Freitag, 16. Oktober 2026

Twerken statt Heizen

 

„It’s gettin‘ cold in here, so put on all your clothes!” Herzlich willkommen zu unserem Proseminar „Klassiker der Hiphop-Geschichte neu Interpretiert“. Heute: Nelly. „I am getting so cold, i wanna take my clothes on!” Während Ihre Dozentin, Frau Prof. Dr. honoris causa K. Wasmeier (ich) durch den Vortragsaal twerkt – uh, uh, yay, ah! –, sich dabei in höchstem Maße sexy ein Kleidungsstück nach dem anderen überwirft und dabei herausfordernd mit den Titten (ja nein, nix! Wir sind hier im Hiphop, da darf man das, Motherfakkas!) bounct (was unter uns gesagt mit zunehmendem Alter eine wachsende Herausforderung ist, weil also bis das ganze Wolkenfleisch, einmal in Bewegung versetzt, wieder zum Stillstand kommt, das kann schon dauern – aber hey: Alles für die Lehre!), gibt es gewisse Disharmonien im Haushalt bzw. unter den Mitbewohnern. Deren sind es zwei, also der Mitbewohner und ich, und das ist im Sinne der demokratischen Mitbestimmung immer schon eine schwierige Anzahl gewesen, weil Ergebnisse bei Abstimmungen auch heiklen Inhalts vergleichsweise oft keine absolute Mehrheit für eine Partei ergeben und du dich dann am Ende doch wieder ums Recht des Stärkeren prügeln musst – zö la wieh, wie der Franzose sagt. Jetzt möchte ich ungern Wetten abgeben lassen auf wer da am End der (oder die) Stärkere sein wird, weil Glückspiel kann süchtig machen, aber natürlich dürfen Tipps abgegeben werden. Weil die Unstimmigkeit ist so: Mit Autoreifenwechseln gibt’s klare Verhaltensregeln, die allgemein akzeptiert sind; wenn nicht als strenge Richtlinie, so doch zumindest als Verhaltensempfehlung. Die lautet: Winterreifen von O bis O, bums (tschullo, der Hiphop) aus basta. Im Oktober pfriemeln wir das kälteresistente Profil drauf und an Ostern wieder runter, und wenn’s dann im Mai noch schneit musst du halt schauen wie du die Schneeketten auf den Sommerpneu hinaufgedrechselt bekommst und am Brenner umeinanderrutschst. Jedoch wie lautet die Verhaltensregel für den Start in die Heizsaison? Was schon einmal nicht güldet bittesehr ist eine Orientierung am Lebkuchen- und Dominosteinsegment, weil dann tätest du die Heizung ja unter Umständen schon im August aufdrehen (und dann am 28.12. wieder aus, wie doof wäre das denn?). Mama sagt „Ja mach’s doch einfach nach Gefühl!“, aber unter uns: Dank der Gnade meines Alters ist „nach Gefühl“ auch nicht wirklich belastbar, weil mein Gefühl sagt seit einiger Zeit abwechselnd „Schweißausbruch“ und „Gänsehaut“. Ich weiß auch nicht, was das soll. Früher hab ich die Parole ausgerufen: Es werden so lange Klamottenschichten aufgetürmt und Wärmflaschen bereitet, bis es wirklich nicht mehr anders geht, aber das erscheint mir auch nicht mehr adäquat. Also Gretchenfrage: „Nun sag, wie hast du’s mit der Heizperiode?“ I put in der Zwischenzeit mal noch ein paar clothes on. Auch wenn’s mir vom Twerken jetzt ganz schön warm geworden ist.

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