Der allerliebste Lieblingszwerg, der laut Kindergarten-Organigramm jetzt gar kein Zwerg mehr ist, sondern ein Rieeeeese, wie er nicht müde wird der dummen alten Tante einzutrichtern, durfte neulich erstmals bei Oma und Opa übernachten. Selbstverständlich war da nicht nur das Kindlein sagenhaft aufgeregt, sondern der ganze Clan gleich mit, und so manch eine verwandte Person musste schwer an sich halten, nicht als Kissen oder Apfelschorle verkleidet dem Abend Mäuschen spielend beizuwohnen. Schließlich handelte es sich um eine echte Night of the Proms. Aber wir haben alle brav die Füße stillgehalten, sind nicht ganz zufällig abends mal vorbeigekommen und zum Frühstück auch nicht. Tags darauf war die Oma, also meine Mama, bei mir zu Besuch und sah, gelinde gesagt, etwas ermattet aus. Um sechs Uhr, krächzten zwei Augenringe mir entgegen, hätte das Kind die Nacht beschlossen, nachdem es die Stunden zuvor mehr mit Kontrollgängen verbracht hätte statt mit Schlafen, und nachdrücklich um Aktivität, sprich: Fußball verlangt. Rein aus Rücksicht meiner Mutter den Nachbarn gegenüber (die seit 40 Jahren hinnehmen müssen, dass ein Garagentor sehr wohl auch eins für Fußball sein kann, nur halt unwesentlich lauter als so ein Netz) kam man von dem Gedanken ab und versuchte, den Zwerg erst mittels Kuschelns zurück in den Schlaf zu zwingen und anschließend, ihn via Pfannkuchen-Überfressung zu betäuben. Aber da hat sie natürlich die Rechnung nicht mit dem leibhaftigen Duracell-Hasen gemacht. Insofern war ich dann doch gar nicht so unglücklich darüber, an der Pyjama-Party nicht teilgenommen zu haben. Außerdem hab ich eigene prächtige Erinnerungen an Übernachtungen bei Großeltern, bevor ich diese mit einer Heerschar Brüder, Cousins und Cousinen teilen musste … Glaubte ich zumindest zu haben. Nachdem ich jetzt sicher fünf Minuten sehr angestrengt nachgedacht habe und versucht, Erinnerungen von ganz, ganz weit unten ans Tageslicht zu pressen, will mir immer nur eine Kernerinnerung einfallen. Nämlich die, dass mein Papa mich mitten in der Nacht bei den Großeltern schlotternd im Flur auf dem Teppichboden zusammengerollt entdeckte und eilig in sein Bett verfrachtete. Was hatte ich auf dem kalten Flur zu suchen? Klare Sache: Mein Heil vor der großväterlichen Nasensäge, die, getragen vielleicht vom ein oder anderen Schluck Grünen Veltliner, die ganze Nacht sehr große Bäume fällte und mich um den Schlaf brachte. Der Opa war halt ein großer Musikant und konnte auch nachts das Konzertieren nicht lassen. An ein Vorher oder Nachher will sich einfach keine Erinnerung auftun, weswegen ich annehme, dass es das vielleicht schon war mit Übernachtungsparty. Das macht aber nichts, denn ich habe längst andere Pläne: Mir unterm Tisch eine schöne Höhle zu bauen, mit Decken, Kissen, Taschenlampe, und dort erstmal zu verbleiben. Das Kind? Ist herzlich eingeladen.
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