgekommen sind wie drei Stunden, zumindest hab ich entsprechend viel Schweiß verloren. Aus der Testrundfahrt wurde eine Testhinwackel-und-zurückschiebfahrt. Da hab ich mir schon gedacht: Wie kann jetzt das passiert sein? Weil hab ich seinerzeit freilich auch noch die Fahrausbildung legitimieren lassen, ähnlich Kamikaze, weil aus Gründen die Fahrpraxis im schönen November absolviert werden musste, im Anschluss daran aber aus mir unerfindlichen Gründen mit einer Rostlaube und definitiv zu vielen PS das Autofahren perfektioniert und das Motorrad einfach vergessen. Jetzt fällt’s mir halt wieder ein. Bedauerlicherweise bin ich nicht mehr 15. So wie andere Personen, die mir neuerdings von den großartigen Fahrten mit dem Justin und dem Tim in T-Shirt, Shorts und geliehenem Helm unbekannter Herkunft auf deren „Maschinen“ zu Badeseen berichten und Pläne entwickeln, wie viele Stunden man Kinderarbeit verrichten müsse, um möglichst über den Winter hinweg selbst das Fahren erlernen zu können. Wird mir gleich sofort noch schlechter. Aber vielleicht kann das ein Antrieb sein: Schnell wieder fahren können, um fortan hinterm Kind patrouillieren und auf ordnungsgemäßes Tragen sämtlicher Sicherheitsgewänder bestehen zu können.
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