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Freitag, 5. Juni 2020

Stille Einkehr mit Fragestunde

In vorauseilendem Gehorsam war ich übers lange Wochenende dort, wo mich gelegentlich gern mal jemand hinschicken würde. Gut, eine Wüste hab ich da nicht entdeckt im Bayerischen Wald, eher satte Wiesenfelder, eine Drogenberatungsstelle hab ich auch nicht auf Anhieb gefunden, dafür viele feine Wirtschaften, die aber wirklich auch sehr kompetent beraten haben („Blutwurz zündma an, Bärwurz eher nicht“), und einen Pfeffer hab ich auch nicht wachsen sehen, aber vermutlich hat das an der Gewitternebelwolke gelegen, die privat und exklusiv um mich herumgewickelt auf einem jedem Ausflug dabei war. Einen Gipfel hab ich darob auch nicht gleich erspäht, gleichwohl ich ihn erklommen habe, also eigentlich erklammt, weil es hat nämlich aus meiner Wolke einen Eissturm getan und Nieselschnee auch, und so bin ich dann dankbar in einem warmen Wirtshaus gesessen und hab geschwiegen. Stille Einkehr, quasi. „Es ist fei schon beeindruckend“, hat der Gegenübersitzer dann bemerkt, „wie viel vom Opa da immer noch überall dabei ist.“ – „Wieso jetzt das?“ hab ich gefragt und dabei weiter sorgfältig meine Runden gedreht, nämlich mit drei Bierdeckeln freischwebend aneinander entlang umeinander herum ohne dass eins runterfällt, Schwierigkeitsstufe Profi wegen ovale Filzerl statt runde; das ist jetzt schwierig zu erklären, ich zeig’s euch einmal. Halt so wie’s der Opa mir beigebracht hat. Auch hat der Opa immer so Hefterln herumliegen gehabt, wegen der vielen und sehr ansprechenden Kreuzworträtsel, hat er immer gesagt. Wegen der vielen Damen darin, in Wahrheit, hat die Oma immer gesagt, und deswegen hab ich die Hefterln nicht anschauen dürfen. Deswegen eh klar: Immer hab ich gewusst wo aus Versehen noch eins rumgelegen ist oder vielleicht einmal unter ein Regal gerutscht oder im Keller eins vergessen worden war, und ganz besonders spannend war darin überhaupt gar nicht die viele Haut, sondern die sehr tolle Gesundheitsberatungsrubrik, das hab ich auch gleich erkannt wegen dem anderen verbotenen Schmuddelheft, nur dass da nicht der Dr. Sommer geantwortet hat sondern die nette Frau Barbara. Um einen Rat hat man sie fragen können und aber auch sehr persönliche Dinge, und dann hat die Frau Barbara eine sehr nette ausführliche Antwort gegeben und beides ins Schweineheft gedruckt, so dass ein jeder hat teilnehmen können. Und da hab ich gedacht, das wär vielleicht schön, wenn ich das auch haben könnte, weil immer im stillen Kämmerlein, das ist doch nichts, man muss im Dialog bleiben. Wenn also ein Leser mich fragt „Was haben Sie sich eigentlich eingeworfen als Sie diesen Artikel verfasst haben?“ könnt ich mir vorstellen dass das ja dann mehr Leute interessiert. Wobei eigentlich wär vielleicht eine öffentliche Gesprächsrunde auch schön, so gemütlich am Tisch und dann nett plaudern. Und das mit den drei Filzern zeigen. Was meint ihr?

Freitag, 29. Mai 2020

(Kär)Wahrheiten

Ich bin ja großer Forscher, gell, der Armin und der Christof mit dem grünen Gewand und auch der Latzhosenpeter haben mich dazu erzogen. In jüngster Zeit forscht es sich wieder prima auf dem Felde, und zwar qualitativ, also im Gespräch und dann deduktiv, also ableiten aus dem was du hörst. Und jetzt hörst du durch die Bank, dass der Mensch halt nunmal eher so ein energetisch optimiertes Wesen ist und wenn er eine Sache nicht gleich versteht dann strebt er in der Tendenz dazu, sich eine leichte Erklärung zu basteln, was supersinnvoll ist, weil du musst dir vorstellen: Wenn du eh schon nicht so arg viel Gehirn und Denkerei aktivieren kannst, ja dann schaust du doch, dass du mit dem bisserl Rest möglich gut haushaltest, sprich Energie sparen, sprich nicht so viel denken, nachlesen und verstehen wollen, das kostet eine Mordskraft, sondern eher was Leichtes zum Anfassen. Fürchtet er sich also vor einer Sache, zum Beispiel, dass der Himmel vielleicht auf den Kopf fallen könnte, dann erklärst du nicht Gewitter, Erdumdrehung, Atlantikwind und Niederschlag, sondern sagst „Teutates“ und „Zorn“ und schon sind die Gallier beruhigt, weil mit so einem Zorn, da weiß man eben umzugehen und kann sich in der Zeit viel besser mit einer schönen Prügelei beschäftigen. Also: Leichte Erklärung von oben macht große Ruhe im Unten. Das ist jetzt überhaupt nichts Neues (vgl. Religion, die), es wird aber halt auch nicht einfacher mit der Zeit, weil die leichte Erklärung halt gar nicht immer die ganz richtige ist und oftmals die richtige plötzlich falsch erscheint und umgekehrt weil die falsche richtige Erklärung nicht so gern gehört wird wie die richtige im Falschen, und dann nachher kennt sich gar keiner mehr aus. So jetzt veranschaulichendes Beispiel: Fragst du einmal im weiteren Umfeld herum „Was feiern wir an Pfingsten?“ dann blökt’s zufrieden unisono: „KÄRWA!“ Dann verdrehst du als aufgeklärtes Humanistentier natürlich protokollgemäß die Augen und setzt dir deinen Kneifer auf die hagere Nase und beginnst mit ausgestrecktem Belehrungsfinger deine Rede: „In Wahrheit ist es natürlich so, dass wir in der Tradition der christlichen Lehre und Welt den 50. Tag feiern, der vergangen ist, nachdem eine männliche Person, die ungefähr 35 Jahre zuvor durch kontaktlose Geisterbefruchtung einer Jungfrau gezeugt und unter Zeugenschaft einer Kuh und eines Esels in einem Stall geboren wurde und sich bis zu ihrem verfrühten Ableben aufgrund eines krähenden Hahnes und großen Missverständnisses die Zeit damit vertrieben hat, Wasser in Wein zu verwandeln, Fische exponentiell zu vermehren und Blinde sehend zu machen, nach dreitägiger Totstellung aus dem Grab geflohen und stattdessen lieber in den Himmel gefahren ist, um dort zur Rechten Gottes zu sitzen und auf seinen Einsatz als Richter über Leben und Tot zu warten, und an eben jenem 50. Tag der bereits erwähnte Geist die Kumpels des Hallodri über die neusten Entwicklungen in Kenntnis gesetzt hat, ‚über sie ausgeschüttet‘, sagt man. DAS ist Pfingsten!“ Und dann schnaubst du noch „Du Depp!“ und machst empört auf dem Absatz kehrt. Und bist traurig, weil überhaupt gar keine Kärwa ist. Fuckcorona!