Freitag, 25. August 2017

BrotZeit

Ein Jahr ist es jetzt genau her, dass ich meine neue Wohnung bezogen habe. Seitdem ist alles ganz wunderbar. Keine gestörten Bonzenstudenten feiern mehr 24-Stunden-Parties, kein wahnsinniger Nachbar renoviert seit 20 Jahren sein Haus, niemand stößt mehr zu nachtschreienden Zeiten in ein Horn oder anderswo hinein, und anstatt der Feuerwehr rückt nur noch der Rettungsdienst mehrmals täglich aus. Es gibt Tage, an denen kein Gärtner eine Hecke stutzt, solche, an denen die ordnungsverwirrte junge Dame unter mir Wohnungs- und Balkontür geschlossen hält und ich mal die Fenster aufmachen kann, und das musikalische Nachwuchstalent irgendwo über mir darf gegen 22 Uhr ins Bett gehen und entsprechend seine Exerzitien auf einem der fünf so inbrünstig wie erfolglos zu bewältigenden Instrumente einstellen. Ich freu mich schon, wenn bald wieder damit begonnen wird, Weihnachtslieder auf der Gitarre zu misshandeln. Am allerschönsten jedoch ist, dass ich nicht mehr täglich um Punkt sieben Uhr von einem Presslufthammer geweckt werde, der gleich einem Panzer durch mein Bett und mich aus diesem heraus fährt, sondern es nur noch eine klitzekleine, entzückende, aufreizend nette Omi ist, die mir den Schlaf raubt. Und da kann man halt nichts machen. Jeden Morgen zwischen 6 und 7 Uhr geruht – nein: gelärmt die sympathische ältere Dame nämlich, eine Brotschneidemaschine direkt in meinen Schädel einzustecken. Dank der Architektur der ineinander verschachtelten Häuser ist ihr das ein Leichtes. Im Anschluss werden akkurat und deutlich vernehmbar zwischen zwei und vier Scheiben Brot geschnitten. Die Omi frühstückt, ich bin wach. Montag, Freitag, Sonntag, ob Regen oder Sonnenschein, lass mich bloß nicht schlafend sein. Manchmal verpasse ich den Zauber dieses Augenblicks, dann bin ich traurig und fühl mich leer. Hin und wieder, weil ich halt schon aufstehen hab müssen, dann würd ich gern gegen die Wand klopfen und sagen, huhu, alles gut, du kannst trotzdem broteln. Meist aber, weil die liebe Omi vermutlich ganz arg ordentlich ist, oder zornig, man weiß es nicht, und deswegen spezialgerne im Morgengrauen mit Geschirr herumwirft. Tja. Was soll man da also machen? Jüngeren Menschen tät man alsgleich das Fell über die Ohren ziehen, eh klar. So jedoch greift der gleiche „Respekt vor dem Alter“-Reflex, der mich auch im Bus hat vom Sitz aufspringen lassen, sobald ein U-Hu eingestiegen ist, obwohl ich mit frisch geschnitztem Knie selbst hätt eher liegen sollen. Vielleicht bekleb ich einfach die Trennwand mit Eierkartons. Davon gibt’s vermutlich grad recht viele, und die halten Schallwellen ab und sehen dabei auch noch saugut aus. 

Freitag, 18. August 2017

Kinderquatsch

Beseelt von der aufrichten Anteilnahmen nach letztem Freitag, den liebevollen Glückwünschen und interessierten Nachfragen, die ich nach einem genüsslichen Schluck kühlen Biers freilich nur zu gerne beantworten wollte und nur hoffen kann, dass auch wirklich jeder, der mich am Wochenende gesehen hat beim sehr unschwangeren Auftreten, die Chuzpe und Geistesgegenwart besessen hat, mich lieber einmal selbst zu fragen anstatt das Sofa bis zum Ende durchzulesen, hab ich alsgleich lauter schöne Dinge unternehmen müssen, um herauszufinden, wie das eigentlich so ist, wenn man nicht nur Mutter vieler hübscher Tomaten, sondern eines Menschenkindes ist. Begonnen hab ich die Expedition mit dem klugen Einfall, an einem Sonntagnachmittag ein Freilandaquarium zu besuchen. Zum Einstand hat mir ein Knirps, der halt gefunden hat, dass er viel wichtiger in eine Glasscheibe hineinschauen muss als ich, zärtlich mit dem Hinterkopf die Nase gebrochen und dafür das angemessene Lob seiner Mutter erhalten. Zum Abschied hab ich einem anderen den wohlwollenden Hinweis erteilt, dass wenn eine Schlange schläft, das dann bedeutet, dass sie lieber schlafen gelassen werden möchte anstatt ohne Unterlass an die Bettstatt getockert zu bekommen. Dankbarer Blick einer Oma, immerhin, wo doch nebenan ein vermeintlich ausgewachsenes Exemplar Mensch sich daran erheiterte, wie eine dumme Schildkröte nach ihm schnappte, wann immer er ans Schaufenster schlug. Nächste Station: Minigolfanlage. Derweil ich lockerflockig meinen sogenannten Gegner besiegte und mich an seiner Schmach ergötzte, zwischendurch siegerfahnenschwenkend das Areal umrundete und kurze Tänze des Triumphs aufführte, führte sich ungefähr ein jedes Kind auf, als sei’s der einzige Mensch der Welt – ein Umstand, der ihm vermutlich elternhausseitig vermittelt wird. Spielregeln kennen wir nicht und betrachten es außerdem als unter unserer Würde, uns an solche zu halten, die „Bitte Fläche nicht betreten“-Schilder können wir nicht lesen, weil wir die Buchstaben C bis Z noch nicht gelernt haben, und unsere Eltern auch nicht, aber wir können ganz ausgezeichnet brüllen wie am Spieß, wenn wir anstatt uns zu bemühen halt schon wieder einmal verloren haben und zum Dank des darauffolgenden Ballverschlagens überraschenderweise nicht noch ein Eis bekommen. Als letzte Station fand ich mich an einem Spielplatz ein, der zu meinem Entsetzen voller Sand war, sogleich ich dann auch, als könnt man das nicht einfach alles hübsch betonieren. Als ich mich wieder ausgegraben und in Unweite ein Telefonat zu führen hatte, krachte mir unversehens mit Effet ein Skateboard in die Hacken. „Das macht gar nichts“, hab ich freundlich reagiert, „ich steh hier ja auch wirklich sehr ungünstig als einziger Mensch weit und breit auf dem Riesenplatz“ und hätt fastbeinahe dem süßen Fratz den Kopf gekrault, bevor ich merkte, dass es sich dabei um die Mutterperson gehandelt hatte. Meine Umschulung zur Kindergärtnerin muss ich vielleicht doch nochmal überdenken. Oder mit meinen Tomaten besprechen. 

Freitag, 11. August 2017

Mutterschutz

„Befinde mich ab sofort im Mutterschutz!“ hab ich neulich verkünden dürfen und in der dafür erforderlichen Depesche ein Bild verschicken, bei dessen Anblick mein Herz auch heut noch Purzelbäume schlägt vor Glück. Deutlich darauf zu erkennen nämlich ist ein winzigkleines Rund von so atemberaubender Schönheit, dass alles andere nicht mehr wichtig ist. Noch nur eine Andeutung vom späteren, rosigen Dasein, die entzückenden Ansätze der bald zu sehenden Pracht des Lebens, das schon schier pulsiert vor Freude. Wie lang hatte ich darauf gewartet! Ab sofort, wurde mir alsgleich empfohlen, dürfe ich nicht mehr schwer heben, müsse mich in eine Art Krankenstatus begeben, Literatur wälzen, das Internet auslesen, um ja nichts falsch zu machen, schließlich sind Mutterfreuden eh nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, und die späten schon gleich gar nicht. Seitdem bewege ich mich vorzugsweise nur noch in höchstens einem Radius von hundert Metern um meine Wohnung herum, treffe lieber kaum mehr Verabredungen, und wenn ich einer doch nicht aus dem Weg gehen kann, verabschiede ich mich unter Vorwänden frühzeitig nach Hause, nachdem ich stundenlang am als Spaßgetränk getarnten Alkoholfreien genippt habe. Man muss ja schließlich fit bleiben und ist nicht mehr nur für sich selbst verantwortlich, sondern auch fürs schutzlose, neue Leben, das da hängt an seinem Mutterkuchen und damit auch an mir. Die Mühen, die Entbehrungen, ja völlige Selbstaufgabe haben sich gelohnt. Mein Nachwuchs wächst und gedeiht, tagtäglich beglückt er mich mit neuen Regungen und Entwicklungen. Meine Lieblingsbeschäftigung ist freilich jetzt, ins Fachgeschäft zu fahren, nichts ist mir zu teuer, kein Weg – mit dem Auto zu bestreiten, freilich. Fahrrad? Viel zu gefährlich! – zu weit, nur das Beste ist gut genug für meinen ganzen Stolz. Was freilich nicht ausbleibt, ist der unvermeidliche Rat sogenannter erfahrener Mütter. Doch da hör ich lieber gar nicht hin, schließlich weiß ich selbst am besten was uns gut tut. Und die Wirklichkeit gibt mir recht. Mehr und mehr werden es, meine kleinen, wunderschönen Kinderchen, immer röter werden sie und praller, manche gar gestreift. Platzen könnte ich vor Glück, gar nicht mehr aufhören kann ich, hinzuglotzen. Doch wie das so ist mit Müttern und gar denen von Mehrlingen, kann ich um ehrlich zu sein einen gewissen Stress nicht von der Hand weisen, gilt es doch jetzt, die Bedürfnisse von so vielen unterschiedlichen Individuen zu erfüllen. Wer braucht wann wie viel Wasser, kriegen alle genug Sonne ab oder gar zu viel, muss ich düngen, ausgeizen, schmutzige Witze erzählen?  Immerhin werden bald wir alle gleichermaßen auf eine harte Probe gestellt: Eine einwöchige Trennung steht bevor. Bin mir nicht sicher, wer davon mehr Schaden genommen haben wird. Werde berichten. Jetzt muss ich weg. Der Gießplan sagt, ich bin schon eine halbe Stunde überfällig. 

Freitag, 4. August 2017

Kein! Gewitter!

Menschenskinder, hab ich da neulich ein Gewitter erlebt! Gewummst hat’s bis zum sauberen Tinnitus, die Blitze haben sich eingebrannt bis übermorgen in die Netzhaut, Baumverbiegungen hat’s gegeben wo du neugierig sagst, schon auch schön, so ein Gummibaum, wie lang das wohl noch hält? Und ein Regen wie unterm schönsten Freibadmassagestrahl. Der Wahnsinn, was ich da gesehen hab. Also auf einem Video von einem Menschen von ein bisschen außerhalb. Weil ich selbst kenn dieses „Weltuntergang“ eigentlich eher nur so vom Hörensagen, oder vielleicht einmal mit viel Glück von aus einem Urlaub, vorzugsweise dann aber von aus einem Campingzelt, wegen Feeling und Realness. Das ist aber gut so, weil sonst tät ich sagen müssen, dass „Unwetter“ fei eine nostradamus’sche Scharlatanerei ist, die’s in Wahrheit überhaupt gar nicht gibt. Leb ich schließlich auf der Insel der Glückseligen, wo man schon sehen kann, dass hier und da so eine ausgewachsene Gewitterfront uns anvisiert, sich dann aber lieber denkt: „Nein, also hier im schönen Nürnberg, da geh ich doch nicht runter, spinn ich denn? Da bieg ich lieber vorher links ab oder auch einmal nach rechts herum und veranstalte da ein Mordsunheil.“ Dann schebert’s angeblich im Norden und im Süden, manchmal auch schon vorher im Westen, da kommt’s ja schon meistens immer her, dieses sogenannte Unwetter, von dem immer alle reden, und dann ganz aufgeregt und „amtliche Warnung“ mit ganz vielen Ausrufezeichen und „bitte fei lieber nicht aus dem Haus“ und dann Apokalypse und es wird umeinandergerannt und geräumt und Balkonmöbel festgezurrt und der Biergarten lieber gleich ganz zugelassen und der Badeausflug verschoben und den ganzen Tag im Türstock gesessen. Also wenn man nicht schon ein bisschen länger Nürnberger ist, dann macht man das so. Der Altgediente hingegen hockt sich superentspannt in ein Draußen und schaut hier und da nach oben und ganz vielleicht zieht er einmal kurz den Plastikponcho an, damit ihm die fünf Nieseltropfen nicht die Frisur ruinieren. Wenn sich eins sorgt ob der Nonchalance, dann lacht er heiser auf und sagt „Gewitter? Ich bitte dich. Wir sind in Nürnberg.“ Und dann kriegt er freilich recht, und sogar auf dem Regenradar kannst zuschauen, wie so ein glutrotes Trum von links auf uns zurast, und dann so kurz vor der Insel der Glückseligen wird scharf abgebremst und sich entweder direkt aufgelöst oder halt eben vorsichtshalber abgebogen. Warum genau das so ist, hat mir bis heut niemand ausreichend erklären können oder mögen. Aber es ist mir schon auch ein bisschen gleich, weil so lang ich mordsentspannt zuschauen kann, wie sich ein schwarzer Wolkenbruch über mir teilt wie das Meer einst um Moses herum, bin ich glückselig auf meiner Wetterinsel. Das muss jetzt nur noch der Wetterbericht auch einsehen und mit der „amtlichen Warnung“ vielleicht ein bisschen dezenter umgehen. So a bisserl Regen ist fei nämlich was anderes als ein Mordsunwetter. Ich hab’s gesehen. Auf dem Video. 

Freitag, 28. Juli 2017

Tatort Dialekt

In meinem wahnsinnig prominenten Schaffen hat sich’s neulich zugetragen, dass ich dem wahnsinnig prominenten Regisseur Max Färberböck begegnen durfte. Also in Wahrheit hab ich aus Sitzreihe fünf seinen Ausführungen gelauscht. Aber der Glanz ist bis hinter zu mir abgestrahlt. Jetzt Moment, ihr wisst eh wieder nicht, von wem ich sprech. Der Herr Färberböck ist der helle Geist, der beispielsweise den großartigen Film „Aimee & Jaguar“ gezaubert und zuletzt den Alptraum vieler Franken realisiert und ihn „Tatort“ genannt hat, wo man sagt, ja mei, so ein heller Regisseursgeist, der verausgabt sich halt vielleicht auch einmal und dann kommt halt sowas dabei raus nach 20 Jahren. Der Herr Färberböck hat sich beim Vortrag aber vor allem verausgabt, indem er episch ausgeführt hat, wie sehr er den Franken schätzt, den Liebreiz und die Herzlichkeit und die Stärke der Frauen, die war ihm spezialwichtig, und wie er sich hineinverliebt hat in uns hier, und da versteht man dann schon ein bisschen, dass bei so viel Begeisterung für ein Völkchen man das Bedürfnis entwickelt, ihm ordentlich eins vor den Latz zu knallen, also dem Volk, wegen sonst Größenwahn, und deswegen lieber Filme zu machen, wo der Franke als besonders deppert und unsympathisch rauskommt. Also Satire, quasi. Ganz besonders herausgehoben hat der Herr Färberböck außerdem den irrsinnssympathischen Zungenschlag des Mittelfranken, und das war schön, weil da ist dir dann auf einmal klargeworden, wieso er so viel Wert darauf legt, den irrsinnssympathischen Zungenschlag bei jeder sich nicht bietenden Gelegenheit besonders zum Zuge kommen zu lassen. Musst ich ihn gleich einmal befragen, weil ich das so nett find. Wie das so geht mit dem Dialekt, und wie er das so laufen lässt, wollt ich gerne wissen, und hab gehört, dass der Herr Färberböck, der übrigens ein Oberbayer ist und deswegen auf dem Gebiet des Fränkischen mit seinen so hauchfeinen Unterschieden, dass ausschließlich der Eingeborene zu hören vermag, ob er mit einem Nürnberger, Fürther oder gar gräußlichen Oberfranken parliert, von Natur aus eh sehr firm, also dass der das immer einfach ganz natürlich laufen lässt und deswegen weiß, dass alle Mimen immer und die ganze Zeit ausschließlich ganz natürlich sprechen würden und deswegen alles hernach immer ganz natürlich klingt. Und dass wenn ein Darsteller oder eine -in einmal wie in der schönsten „Mondebuldschano-Wallbollidschella-Binogrridscho“-Übung und dann 50 Minuten Theaterhochdeutsch und dann lieber nocheinmal etwas einflechten muss, das klingt wie „Rrrindsbulliong“ oder „Rriffllblech“, dass das dann alles nur ganz natürlich wär. Ganz beseelt von diesen olympischen Worten also im Sinne von vom Olymp zu mir herabgesprochen war ich. Und umso mehr gefreut hab ich mich jetzt, wie ich eine ganz natürlich fränkisch Sprechende im Film dabei erwischt hab, wie sie ganz natürlich geniederbayert hat. 

Freitag, 21. Juli 2017

Sommerduft

An einem dieser schönen Eintagssommertage, die es hier grad immer mal wieder im Sonderangebot gibt, war’s so, dass ich mit dem Radl umeinanderschlawanzt bin um die Mittagszeit und nach einer Mahlzeit Ausschau gehalten hab. Also nicht dass es mich grad schlimm verlangt hat nach einer, aber interessiert hätt’s mich schon. Das Interesse hat aber dann bald rapide abnehmen müssen und sich mit einem dringenden Gefühl einer bevorstehenden Magenausstülpung konfrontiert sehen, weil je mehr ich hingeschaut hab nach da, wo Menschen Mahlzeiten eingenommen haben, desto greißlicher ist mir geworden. Also jetzt mal abgesehen davon, dass „Zwaa Jägermeister, und dann lässt nochamal bidde die Luft aus meim Bilzglas!“ womöglich nicht direkt in Einklang geht mit den Empfehlungen des Bundesgesundheitsministers zur adäquaten Wasseraufnahme bei großer Hitze, geht für mich mit letztgenannter einher, dass man sich von bestimmten Nahrungsmitteln tunlichst fernzuhalten habe. Sitzen die also in der Gluthitze und krachen sich Döner, Schäufele und Grillplatten ins Gesicht, dass es eine wahre, also nicht natürlich, Freude ist. Aber gut, ich mein, nach meinem wirklich stets wenn überhaupt dann nur sehr zurückhaltend geäußerten Dafürhalten sollte es ja gesellschaftliche Konsense geben über das friedliche Zusammenleben in einer aufgeheizten Phase über 30. Also Grad Celsius. Die Ü30-Gesellschaft also habe bitte umgehend darauf zu verzichten, Vanille-Duftbäume in Autos herumzufahren und mittels geöffneter Fenster neben hipper Chartmukke einen allgegenwärtigen Geruch von Weihnachtsbackstube zu verbreiten. Weiters ist spätestens jetzt für alle Liebhaber schwerer Parfums, deren Produktion eigentlich seit dem Milleniumswechsel eingestellt sein sollte, wie „Joop Homme“, „Gaultier Le Male“ sowie weibliche Varianten, die Zeit gekommen, einzusehen, dass man sich für das Tragen dieser … Düfte … ähnlich zu schämen hat wie beim Zahnarzt, wenns zum Frühstück noch schön Zwiebelaufschnitt mit Aioli gab. In der U-Bahn lassen wir den Arm unten. So Zeug. Jetzt kannst du sagen, das ist ja aber alles Zeug, was wegen Luftdings mehr Menschen betrifft und deswegen Rücksicht, da kann dir doch sauber egal sein, ob ein Einzelmensch bei Ü30 ein greißliches Winterfutter in sich reintut. Das ist freilich ein bisschen richtig. Aber … Aber! Was mir eher einleuchten würde, wär, wenn einer sagen tät: Du, das ist halt vielleicht so wie im Arabien mit dem heißen Tee, den trinken die ja da auch wegen Abkühlung dann irgendwie, vielleicht funktioniert das mit dem Döner und dem Schäufele auch so, und in Wahrheit bist du die Angeschmierte. Darauf wüsst ich dann jetzt auch keine schlaue Antwort. 

Freitag, 14. Juli 2017

Bamiflü

Dass der Adlatus einfach stehengeblieben war, das hab ich erst nach ein paar Metern gemerkt. Umgedreht hab ich mich dann und irritiert in zwei Augen geschaut, die glaub ich aber schon noch sehr viel irritierter in mich hineingeschaut haben. „Was hast du da grade bitte gesagt?“ wollte man wissen, und ich hab in die Drogerie gesonnen, in die ich grad hineingehen hab wollen, und nachgedacht und wiederholt: „Na dass ich da noch schnell hab hineingehen wollen und eine wasserfeste Wimpi kau… oh“, hab ich mich unterbrechen müssen und bemerken, dass mir da scheint’s ein sehr seltsames Wort aus sehr längst vergangenen Kindertagen über die Lippen gehuscht war. Eine Wimpi, das war früher das, was wir heut elitär „Mascara“ nennen und nicht wissen, ob es die oder der heißt, Hauptsache das erwachsene Wort benutzt. Früher, da hatten wir viele Wörter, die sag ich heut schon auch noch aus Versehen, aber wenn dann eigentlich nur in Verbindung mit ironischem Gelächter und den Freundinnen von damals, die auch noch die von heute sind. Damals, da hatten wir wichtigeres zu tun als uns mit Wörtern aufzuhalten, deswegen war’s wohl erforderlich, alles so kurz zu schrauben wie möglich, und zudem mit einem Klang zu versehen, der den Wörtern den Schrecken der Realität zu nehmen vermochte. Wir schrieben morgen eine „Schulze“ und mussten dann noch „Hausi“ machen, wir wurden ins „Seki“ gerufen und wenn’s blöd lief auch zum „Direx“. Wir brauchten einen „Bleier“ und hatten den „Ratze“ nie dabei, konnten uns an selbigem aber sehr gut morgens treffen, und taten noch in der Kollegstufe der Lehrerin kund, „sponti“ zu entscheiden, ob man gleich den Leistungskurs mit unserer Anwesenheit zu beehren gedachte. Und wenn, dann um erstmal nach der „Wimpi“ der Sitznachbarin zu verlangen. Heute haben wir eigentlich auch keine Zeit mehr, um ordentlich zu sprechen, nur ist uns der Sinn für die Weichheit und Sympathie der Akronyme verlorengegangen. Voller Härte und Verachtung spucken wir Brocken wie „Arge“ in die Welt, anstatt freundlich „Agemei“ zu sagen, „Ich hab Post vom Agemei“, da geh ich doch gleich viel lieber hin, und dass ein „Bamf“ nun wirklich keine herzliche Einrichtung sein kann, das hört wohl jedes Kind. Bamf. Pampf. Matsch. Quatsch. Ein „Bamiflü“ hingegen, da würde man doch gern einmal vorbeiradeln und vielleicht ein paar Hors d'œuvre dabei haben für alle oder Schnitten mit freundlicher Clownwurst. Vor einiger Zeit hab ich mit dem Bürgermeisteramt telefoniert wegen meiner Überlegung, einen kommunalen Außendienst zu installieren, die von der Stadtspitze freundlicherweise geteilt wird. Wegen proaktiv hab ich auch gleich eine gute Bezeichnung parat gehabt, mittels derer die Institution dem Volksmund geläufig gemacht werden könnte. Da war das Bürgermeisteramt dann doch gar nicht mehr so begeistert. Aber gut. Vielleicht wäre „Komadi“ wirklich freundlicher als „KomA“.