Ich hab mir jetzt eine Höhle gebaut. Darin ist es sehr schön. Es gibt Kissen und Decken und noch mehr Kissen, große und kleine Kissen und solche zum wo man ein bisschen draufboxen kann und dann plustern die sich so auf und wenn man den Kopf hineinlegt hat man eine Kissenmütze auf, oder ein bisschen so wie ein Liegeohrensessel, und eine Decke mit Ärmeln. Hier kann man super herumliegen. Tagsüber ist es ein bisschen heller in der Höhle, da kann man dann Bilderbücher anschauen und manchmal auch welche mit Wörtern drin, aber das ist sehr anstrengend, und man kann sehr gut Mandalas ausmalen mit sehr dicken Buntstiften und Wachsmalkreiden, das geht dann zwar nicht superakkurat aber man muss dafür nicht so oft spitzern, und andere Sachen, die im Malbuch drin sind. Oder man kann auch einfach einmal nur so schauen und dann vielleicht zählt man mal zur Abwechslung diese kleinen Stoffpopel, die so eine Decke manchmal macht. Um mich herum gibt es Stapel mit Körnern und Nüssen und manchmal tropft ein bisschen Wasser von oben, das reicht dann schon, aber wenn ich genug Tropfen gesammelt habe, muss ich mich erst einmal wieder ausruhen, denn das Höhlenleben ist sehr anstrengend. Wenn es dann dunkel ist, schau ich noch ein bisschen Bilder an, aber nur so lange, bis das Streichholz fast den Finger verbrennt, man muss da aufpassen mit dem Feuer, getrocknete Früchte und Erdnussschalen überall, nicht dass da mal eine Explosion passiert. Dann kann ich mich wieder in die Kissenmütze legen und meinen Kassettenrekorder anmachen, weil da hab ich noch eine alte Michlkassette drin und Pumuckl und Dreifragezeichen hab ich auch gefunden, aber das ist nicht gut vor dem Schlafengehen, wegen so aufregend, und Aufregung passt nicht sehr gut in so ein schönes Höhlenleben … „Wann genau“, ist mir plötzlich, als ich mich grad vom linken aufs rechte Ohr gedreht hab, eine Küchenrollenrolle ans selbige gehalten worden, denn ich habe ja verfügt, dass die Höhle nicht betreten und nicht verlassen werden darf damit es schön warm bleibt darin, und schon die Frau Lateinlehrerin früher hat immer gesagt „Lieber derstunken als derfroren“, also „Wann genau“, hat es mir also ins Ohr getrompetet, „hast du eigentlich vor, unter dem Wohnzimmertisch wieder rauszukommen? Ich wart jetzt seit heut Morgen darauf, staubsaugen zu können, und hab eigentlich schon auch noch was anderes vorgehabt! Und die Arbeit hat auch schon angerufen und gefragt, wo du bleibst!“ hat der Mitbewohner sich beschwert, um sogleich den Föhn unter meiner Höhlenwand hindurchzuschieben, was erst schön war wegen warm und die Erdnussschalen waren dann auch auf einmal kein so großes Unbequemlichkeitsproblem mehr, sich dann aber zügig als methodisches Ausräuchern herausgestellt hat. Hab ich meine Höhle also verlassen und statt der angestrebten acht Wochen nur zwei Stunden Winterschlaf gehalten. Man hat’s nicht leicht. Und wenn du denkst, es geht nicht mehr, dann kommt der erste Jeck daher … Tröööt.
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Freitag, 25. Januar 2019
Freitag, 18. Januar 2019
Schneeengeln
Dass der Winter nicht zeigen würde, wie der Schneehase läuft, kann man ihm dieser Tage wirklich nicht nachsagen. Der Süden verwandelt sich in eine unersprießliche Mischung aus Pompeij und Atlantis, während im Norden der Bürger nur noch mit kleinen Eispickelchen bewaffnet das Haus verlässt, um kleine Löcher in Benzintank und To-Go-Kaffee zu meißeln und noch ein bisschen teilhaben zu können am Leben. Man ächzt, stöhnt und ist gefährdet, Hilfstruppen werden rohrpostgleich durchs Königreich entsandt, Spendengelder generiert, das Erste macht mehr Brennpunkt als Tagesschau. Wenn der Alex noch durchs Weltall flitzen würde, dann könnt er jetzt mit einer Wärmebildkamera schöne Sachen machen überm GottmitdirduLandderBayern, nämlich hat es endlich seinen wahren Urzustand erreicht und strahlt in schönstem Königeisblau umeinander. Er tät aber noch etwas entdecken, unser Häwelmann, nämlich innenmittendrin im Blau einen Hitzefleck in schönstem mittelfränkischen Feuerrot. Denn wie immer ist die Insel der Glückseligen von der gewaltigen Gewalt der Witter- und Wetterung weitestgehend verschont, lächelt Unwetterwarnungen und Schneestürme nonchalant ins Reich des Gossip und feilt weiter an der Petition, Biergärten verpflichtend ganzjährig zu öffnen. Um so größer die Aufregung vergangene Woche. „Mei, wie sie sich freut, dass es schneit!“ hat’s unablässig neben mir gehämt, was einen nicht weiter wundern muss, wenn man hört, dass der Hämer dem allerschlimmsten bayerisch‘ Sibirien entstammt und da die Kinder noch mit einem Fell das trübe Licht der Welt erblicken und zur Einkindergartung Rentiergeweihe bekommen, aus denen sie sich gemeinsam singend Schlittschuhkufen drechseln, um der Unbill des ewigen Winters zu trotzen. Ich hingegen: sofortige innere Dauerschleife Zukowski, Schnee, gepudert, hinaus, rodeln, alle, und so hab ich mit dem größten Vergnügen wie ein Eisbärjunges im Pulverweiß getobt und die Reise einmal um die Altstadt per pedes nicht nur zu gern, sondern direkt zweimal auf mich genommen, obwohl diese sich als nicht nur beschwerlich sondern sogar ausgesprochen gefährlich herausgestellt hat, weil der SÖR womöglich noch beschäftigt ist mit Silvesterkracherräumen, was eigentlich schad ist, könnten doch die unzähligen Glassplitter auf allen Gehwegen das Streugut vorzüglich ersetzen. Es macht auch beim Hinfallen fast keinen Unterschied. Aber gut, der Spuk ist eh vorbei, hat der Winter einmal kurz die Orientierung verloren, in die Sonnenstadt hineinflatuliert, quasi Erleichterung im Nebenzimmer, man kennt das, und sich wieder der Hauptaufgabe zugewandt. Mir soll’s recht sein, ich hab alles erledigt: schneegeengelt auf der Verkehrsinsel, Stiefelspuren auf der unbefleckten Hundewiese bestaunt, Frisur ruiniert mit Flockenflatschen, mehrfach Beinahegenickbrüche erlitten und elegante Eiskunstlauffiguren vor Publikum vollführt sowie, das allerwichtigste, entlang und dank der Stadtmauer zentnerschwere Schneeteppichkugeln gerollt. Winter ade, scheiden tut weh! Aber ich hab Stärke, deswegen bin ich bereit. En garde!
... Ja, ich weiß, dass der Winter grad erst angefangen hat. Lasst mich in Ruhe!
Samstag, 3. November 2018
Frisches Lüft(ch)en
Ein sehr wichtiges Thema, das Mieter im Allgemeinen und Eigentümer im Speziellen jetzt wieder umtreibt, hat mich selbst grad angefallen, deswegen hochaktueller Anlass: Lüften. „Du kannst jetzt fei das nicht mehr so haben wie die letzten Monate“, hat eins geschlaumeiert und mir sämtliche gekippten Fenster fest verschlossen, wo ich doch grad munter Pantoffeln und Wolldecken an Besucher in Funktionsjacken verteilt hatte und beschieden, man müsse sich vielleicht gar nicht so anstellen von wegen Kälte, 17 Grad sei doch durchaus noch als Raumtemperatur definiert, und anstatt sich schlotternd in die Ecken zu kauern brauche man doch bittschön bloß gymnastische Übungen am Esstisch vollziehen oder halt wenigstens ein bisschen mehr Gestik beim Gespräch. Wurde ich dann leider überstimmt und stattdessen über die gängige Praxis des Stoßlüftens belehrt. Ich: fügsam. Man lernt ja dazu. Im Früher, da hab ich gern so gelüftet, dass auch immer ein Fenster gekippt war, dazu aber die darunter befindliche Heizung auf höchster Stufe, also eine vorzüglich angenehme Mischung, die aber leider eine Beinaheenterbung oder doch mindestens akribische Gegenrechnung Taschengeld vs. Energiekosten zur Folge hatte, als der Hausverwalter das einmal spitzgekriegt hat. Dann hab ich beleidigt lieber gar nicht mehr gelüftet, was sich in den folgenden Jahren im teenageresken im Mantra „Lieber erstunken als erfroren“ manifestiert hat. Dann später war das so, dass ich mir überhaupt gar nie Gedanken hab machen müssen übers Lüften, weil die Fenster quasi eine Lüftungsautomatik eingebaut gehabt haben, wo man auch gar nicht mehr sich hat aufhalten und anstrengen müssen zum Beispiel beim Kerzen auspusten, weil die hat man einfach kurz an den Fensterrahmen gehalten und schwupps – Kerze auspustet. Dann gab’s neue Fenster und mit denen eine Lüftungsbedienungsanleitung, an die ich mich zwar streng gehalten hab, durch die aber auch eine spontane Amnesie verursacht worden ist beim Vermieter, der plötzlich wusste, dass der ewige Badezimmerschimmel überhaupt gar nicht beim Einzug schon vor sich hin geschwärzelt hat, sondern selbstverständlich alles nur durch mein missliches Lüftungsverhalten ausgelöst worden ist. Also Streit und Chlorbleiche. Danach auch gleich wieder viel Lüften. Jetzt heut ist man ja saumäßig gereift und voller Lebenserfahrung, und deswegen hat man halt einfach keine Lust mehr auf Schimmel-Ex und hoppla wie ist es jetzt plötzlich so schwarz geworden, da an der Wand hinterm Bett. Und außerdem sieht man die Nebennutzen, weil: Eine schöne Durchluft bläst dir erst den Balkonboden sauber, dann alles einmal quer durch die Wohnung und unterm Kanapee durch und unter allen Regalen auch, dabei Umfangsvermehrung wie Lawine, und dann am Ende kanapeest du einfach ganz entspannt und saugst locker aus der einen Hand den Haushaltsbelohnungscocktail und in die andere den Unrat. Bei so viel schöner Situation kann man doch schon einmal vergessen, das Fenster wieder zu schließen, erlaube mal! Die Schlappen sind in der untersten Schublade rechts.
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