Schönen guten Morgen! Ich habe gehört, dieses Wochenende
steht ganz und gar im Zeichen eines spezialbesonderen Musikfestivals, das seit
50 Jahren die Stadt beglückt und auch eine gewisse Kolumnenschreiberin seit
fast ebenso langer Zeit als Fixtermin durchs Leben begleitet – zumindest
bescheinigen das zahlreiche Fotos (z.B. als Baby friedlich schlummernd im
Weidenkorb, in dem es euch gebracht wurde, inmitten allen Troubles), allen
voran eines, das einst sorgfältig aus einer uns bekannten Tageszeitung ausgeschnitten
und in ein Album geklebt wurde: „1986 Katharinenruine“ ist dazu vermerkt, und
zu sehen ist eine sehr volle Spielstätte, auf deren Bühne vorne links ein
kleines blondes Mädchen kauert und gebannt den Barden lauscht. Ob dieses
Mädchen heute, 40 Jahre später, auch wieder an Bühnen herumkauert, ist ihm (dem
Mädchen) allerdings fraglich, denn dieses Wochenende steht außerdem unter dem
Motto „Hitzewelle 2.0 – Return oft he Evil“. Aber eins sag ich euch: So (haha)
eiskalt erwischen wie beim letzten Mal wird es mich nicht, o nein! Nimm das,
Südwind! In den letzten Tagen hatte ich ausreichend Gelegenheit, die Wohnung
auf stramme 15 Grad herunterzukühlen – ja, das war eine gewisse
Herausforderung, aber eine Frau muss tun, was eine Frau tun muss. Sie musste weiterhin
alles, was „Decke“ heißt, in eine Bettecke schieben und durch feine, dünne
Lein- und Baumwolltücher ersetzen. Außerdem musste sie sämtliche verfügbaren
Vorräte an Melonen im Umkreis von 500 Metern (ja, hier gibt es sehr viele
Geschäfte) aufkaufen und in der randvoll mit eiskaltem Wasser befüllten
Badewanne einlagern, weil duschen kannst du dir eh sparen in den kommenden
Tagen. Einmal jetzt noch, und dann werfe ich mich nur noch nach Art der Spatzen
und Elefanten in Matschlöcher und Staubfelder, um Ungeziefer aus meiner Haut zu
vertreiben und den Staub mit meinem Schweiß zu einer kühlenden und schützenden
Melange zu verrühren. Frisur? Ja auch nicht anders als mit Trockenshampoo,
schätze ich. Nur vielleicht ein bisschen dunkler. Der Kühlschrank ist vollgefüllt
mit Flüssig-Leichtem, derweil im Gefrierpack keine Speisen mehr lagern, sondern
nurmehr Eisiges in verschiedenen Darreichungsformen: Zum Essen, zum aufs
Gesicht legen, zum unter die Kniekehlen klemmen, zum vor Ventilatoren stellen
etc. Ich habe reichlich Bücher bestellt, mit denen ich mich ins kühle
Nordseiten-Schlafzimmer verkrümeln und umrahmt von Blätter- statt
Meeresrauschen schmökern kann (Titel: „Kaltes Fieber“, „Schlaflos“,
„Hundstage“, „Kummer aller Art“). Wenn das nicht mehr geht, müssen die
Watchlisten sämtlicher Streamingdienste herhalten. Im Keller steht ein Ort zum
Biwakieren bereit sowie ein Notfallbündel, mit dem ich mich gegebenenfalls in
der neuen Tiefgarage nebenan einnisten kann oder meinetwegen auch im Ubahnhof
(nur mit gültigem Ticket, ich weiß doch!) … Ich bin also bereit? Ihr auch? Dann
wünsche ich ein tolles Ba(r)denwochenende!